Fürstenwalde. Hinter einem Gerüst versteckt laufen Arbeiten am Fürstenwalder Jagdschloss. Auch die Planungen der Stadt für dessen Sanierung und die der Hotellerie-Akademie-Investoren für den Umbau von Speicher und Provianthaus sind weit fortgeschritten.
Das Fürstenwalder Jagdschloss ist seit einigen Wochen von blauen und weißen Planen verhüllt. Sie hängen an Gerüsten, die das gesamte Gebäude umschließen und obendrüber ein zusätzliches Dach tragen. Was darunter passiert, bleibt für Passanten verborgen.
Fachbereichsleiter Christfried Tschepe und Ute Fleischer von der Stadtverwaltung gestatteten MOZ-Redakteuren am Mittwoch einen Blick unter die Haube. Dort zeigte sich das nackte Skelett des 300 Jahre alten, freitragenden Walmdaches. Die kunstvolle Arbeit der Zimmerleute kommt so noch mehr zur Geltung. Bei näherem Hinsehen allerdings wird klar, wie der Zahn der Zeit an den Balken und Sparren genagt hat. Einige sind ganz offensichtlich völlig morsch, andere scheinen äußerlich noch intakt, aber im Inneren sind sie hohl. Aus dem Gesims sind bereits etliche Steine ausgebrochen.
"Die Sicherungsarbeiten, mit denen 2013 begonnen wurde, hätten nicht viel später kommen dürfen", sagt Tschepe. Im vergangenen Jahr dann warnten die Statiker, die Dacheindeckung müsse runter. Die Last werde für die Balken zu groß, wenn im Winter noch Schnee dazu kommt. Deshalb wurden durch Beschluss der Stadtverordneten kurzfristig einige Hundertausende Euro zur Verfügung gestellt, um das Wetterdach zu errichten und die "Dachlichtung" vorzunehmen.
Die Biberschwänze, die typischen alten Dachziegel, sind nun verschwunden, auch die Dachlatten weitgehend entfernt. Demnächst wird noch ein Holzschutzgutachten erarbeitet. Dann sollen auch schon sehr bald die Ausschreibungen für die Zimmermanns- und Dachdeckerarbeiten folgen. Ute Fleischer, die das Projekt Jagdschloss betreut - und auch schon für den Bau des Jugendgästehauses in der Trebuser Straße zuständig war -, geht davon aus, dass große Teile der historischen Dachkonstruktion erhalten bleiben können. Denn während Sparren an den äußeren Rändern und das Gesims, auf dem sie enden, einen ziemlich desolaten Eindruck machen, sieht es im Inneren noch stabil aus.
Was im Übrigen für den gesamten Schlossbau gilt. "Für das Alter ist die Statik noch verblüffend gut", sagt Tschepe. Die Fenster, die vor einiger Zeit mit Blechen verschlossen wurden, sind jetzt offen für die Querlüftung des Gebäudes. Drumherum wurde bei einigen der Putz abgeschlagen. "Wir mussten prüfen, in welchem Zustand der Sturz, also der Rundbogen über der Festeröffnung, ist", erklärt Uta Fleischer.
Die Projektleiterin sagt, dass das Dach noch in diesem Jahr neu gedeckt wird. Natürlich wieder mit mit einer Doppeldecke von Biberschwänzen. Dann kann auch das Wetterdach wieder abgebaut werden. Das Gerüst wird allerdings noch einige Zeit länger stehen, für die vielen noch folgenden Arbeiten. Bis 2020, so sieht es auch jetzt die Planung vor, soll die Sanierung des Jagdschlosses abgeschlossen sein, im Jahr darauf werden dann noch die Arbeiten im Außenbereich erledigt. Insgesamt kostet des Projekt laut Planansatz 7,3 Millionen Euro, wovon 90 Prozent Fördermittel und 10 Prozent Eigenanteil der Stadt sind.
2020 ist auch die Jahreszahl, die für die beiden anderen Gebäude auf dem Gelände steht, den langen Speicher und das einstige Königliche Proviantamt, das in späteren Zeiten auch mal Ärztehaus war. Für die Arbeiten dort ist allerdings ein anderer Bauherr zuständig, die Investorengruppe, die in Fürstenwalde eine Akademie für Hotellerie und Gastronomie schaffen will. Sie hat die beiden Gebäude so wie auch die Aufbauschule samt Freiflächen an der Trebuser Straße erworben. Martin Smura hat die Fäden in der Hand und kommt derzeit etwa alle acht Wochen aus der Schweiz nach Fürstenwalde. Mit den Planungen beauftragt ist das Berliner Büro CMde.
Mindestens jeden Monat treffen sich Architekten, Projektleiter beider Bauherren und auch Denkmalschützer zu Abstimmungsrunden. Die nächste ist am 13. Februar. Aus diesen Runden weiß Christfried Tschepe, dass auch die Planungsarbeiten für den Speicher, der ein Hotel werden soll, und das Provianthaus, in das eine große Küche und Verwaltung einziehen sollen, schon ziemlich weit sind.
Hier werden laut Plan rund 14 Millionen Euro investiert, auch dabei werden Fördermittel genutzt. "Wenn es keine Förderung gibt, ist so was schwer betriebswirtschaftlich darstellbar", erklärt Smura. Das Architektenbüro hat seine Kapazität zunächst auf das Ensemble am Schloss konzentriert. Mit der Aufbauschule sei es noch ein weiter Weg, sagt Smura und betont, er sei beeindruckt, wie breit das Projekt in Fürstenwalde befürwortet werde.