Ihre Hände zittern noch immer. „Sowas habe ich in Fürstenwalde noch nie erlebt“, sagt die 18-Jährige, die am Donnerstagabend unfreiwillige Zeugin einer Massenschlägerei in der Mühlenstraße geworden ist. Gemeinsam mit ihrem Freund lebt sie in einer der Wohnungen gegenüber. Sie erzählt, gegen 21.15 Uhr Gebrüll auf der Straße gehört zu haben. Durch das Fenster habe sie gesehen, wie sich Männer aus der Wohnung über der Spielothek mit anderen auf der Straße angebrüllt haben. Plötzlich seien einige auf den Vorsprung über der Spielhalle geklettert und hätten mit Blumentöpfen aus Plastik geworfen. Als dann die Männer aus der Wohnung auf die Straße herunterkamen, sei der Konflikt komplett eskaliert: „Es waren acht gegen zwei“, erinnert sich die Anwohnerin. Einer der Männer hielt ein Messer in der Hand, was den Streit noch weiter ausarten ließ. „Leg das Messer weg“, wurde immer wieder gebrüllt. Ein Mädchen, das ebenfalls aus der Wohnung über der Spielothek kam, soll versucht haben, den Mann mit dem Messer zurückzurufen, was jedoch erfolglos blieb. Über einem Mann wurde ein Stuhl zerschellt, „er hatte danach eine Riesenplatzwunde am Kopf.“ Auch ein Besen soll zerbrochen und als Waffe benutzt worden sein. „Als ich den blutbeschmierten Besenstiel sah, wurde mir ganz anders“, erzählt die Zeugin, die noch immer etwas blass ist.
In ihrem Wutrausch sollen die Männer nach Plastikstühlen sowie der Tafel vom Imbiss nebenan gegriffen und sich mit den Möbeln attackiert haben. „Die Inhaber haben sofort ihre Rollos runtergelassen, um Ihre Fensterscheiben zu schützen“, sagt die Beobachterin. Die Betreiber des Ladens waren am Freitag entsprechend unglücklich über den Schaden ihres Mobiliars. Die angehende Jurastudentin filmte ein Teil des Geschehens mit dem Handy. In dem Video ist eine Gruppe von Männern zu sehen, die Stühle in den Hauseingang neben der Spielothek werfen und diese wieder zurückgeschmissen werden. Auch eine Bauchtasche wurde als Peitsche benutzt. Zu sehen ist zudem, wie eine Passantin noch probiert, den Konflikt zu schlichten.

Provokation aus einem Fenster über der Spielothek

Ein weiterer Beobachter erfuhr von an der Schlägerei Beteiligten, dass jemand aus dem Fenster über der Spielothek gespuckt und einen der Männer unten auf der Straße mit seinem Speichel getroffen habe. Daraufhin habe die Gruppe, die vor der Spielothek stand, wütend reagiert. „Ein Mann ist dann von der Wohnung auf den Vorsprung über der Spielhalle geklettert und hat weiter provoziert. So ist das dann eskaliert“, erzählt der Mann, der auch die Polizei verständigte. Die ersten eintreffenden Beamten waren stark in der Unterzahl und sollen ebenfalls angegriffen worden sein. „Ich rief dann noch einmal bei der Polizei an“, sagt der Zeuge.
Nachdem Rufe laut wurden, dass sich die Polizei nähere, hätten sich die Männer in alle Richtungen zerstreut. Ein Teil der größeren Gruppe soll in den silbernen Mercedes, der direkt vor der Spielothek stand, gesprungen und weggefahren sein. Die Anwohnerin hat das Auto schon oft in der Mühlenstraße bemerkt: „Das ist wahrscheinlich das häufigste Fahrzeug, das ich in Fürstenwalde sehe.“ Worum es bei dem Streit ging, konnte sie dem Gebrüll nicht entnehmen: „Es waren nur Schimpfworte zu hören.“
Als die Polizei eintraf, traute sie sich herunter und stellte den Beamten ihre Videos zur Verfügung. Sie wird heute noch als Zeugin vernommen. „Bei einem wurde ein Alkoholtest gemacht, doch zu aller Überraschung hatte der Mann 0,00 Promille“, wundert sie sich. „Die Schlägerei dauerte insgesamt zehn Minuten. Währenddessen kam mir die Zeit ewig vor. Aber im Nachhinein fühlt sich das Ganze wie nur zehn Sekunden an“, sagt die Anwohnerin, die noch mit ihrem Schock kämpft. Eine weitere Augenzeugin, die an dem Abend ebenfalls zugegen war, empfand die Szenerie auch als angsteinflößend: „Ich habe mich nicht aus dem Auto getraut.“ Sie hielt sich zu dem Zeitpunkt in der Fischerstraße auf, von wo sie das laute Gezeter zunächst vernommen hatte.
Die Polizei bestätigte den Vorfall. „Die Hintergründe der Auseinandersetzung und ob dabei auch Messer verwandt wurden, wird im Zuge der weiteren Ermittlungen zu klären sein“, sagte Roland Kamenz von der Polizeidirektion Ost. Von sechs bisher ermittelten Beteiligten wurden fünf verletzt. Das Motiv der Auseinandersetzung steht jedoch noch aus. Vor Ort waren insgesamt drei Krankenwagen, mindestens vier Polizeiwagen und zirka 30 Einsatzkräfte. Kriminalisten der Inspektion Oder-Spree/Frankfurt (Oder) haben weitere Ermittlungen übernommen.