Hitze und Trockenheit haben auch in diesem Jahr den Bäumen im Fürstenwalder Stadtforst stark zugesetzt. Um das Überleben des Waldes zu sichern, müssen Anpassungen erfolgen – der Wald muss verjüngt werden, mit Arten, die mit den veränderten Bedingungen besser zurechtkommen. „Das Problem wird nicht geringer“, sagt Fürstenwaldes Stadtforstdirektor Thomas Weber. Er will diesen Handlungsdruck jetzt nutzen, um selbst wieder in den Ausbildungsbetrieb einsteigen zu können.

Zurück zu eigenen Waldarbeitern

„1995 haben wir uns von allen Waldarbeitern getrennt“, erklärte Weber den Mitgliedern des Fürstenwalder Hauptausschusses, dem er seine Idee für eine mögliche Lehrausbildung im Stadtforst vorstellte. Die Beschäftigung der neun Waldarbeiter sei damals ökonomisch nicht mehr darstellbar gewesen. Seit 1996 werde die Waldbewirtschaftung im Stadtforst ausschließlich durch externe forstliche Unternehmen gestemmt, so Weber. Ausbildungsplätze für Forstwirte bot der Stadtforst seitdem nicht mehr an.
Doch durch den zunehmenden Waldumbau hat sich die Arbeit verändert. „Wo wir Flächen verjüngt haben, wachsen Waldbestände heran, die gepflegt werden müssen“, erklärte Weber. Diese Pflege hofft er, in Zukunft mit Forstwirten zu stemmen, die unter anderem im kommunalen Eigenbetrieb ausgebildet werden. Sie sollen nach Wunsch des Stadtforstdirektors als „Wald-Klimawirte“ die für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung nötigen Fähigkeiten erlernen und zur Klimaanpassung der Wälder beitragen. „Der Wald der Zukunft braucht mehr Fachkompetenz“, betonte Weber. Durch die Nachwuchskräfte erhofft er sich neue Akzente im Bereich des Waldbaus, auch, was den Einsatz von digitalen Techniken wie zum Beispiel die Waldbegutachtung mit Drohnen angeht.

Verbund soll Ausbildungskosten aufteilen

Zusammen mit Monique Müller vom privaten Dienstleister Stiftung August Bier in Sauen sei überlegt worden, ob man als Verbund solch eine Ausbildung anbieten könne. Denn in Gesprächen mit anderen Forstbetrieben sei deutlich geworden, dass qualifizierter Nachwuchs für Arbeiten an klimaangepassten Wäldern fehle. Dennoch stellten für viele Betriebe die Ausbildungskosten eine große Hürde dar. „Ein Ausbildungsverbund soll helfen, die Belastung für einzelne Betriebe zu begrenzen und koordinieren, wie die Lehrlinge am besten eingesetzt und verteilt werden können“, sagte Weber. „Für einzelne Betriebe sind mehrere Auszubildende finanziell nicht leistbar.“
Um sich für etwaige Fördermittel zu qualifizieren, ist aus der Idee ein Projekt mit einer vierjährigen Laufzeit geworden, das bei der Fachagentur nachwachsende Rohstoffe eingereicht wurde. Das Projekt soll dabei durch die Waldarbeitschule Kunsterspring und eventuell die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde wissenschaftlich betreut werden. Immerhin 80 Prozent der 999.375 Euro, die dafür kalkuliert sind, sollen von der Fachagentur kommen. Für die einzelnen Projektpartner, also auch den Stadtforst Fürstenwalde, blieben dann noch Kosten von etwa 20.000 Euro pro Jahr, wie Weber den Stadtverordneten mitteilte.
Doch mit dem Fördermittelantrag geht es nicht weiter. Der liege in der Behörde, sagt Weber, der weiter die Werbetrommel für sein Ausbildungsprojekt rührt. Denn ohne Fördermittel sei es nicht machbar. „Ich bin hoffnungsvoll, dass wir eine Möglichkeit finden, das Projekt ins Ziel zu führen“, sagte Weber den Stadtverordneten, die er ebenfalls für die Idee gewinnen wollte. Sie signalisierten mehrheitlich ihre Zustimmung.

BUND mahnt zu Berücksichtigung der Artenvielfalt


Dass der Wald im Zuge der Klimaveränderungen vor Herausforderungen steht, sagt auch Axel Heinzel-Berndt, Naturschutzreferent beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Brandenburg. „Der Klimawandel ist Fakt“, betont er. In den Wäldern ändere sich die Baumzusammensetzung – fremde Arten wie Robinie und Traubenkirsche verbreiteten sich beispielsweise verstärkt. Auch im Zuge der Klimaanpassung der Wälder setzten Waldbesitzer oftmals auf nicht-heimische Arten, die gewissen Bedingungen besser standhalten.

Heinzel-Berndt mahnt jedoch, auch das Artensterben zu berücksichtigen. So seien viele heimische Insektenarten an heimische Baumbestände gebunden. Würden diese nach und nach durch fremde ersetzt, schwinde der Tierbestand. Heinzel-Berndt wünscht sich, dass Waldbesitzer auf natürlich vorkommende Vegetation setzen, um den Erhalt der Artenvielfalt und den Klimaschutz zu vereinbaren.