Sebastian Kreiter ist bestens informiert. Lange schon ist er Tesla-Fan, vor anderthalb Jahren hat er sich eine Limousine dieser Marke zugelegt. Am Dienstag unternahm der Kölner, der gerade in Berlin Urlaub macht, einen Abstecher zur Tesla-Großbaustelle, der Gigafactory Berlin-Brandenburg in Grünheide.
Dass Tesla-Chef Elon Musk via Twitter für diese Woche seinen Besuch in Grünheide angekündigt hat, weiß er natürlich längst. Am Dienstag mehrten sich Spekulationen, dass er am Mittwoch kommen könnte. Eine Bestätigung von Tesla war dazu allerdings nicht zu erhalten.
Sebastian Kreiter ist dieser Termin auch nicht so wichtig. „Man käme doch sowieso nicht an ihn heran“, vermutet er. Was er wollte, hat der Kölner ohnehin schon längst erledigt: Baustellenfotos von der Gigafactory machen, die er gleich an Freunde weiterschickt, die ebenso von den amerikanischen Elektroautos fasziniert sind wie er.

Wohl viel zu aufgeregt

Eine Halbwüchsige, die kurz nach Kreiter gemeinsam mit ihrer Mutter an der Baustelle in Grünheide Station macht, ist nicht weniger begeistert. „Ich würde Elon Musk sagen, dass ich es cool finde, was er macht“, sinniert sie mit leuchtenden Augen über eine mögliche Begegnung mit dem Tesla-Chef nach. Für alles andere wäre sie in so einem Moment wohl sowieso zu aufgeregt, wie sie vermutet.
Marion Jauernig hätte werktags nicht einmal Zeit für einen Besuch an der Baustelle von Tesla. Pünktlich muss sie ihr Geschäft, die „Backstube“ in der Grünheider Karl-Marx-Straße, aufschließen. „Wir haben nichts gegen Tesla“, sagt sie und erzählt, dass auch schon mindestens einer der auf der Baustelle beschäftigten Arbeiter – kenntlich an der Aufschrift auf seiner Weste – bei ihr eingekauft hat. Sie interessiere sich schon für das Vorhaben, wenn auch nicht mehr so sehr wie zum Start. Man könne so schwer einschätzen, was die geplante Autofabrik der Region Gutes bringt und welche negativen Folgen der Bau habe. Im Laden ist Tesla nicht das Haupt-Gesprächsthema, wie sie erzählt. „Seit Corona nicht mehr.“
Erkners Bürgermeister Henryk Pilz verfolgt das Grünheider Großprojekt schon aus beruflichen Gründen wesentlich aufmerksamer und würde Elon Musk schon gern etwas sagen. „Wenn er schon so innovativ und fortschrittlich in vielen Bereichen tätig ist, sollte er mehr Konsequenz walten lassen, was die Herstellung der Batterien und den Umgang mit der Ressource Wasser betrifft. Es wird immer nur bis zum Punkt der Wirtschaftlichkeit gerechnet und nicht komplett nachhaltig“, findet der Bürgermeister, der aber für diese Woche keine Einladung auf das Werksgelände hat. Da geht es ihm nicht anders als Grünheides Bürgermeister Arne Christiani oder Rolf Lindemann (SPD), dem Landrat von Oder-Spree. „So lange wir keine Einladung haben, drängen wir uns nicht auf. Aber wenn wir noch eine bekommen, richten wir es kurzfristig ein, hinzufahren“, sagt Lindemanns Referent Christian Stauch.

Begeistert, aber keine Groupies

Da würde auch der 14-jährige Silas aus Grünheide nicht zögern, wie sein Vater Peer Heineken (46), selbst Tesla-Fahrer, vermutet. „Wenn Silas die genaue Zeit wüsste, würde er bestimmt hingehen. Wenn ich die Gelegenheit hätte, mit Musk zu reden, würde ich ihm meinen Respekt dafür aussprechen, dass er viele Dinge angeht.“ Er nehme dem Unternehmer ab, dass sein übergeordnetes Ziel sei, die Menschheit zu retten. „Aber wir versuchen uns bei aller Begeisterung nicht als Tesla-Fanboys hinzustellen. Wir sind keine Groupies, die Fähnchen schwenken.“