Man kann über die schönste Sache der Welt wunderbare Worte finden, die nicht plump klingen. Das bewies Hähle mit seiner dunklen Stimme gut anderthalb Stunden. "Wir sind sonst eher als die Überzieher bekannt, schaffen auch gern mal Lesungen von vier Stunden", sagte Hähle schon entschuldigend beim Gang auf die Bühne. Diese hatte Kino-Chef Michael Güll in rotes Licht getaucht, passend zu den leisen, lustvollen erotischen Gedichten und Geschichten. Von romantisch verspielt-säuselnd bei "Die Liebe" bis zur selbstvergessenen Gier bei "Zeig's mir" reicht die Palette überbordender Gefühle. Er nahm weder ein Blatt vor den Mund - noch vor andere Körperteile. Andreas Hähle bot nicht nur viel Lyrik und Prosa, sondern berichtete dazwischen auch von eigenen Erlebnissen wie seine Geliebten ihn plötzlich zum dreifachen Single machten. Hähle seufzte und lachte über den Kampf der Liebe, verzwickt, kompliziert, komisch - mal hemmungslos, mal zurückhaltend - und sorgte für Träumereien, zustimmendes Nicken und wohliges Kopfkino.
Da der Berliner auch als Texter für verschiedene Bands unterwegs ist und Hörbücher füllt, hatte er sich zur Auflockerung den Dresdener Gitarristen Francis String mitgebracht. Der bot zwischen den Geschichten nicht nur Coversongs von Dirk Zöllner und eigene Stücke, sondern spielte sich gekonnt mit Hähle die Bälle zu. "Wir kommen gerne nochmal wieder, dann aber für vier Stunden", schlossen beide ihren mit Applaus honorierten Auftritt.
Mehr als die 20 Gäste im Kino hätte der Abend allemal verdient. "Das war toll", sagte eine Frau. Zwei Fürstenwalder im mittleren Alter, die ihre Namen der MOZ aber ebenfalls nicht verraten wollten, lobten den Auftritt als gelungen. Die erotischen Texte hätten sie angesprochen, seien gut formuliert und nicht plump gewesen.