Lenz weist ihn höflich darauf hin, dass er dort im Parkverbot steht. Sein Gegenüber reagiert uneinsichtig. "Es ist doch jede Menge Platz hier", sagt er und schließt eine Frage an: "Wo soll ich denn sonst parken?" Lenz verweist ihn auf den Parkplatz bei Edeka und Netto ganz in der Nähe. Der Senior beschließt, sein Auto trotzdem stehen zu lassen. "Dann machen Sie halt einen Zettel ran", sagt er, murmelt "Bad Saarow" und schüttelt dabei den Kopf. Derartiges erlebe er öfter, berichtet Lenz. Im Kurort seien vergleichsweise viele gut betuchte Menschen unterwegs, die ein Verwarngeld für ein bisschen Bequemlichkeit in Kauf nähmen, laute der Eindruck des 20-Jährigen.
Wer im Bad Saarower Kurbereich am Scharmützelsee-Nordufer unterwegs ist, bewegt sich außer in der Lindenstraße und im östlichen Stück der Ulmenstraße in einer verkehrsberuhigten Zone, gekennzeichnet durch sogenannte Spielstraßen-Schilder. Generell gilt: Geparkt werden darf dort nur eigens dafür ausgewiesenen Flächen. Die Gemeinde Bad Saarow will dadurch erreichen, dass die strengen Lärm-Grenzwerte, die für Kurorte gelten, nicht überschritten werden. Die Folge sind verbotswidrig abgestellte Fahrzeuge, wie der BMW des älteren Herrn. Vor allem im Sommer und an den Wochenenden sei das ein großes Problem, berichtet der stellvertretende Amtsdirektor Reiner Sydow. Vor einem halben Jahr hat die Verwaltung daher gehandelt und zwei neue Mitarbeiter für das Ordnungsamt eingestellt, die besonders im Außendienst unterwegs sind. Lenz ist einer davon. Außerdem ist seit Februar Anika Kaube dabei. Die 29-jährige führt auch Statistiken. Vergangenen Sonnabend habe sie innerhalb von drei Stunden 33 Verwarngelder verhängt, am Sonntag 35. Am Dienstag waren es auch während der Woche 31. Am 16. August, als die Hitze besonders viele Ausflügler an den Scharmützelsee trieb, verteilte sie auf ihrer dreistündigen Streife 69 Knöllchen.
Zehn Euro werden für den Fahrzeughalter dann im Regelfall fällig. Spielraum gibt es dabei nicht, die Tarife sind bundeseinheitlich geregelt. Sydow findet sie zu niedrig. "Die Höhe der Strafen ist nicht abschreckend genug", sagt er. Dazu passen Anekdoten, die Kaube erzählt. Schon mehrmals sei sie auf Streife zum Beispiel in der Seestraße gefragt worden, was es denn koste, dort zu parken. Auf ihre Antwort "zehn Euro" hin hätten die Autofahrer dann ihre Fahrzeuge abgestellt und sich auf den Weg ans Wasser gemacht.

Meiste Verstöße in Seestraße

In der Seestraße im Bereich rund um den Hafen gebe es die meisten Parkverstöße, bestätigt ihr Kollege Lenz. "Dabei ist von dort der große kostenlose Parkplatz an der Silberberger Straße nicht weit", sagt Sydow. Vielleicht, so seine Hoffnung, bringt ein Parkleitsystem Besserung. Es ist in Arbeit, nachdem die Gemeinde dafür Fördermittel an Land ziehen konnte und ein entsprechender Beschluss der Gemeindevertretung folgte.
Bei der Tour am Freitag verhängt das Ordnungsamt auch ein höheres Verwarngeld. 35 Euro werden fällig für einen Autofahrer, der seinen Wagen auf einem Behindertenparkplatz an der Schwanenwiese in der Seestraße abgestellt hat. "Das kommt aber eher selten vor", so Lenz, der vor seinem Einstieg im Amt Scharmützelsee eine Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten bei der Bundespolizei absolvierte. Am Kurpark, neben den Kolonnaden, verteilt er insgesamt sieben Knöllchen. "Sobald irgendwo ein Auto steht, stellen sich andere daneben", ist seine Erfahrung. Dann taucht der Herr mit dem BMW und seiner Bad-Saarow-Kritik auf. "Wir treffen aber auch Menschen, die uns loben für das, was wir tun", sagt Lenz.