In ganz Deutschland schlagen die Tierheime Alarm. Auch der Tierschutzverein Fürstenwalde und Umland ruft um Hilfe und hat einen Brandbrief an die Politik und an die Bürger geschrieben. „Durch die explodierenden Energie- und Futterkosten wird der karitative Tierschutz an seine Grenzen kommen“, befürchtet Petra Neumann, die Vorsitzende des Vereins. Die Tierheime stoßen bei der Aufnahme von Hunden und Katzen an ihre Grenzen.
Der Tierschutzverein Fürstenwalde betreibt in der Buchholzer Chaussee seit zwölf Jahren ein Heim für Katzen. Mit derzeit 54 Tieren sei das Haus an seiner Kapazitätsgrenze angelangt, sagt Petra Neumann. „Wir haben nur eine Angestellte für 25 Stunden die Woche, alles andere machen wir ehrenamtlich. Und wir finanzieren uns fast ausschließlich aus Spenden.“

Tierarztkosten steigen ab November 2022

Seit Oktober 2022 seien die monatlichen Energiekosten um 150 Euro gestiegen, pro Jahr also Mehrkosten von rund 1800 Euro. „Ab November werden sich die Tierarztkosten erhöhen“, zählt Petra Neumann weitere Unwägbarkeiten auf. „Und ob die Leute bei den inflationären Preisen noch für uns spenden können, ist auch fraglich.“ Schon im Sommer hat Petra Neumann einen Bittbrief an die Stadtverwaltung geschickt, aber eine Antwort habe sie noch nicht erhalten.
Petra Neumann und Birgit Graß (v.l.) kümmern sich im Tierheim in der Buchholzer Chaussee ausschließlich um herrenlose Katzen. 54 Tiere leben zur Zeit hier, ab und zu finden sie ein neues Zuhause. Die Sorge geht um, dass wegen der Kosten das vom Tierschutzverein betriebene Heim in Insolvenz geraten könnte.
Petra Neumann und Birgit Graß (v.l.) kümmern sich im Tierheim in der Buchholzer Chaussee ausschließlich um herrenlose Katzen. 54 Tiere leben zur Zeit hier, ab und zu finden sie ein neues Zuhause. Die Sorge geht um, dass wegen der Kosten das vom Tierschutzverein betriebene Heim in Insolvenz geraten könnte.
© Foto: Ruth Buder
Von einem Aufnahmestopp für Katzen will die Vereinsvorsitzende zwar noch nicht sprechen, weil auch immer wieder Tiere abgeholt würden, aber die Situation sei dramatisch. „Im schlimmsten Fall muss unser Tierheim Insolvenz anmelden“, sagt Petra Neumann und hofft dennoch inständig, dass es dazu nicht kommt. Sie und Birgit Graß - eine der 15 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen – kennen jede Katze mit Namen und vor allem kennen sie ihre Schicksale.

Kissen, Decken und Sofas sorgen für viel Wäsche

Oft verwahrlost, verletzt, gleich nach der Geburt unter freiem Himmel ausgesetzt, haben sie im Heim ein gemütliches, sicheres Zuhause gefunden. Sie wohnen in einzelnen Zimmern mit Auslauf nach draußen. „Weil unsere Katzen auf Sofas, Decken und Kissen herumliegen können, haben wir auch sehr viel Wäsche. Unsere Waschmaschinen laufen fast immer. Das kostet“, erzählt Birgit Graß. Dass hier viel Wert auf Sauberkeit und Hygiene gelegt wird, damit sich keine Krankheiten ausbreiten können, sieht man auf den ersten Blick. „Die Arbeit machen wir ja umsonst, aber an den Energiekosten kommen wir nicht vorbei.“

Fürstenwalde

Christine Matzke, Leiterin des Tierheimes in der Berkenbrücker Chaussee, sieht ähnliche Probleme auf sich zukommen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Tierheim Verträge mit der Stadt Fürstenwalde und anderen Kommunen aus dem Umfeld hat, und deren Fundtiere aufnimmt. „Meistens bekommen wir Hunde. Für jedes Tier erhalten wir eine Pauschale, und die ist schon jetzt eng bemessen“, sagt Christine Matzke. Genau wisse auch sie noch nicht, welche Kosten auf ihr Haus zukommen.

Energieversorger kündigt Verdopplung des Gaspreises an

Sicher sei nur, dass der Energieversorger eine Verdopplung des Gaspreises angekündigt habe und „die Preise für Futter und Katzenstreu exorbitant gestiegen sind.“ Dazu käme die Erhöhung des Mindestlohnes für ihre acht Teilzeit-Mitarbeiter. Neben den Aufnahmepauschalen finanziert sich das Tierheim aus Spenden und aus der Tierpension. „Aber wenn wegen der Inflation das Geld nicht mehr für den Urlaub reicht, werden auch weniger Tiere in unsere Pension gebracht“, befürchtet die Heim-Leiterin eine Kettenreaktion.
Die 67-Jährige, die ihre Arbeit seit vielen Jahren mit viel Herzblut verrichtet, glaubt, dass der Tierschutz insgesamt leiden wird, wenn die Kosten ausufern und zum Dreh- und Angelpunkt würden. „Seit dem Spätsommer rufen an drei von fünf Tagen Leute an, die ihre Hunde loswerden wollen“, erzählt Christine Matzke. Plötzlich falle den Hundehaltern ein, dass sie keine Zeit zum Gassigehen haben, ein kleines Kind im Haus lebe oder der Hund zu viel allein sei. Oft würden dem Tierheim Problemtiere angeboten, vor allem aggressive Rüden, die sich kaum vermitteln ließen. „Wir können nicht jedes Tier von privat nehmen, brauchen den Platz für Fundtiere.“

Ausgesetzter Windhund-Mischling Sami aus Straßengraben gerettet

Wie zum Beispiel Sami, der Windhund-Mischling, der im Juni 2022 völlig entkräftet im Straßengraben bei Molkenberg gefunden worden sei. „Der wurde ausgesetzt“, ist sich Christine Matzke sicher. „Er musste an den Tropf und wir glaubten, dass er nicht überlebt. Aber er hat gut zugenommen, ist sehr anschmiegsam und lieb. Wir würden ihn gern in gute Hände geben.“
Bei den Katzen, die ins Heim gebracht werden, seien 95 Prozent extrem krank, sie seien blind, hätten Diabetes oder gebrochene Beine und Hüften. „Eine solche Behandlung ist sehr teuer.“ Wie das Tierheim mit der sich anbahnenden Teuerung an allen Ecken und Enden fertig werden kann, weiß sie nicht. „Auch meine Mitarbeiter machen sich zunehmend Sorgen.“
Am besten kann man die Tierheime mit Geldspenden unterstützen:
Tierschutzverein Fürstenwalde, Buchholzer Chaussee 1: DE 47 1705-5050-3291 55 4964
Tierheim Berkenbrücker Chaussee 10: DE 97 1705-5050- 1000368668