Pablo hat beim Aufenthalt im nahe gelegenen Wald immer seine Lupe dabei. Der Vierjährige beobachtet mit Interesse den großen Hügel der Waldameisen. Seine Schwester Richardis (4) schaut sich derweil stundenlang die Ameisenstraße an. Vincent, mit seinen zwei Jahren der Jüngste im Bunde, sammelt lieber Steine, Blätter und Eicheln. "Bei uns gibt es nur wenig Spielzeug. Was wir brauchen, findet sich in der Natur", sagt Erzieher Johannes Schnee. Täglich sind die "Kleinen Waldfürsten" in der Natur unterwegs. Jedes Kind hat einen Rucksack mit Kleidung zum Wechseln dabei. Der Erzieher hält eine Thermoskanne mit heißem Tee bereit. "Sonne, Pflanzen, Tiere, Pilze, Wasser, Steine und noch vieles mehr sind eine optimale Grundlage, um die Natur als Erfahrungs-und Lernfeld zu nutzen. Das Leben im Einklang mit der Natur schafft gesunde Persönlichkeiten", erläutert Johannes Schnee. Bei den Entdeckungstouren durch Wald und Wiese geht es oft abenteuerlich zu. Die Jungen und Mädchen erfahren ihre Grenzen, Regeln werden aufgestellt. Die Kinder üben den rücksichtsvollen Umgang miteinander. Das Toben und Klettern soll etwas Alltägliches sein, genauso wie das Beobachten der Tiere, das Sammeln von Ästen, Moosen und Steinen. Unentwegt sind die Kinder in Bewegung, sie gestalten, beobachten, entdecken, erforschen, vergleichen und berichten. Nur zum vegetarischem Mittagessen, das von der Gaststätte Liebstöckel geliefert wird, kehren sie ins Hauptquartier am Amselweg in Nord zurück. Ein Team, dem viele junge Eltern angehören, ist dort nach langer Suche nach dem passenden Grundstück fündig geworden.
Dort stehen derzeit drei Bauwagen, die in zweijähriger ehrenamtlicher Arbeit heraus geputzt wurden. "Schadstoff-und schuldenfrei", betont Johannes Schnee stolz. Viele Fürstenwalder Firmen, darunter auch der Stadtforst, haben beim Material geholfen.
Die Aufenthalts- und Schlafwagen werden nur bei widrigem Wetter wie Gewitter, Sturm und Hagel gebraucht. Der acht Meter lange Wagen, in dem eine kleine Werkstatt entsteht, wird derzeit noch ausgebaut. Dort sollen später Kreativangebote für Kinder und Erwachsene laufen. Als Heizung dienen Gasöfen, ähnlich wie in Zirkuswagen. Für ein stilles Örtchen ist ebenfalls gesorgt. Da das Gelände noch keinen Strom- und Wasseranschluss hat, wurde eine Komposttoilette angeschafft. "Wir machen hier Luxus-Camping", schmunzelt der Erzieher.
Eigentlich sollte der erste Waldkindergarten in der Stadt schon längst fertig sein. Dass sich der Startschuss so stark verzögerte, hatte verschiedene Gründe. "Es gab Schwierigkeiten, ein geeignetes Grundstück in unmittelbarer Waldnähe zu finden. Um so glücklicher sind wir, dass wir jetzt mit fünf Kindern starten können", sagt Ines Walden, die Vorsitzende des Vereins, der den Kindergarten betreibt. Im nächsten Jahr rechnen die Betreiber mit elf Kindern.
Schätzungsweise 600 Wald- und Naturkindergärten gibt es heute in Deutschland, wobei der größte Teil in den alten Bundesländern beheimatet ist. Im Februar 2009 wurde, um das Konzept der Wald- und Naturpädagogik im Landkreis Oder-Spree zu verwirklichen, ein Naturkindergarten in der Bad Saarower Seestraße eröffnet, der bald an seine Kapazitätsgrenzen stieß. Nur vier Jahre später zogen die "Wald-und Wiesenhopser" in eine neue, dreigeschossige, unterkellerte Villa um. Die Kinder verbringen dort ebenfalls den ganzen Vormittag, bei jedem Wetter und jeder Jahreszeit, in der Natur. Dabei erkunden sie den Wald, den See, die Wiesen rund um Bad Saarow.