Dicht drängten sich 80 Gäste – schmuck herausgeputzt – in der Aula der Briesener Grundschule „Martin Andersen-Nexö“. Dabei waren Mitarbeiter der Verwaltungen von Briesen und Steinhöfel, die Gemeindevertreter der vier beteiligten Gemeinden, aber auch Landrat Rolf Lindemann und Jens Graf vom Städte- und Gemeindebund. Da sich in das Verfahren auch die Landtagsabgeordnete Elisabeth Alter (SPD) und Bundestags-Mitglied Martin Patzelt (CDU) eingebracht hatten, galt auch ihnen netter Begrüßungsapplaus.
Kaum war zum Auftakt „Märkische Heide“, gespielt von Franziska Höpfner und Tim-Niklas Tews vom Akkordeon-Orchester Oder-Spree, verklungen, trat Jörg Bredow, Vorsitzender des Amtsausschusses, ans Mikrofon. Er freute sich darüber, dass sich zwei Nachbarn, in diesem Fall das Amt Odervorland und die Gemeinde Steinhöfel, die Hand reichen, um ab 1. Januar gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Der Findungsprozess findet nach sieben Jahren damit einen Abschluss. Höhen und Tiefen seien auf dem Weg dahin zusammen gemeistert worden, auch manch’ größeres Loch wurde gestopft. Einen besonderen Dank schickte er an die Verwaltungen und die AG beider Kommunen, ohne deren Zielstrebigkeit alles nicht zustande gekommen wäre.
Dass Steinhöfel mit dem Beitritt der Gemeinde ins Amt Odervorland nun eine Lösung gefunden habe, die zukunftsweisend sei, fügte die Ortstbürgermeisterin Renate Wels an. Erreicht habe man das nur auf Augenhöhe und mit Offenheit. „Nun geht es ab Januar richtig los.“ Voller Zuversicht lege sie die Arbeit der Verwaltung in die Hände der Amtsdirektorin Marlen Rost. Gern werde sie unterstützen, damit die Verwaltungen richtig zusammenwachsen. „Wir haben ein sehr gutes Team und werden ab Januar arbeitsfähig sein.“ Sie selbst werde statt als Bürgermeisterin nun als Mitarbeiterin des Amtes die Außenstelle in Steinhöfel bis 18. Dezember 2019 leiten. „Danach beginnt mein Ruhestand. Mein Mann freut sich schon, meine Familie auch.“
„Wenn ihr schnell sein wollt, geht allein. Wenn ihr weit kommen wollt, geht zusammen“. An diese afrikanische Weisheit erinnerte Amtsdirektorin Marlen Rost immer wieder. Nur im Team werde die Verwaltung erfolgreich sein. Odervorland werde durch den Beitritt Steinhöfels nun die fünftgrößte Verwaltung im Landkreis. Das Amtsmodell habe sich bewährt, sichere Arbeitsplätze und sei wichtig als Ansprechpartner für die mehr als 10 000 Einwohner. Der freiwillige Zusammenschluss, gut beraten vom Land und befürwortet von allen vier Gemeinden durch die öffentlich-rechtliche Vereinbarung könne nun „gelebt“ werden.
Als Standesbeamter fühlte sich an dem Abend der Innenminister Karl-Heinz Schröter. Gern erteile er die Genehmigung zur „Ehe“, zur Zusammenführung beider Verwaltungen. Er selbst hatte eher die Verbandsgemeinde als neues Modell favorisiert, sah mit dem Betritt Steinhöfels das Amt Odervorland aber auf einem guten Weg, die Anforderungen an die Verwaltungen zu meistern. Er dankte nicht nur der „Frauenpower“ sondern auch den Gemeinden, die dafür den Weg freigemacht hätten, „und auch die Geschwindigkeit ist bemerkenswert.“ Schließlich verging von den ersten Gesprächen bis heute nicht mal ein Jahr. Künftig 18 Feuerwehren auf 340 Quadratkilometer Fläche zu händeln, auch das sei eine Herausforderung, „aber Sie schaffen das und werden in fünf Jahren schon die Früchte ihrer Zusammenarbeit ernten“, so Innenminister Schröter, der im Anschluss die Genehmigung der öffentlich rechtlichen Vereinbarung zum Beitritt Steinhöfels übergab.
Das Weihnachtslieder-Medley der beiden Akkordeon-Spieler animierte als Ausklang des Festaktes die Gäste sogar zum Mitsingen, als Zugabe schmetterten alle gemeinsam stehend nochmal „Märkische Heide“. Anschließend traf man sich zu weiterführenden Gesprächen bei Häppchen und Sekt.