Lediglich knapp neun Meter trennen das Haus von Uwe Schädler vom benachbarten Grundstück, das ein Investor bebauen will. Dieser schmale Streifen bietet der Grünheider Familie den einzigen Raum für Erholung. Denn auf der Vorderseite des Hauses liegt, ebenfalls nur wenige Meter entfernt, die viel befahrene Friedrich-Engels-Straße.
„Vorn donnern die Mautflüchtlinge entlang und wir liegen direkt unter der künftigen Einflugschneise für Schönefeld. Wenn jetzt auch noch hinterm Haus eine Straße und Parkplätze gebaut werden oder auch dreistöckige Stadtvillen, haben unsere Grundstücke gar keinen Erholungswert mehr“, hatte der 62-Jährige seiner bösen Vorahnung im Bauausschuss Luft gemacht.
Die „nicht ortsübliche Bebauung“ beschere den Anwohnern große Einschränkungen, argumentierte sein Nachbar Matthias Böhme. Und ein weiterer, Stefan Böhme, kritisierte zudem das Agieren der Verwaltung. Bei einer Anfrage im Bauamt sei ihm gesagt worden, es gebe keine Erkenntnisse zu dem Vorhaben. Was das baurechtliche Verfahren anbelangt, sagt Schädler, laufe „sicher alles sauber, aber es ist nicht bürgernah“. Es habe vorab keine Information der wenigen Anrainer gegeben und von einer Runde am 4. Dezember, an der er – wie angekündigt – nicht teilnehmen konnte, gebe es kein Protokoll. „Ich hatte gebeten, meine vorab in einem Telefonat geäußerte Ablehnung in dem Gespräch zu erwähnen, was nicht geschah.“
Worum geht es bei dem Projekt? Vorgesehen ist, dass ein etwa 0,45 Hektar großes Areal an der Karl-Marx-Straße 28 für eine Wohnanlage entwickelt wird. Mit einem Investor wurde ein Erbbaupachtvertrag geschlossen. Derzeit und noch bis zum 7. Februar liegt im Grünheider Rathaus der Entwurf zum Bebauungsplan aus. Der gibt den Rahmen für die künftigen Entwicklung vor.
Im Ortsbeirat wurde laut Bauamtsleiterin Claudia Kulosa eine Variante mit drei zweigeschossigen Stadtvillen im hinteren Teil favorisiert, also in Höhe von Schädlers Grundstück, sowie einem dreigeschossigen Wohn- und Geschäftshaus an der Karl-Marx-Straße. Die Straße nebst Parkplätzen, die die Nachbarn direkt an ihren hinteren Gartenzäunen befürchten, werde wohl eher an die Südseite des Areals, zum bestehenden Ärztehaus hin, verlegt. „Der Landesbetrieb Straßenwesen befindet die nördliche gewählt Einmündung als zu dicht an der Ampelkreuzung.“ Damit würden die Villen weiter an die Nachbarn heran rücken – im Rahmen dessen, was das Baugesetzbuch regelt. Das alles sei jedoch nicht Gegenstand des derzeitigen Planverfahrens, werde erst im Zuge des Bauantrags zu betrachten sein, sagt die Amtsleiterin.
Was die Nachbarn noch ärgert: Bis September 2018 gab es auf dem Gelände einen abgeschlossen Keller, den Schädler als mögliches Fledermausquartier einstuft.  Er wundert sich, dass dieser einfach so zerstört werden durfte. Der Landkreis konnte dazu bis Redaktionsschluss nicht konkret Stellung beziehen.