"Die musste einladen", habe seine Frau nach der Lektüre des Buches gefordert, leitete Friedrich Stachat seine Begegnung mit Deborah Feldman ein; gut 50 Gäste verfolgten das Gespräch aus der Reihe "Stachat und seine Gäste". Wobei sich die Unterhaltung über das, was nach der Flucht aus der Gemeinde folgte - Orientierungslosigkeit, die Suche nach Identität - vor allem zwischen der Autorin und ihrem Verleger, Christian Ruzicska, entspann. Mit seiner Hilfe hat Feldman, deren Muttersprache Jiddisch ist, ihr zweites Buch "Überbitten" aus dem Englischen übersetzt und teilweise neu geschrieben.
Darin geht es auch um Versöhnung. Sie habe es geschafft, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen, sagte Feldman, die seit drei Jahren in Berlin lebt. "Zurück zu meiner Großmutter konnte ich nicht, aber ich konnte auf ihren Spuren in umgekehrte Richtung reisen." Feldmans Großmutter, bei der sie aufwuchs, war als Holocaustüberlebende aus Ungarn nach New York ausgewandert; nach ihrem Ausstieg bereiste die Autorin zunächst Europa, bis sie sich in Berlin niederließ.
Wie es ihrem Sohn in Deutschland gehe, wollte ein Zuhörer abschließend wissen. Er spreche akzentfrei deutsch und sei, sagte die Autorin, der Beweis, dass die Familie in Berlin angekommen sei: "Er war immer mein führendes Licht, jetzt muss er dieses Licht nicht mehr sein". Sie habe mittlerweile eine eigene Vision für ihr gemeinsames Leben.