Und so entschuldigte sich die mittlerweile 71-jährige Sängerin und Schauspielerin gleich zu Beginn ihres Auftritts: "Sie dürfen sich nicht wundern, dass die Stimme heute nicht so klingt, wie Sie sie kennen." Doch bis auf die Bitte um einen Schluck warmes Wasser zwischendrin bot sie ein Gastspiel, wie es das Publikum von ihr gewohnt ist. Schlank, ganz in schwarz gekleidet stand sie mit ihren langen, roten Haaren und dezent geschminkt auf der Bühne, so als könne ihr die Zeit nichts anhaben. Begleitet von ihrem Pianisten Stefan Kling trug sie nicht nur Lieder und Chansons vor. Sie rezitierte Gedichte von Heinrich Heine und unterhielt das Publikum mit jeder Menge bissiger politischer Statements.
Zur Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten erklärte sie gleich zu Beginn des Abends: "Donald Trump ist wie ein zweiter Hitler, aber der ist in drei Jahren wieder weg." Der Vergleich ließ so manchen im Publikum raunen. "Ich muss das sagen, sonst platze ich", erklärte sie ihr ganz persönliches Empfinden. Später forderte sie die Zuhörer auf, in diesem Jahr zur Wahl zu gehen. "Denn wer nicht wählt, hat auch gewählt."
Katja Ebstein ist eben ein politischer Mensch, einer, der den Mund aufmacht - das hat sie ihr ganzes Leben lang getan: in der Studentenbewegung, in der Friedensbewegung, bei Attac. Zweimal 50 Minuten lang nutzte sie die Bühne auch für ihre Botschaften zum Thema Liebe, Leben und Leidenschaft, die das Publikum von ihr erwartet. Hits wie "Na und ... Wir leben noch!" oder "Theater, Theater" wurden mit heftigem Applaus honoriert. Den Refrain von "Wunder gibt es immer wieder" sangen zum Ende der Veranstaltung fast alle mit.Ihre Energie, ihr Esprit und ihr kontrastreiches Programm begeisterten das Publikum immer wieder. Was sie trotz Krankheit an diesem Abend geleistet hat, empfanden viele Besucher mehr als enorm. Martin Frolowitz aus Frankfurt (Oder) sagte erstaunt: "Sie hat sich unglaublich gut gehalten, das ist beeindruckend."
Besonders glücklich über den gelungenen Abend zeigte sich Klaus-Peter Oehler, der Geschäftsführer der Kulturfabrik, dem es gelungen war, Katja Ebstein nun zum zweiten Mal in sein Haus zu holen. "Es gab so viele Anfragen, dass wir auch zwei Veranstaltungen hätten machen können", erklärte er. "Sie ist einfach richtig gut."