Vor 35 Jahren machte ihn der Schrei "Ich will raus" aus seinem Song "Sehnsucht" einem breiten Publikum bekannt, jetzt hat Purple Schulz ihn neu vertont. Manja Wilde sprach mit dem Sänger über sein Best-of-Album und Musik in Zeiten von Fake News.
Herr Schulz, als Musiker scheinen Sie unermüdlich, spielen eine Tour nach der nächsten. Was ist Ihr Antrieb?
Es macht mir einfach Spaß, auf der Bühne zu stehen. Außerdem lebe ich davon (lacht).
Fürstenwalde ist auf Ihren Tourneen eine feste Station. Was schätzen Sie am Spielort?
Die Kulturfabrik ist eine wunderbare Spielstätte mit einem tollen Programm. Da merkt man, dass die Macher sich Gedanken machen bei der Künstlerauswahl. Und für mich ist es immer gut, wenn ich nah an meinem Publikum bin. Mein Programm ist thematisch ja sehr intim, und da braucht es diese Nähe.
Worauf kann sich das Publikum freuen?
Auf einen emotionalen Abend mit besonders vielen alten Songs, auf überraschende Geschichten und musikalische Kraftnahrung. Mir haben oft Leute geschrieben, dass sie wochenlang Kraft aus einem Konzert gezogen haben.
Ihr Album "Nach wie vor" versammelt Ihre größten Hits. Ist es mehr als ein Best-of-Album?
Ich habe die Songs meines Lebenswerks zusammengestellt, die mir wichtig sind. Und mit "Kleine Seen" und "Sehnsucht" sind nur zwei Radiohits darunter. Mir ging es darum, die alten Songs vom Sound der Achtziger zu befreien und sie ins Jetzt zu holen. Aber es gibt auch zwei neue Songs sowie erstmalig eine Coverversion einer der besten Songs von Udo Jürgens. Ich konnte nicht widerstehen, diesen Song mit auf das Album zu nehmen. Schon allein, um herauszufinden, was passiert, wenn Purple ein Lied von Udo singt.
Wie muss man sich die Neuauflage alter Titel vorstellen – vor dem Hintergrund der technischen Entwicklung.
Damals schrieb ich Texte auf vorhandene Musik. Die Stücke verändern sich aber, wenn man den Text in den Fokus rückt. Auf einmal wird aus einem Popsong eine jazzige Nummer. Wo früher Synthesizer und Drumcomputer den Sound bestimmten, haben wir die Titel heute live eingespielt. Ich habe mein eigenes Studio und kann rund um die Uhr arbeiten. Das wäre vor 30 Jahren nicht vorstellbar gewesen.
Apropos: Der Mauerfall jährt sich zum 30. Mal. "Sehnsucht" wurde im Osten als Hymne der Ausreisewilligen gefeiert. Was denken Sie, für wen könnte er sich heute als Hymne eignen?
Der Erfolg von "Sehnsucht" liegt darin, dass jeder seine eigene Geschichte zum Text entwickelt hat. Wie sollte ich auch jemandem sagen, wonach er sich sehnen soll? Meine damals sicherlich hörbare Sehnsucht nach Familie und Solidarität hat sich erfüllt: Ich habe drei Kinder, vier Enkel und schreibe mit meiner wundervollen Frau Eri die Texte. Geblieben ist meine Sehnsucht nach der Wahrheit. Die hat es im Moment verdammt schwer, sich gegen Fake News durchzusetzen.
Haben Sie bei Ihren damaligen Konzerten im Osten etwas von der Aufbruchsstimmung gespürt?
Ende der Achtziger in der ehemaligen DDR zu spielen, war ein Geschenk des Schicksals. Ich spürte, dass sich dort etwas zusammenbraute, aber dass es nur wenige Monate später zum Mauerfall kam, hätte ich nicht voraussagen können.
"Nach wie vor", Sonnabend, 19 Uhr, Kulturfabrik, Karten kosten im Vorverkauf unter www.reservix.de 29,33 Euro.