Jubelrufe und Applaus tönen aus dem Saal, als die ersten Frauen in Abendkleidern den Laufsteg betreten. Carmen Mönnich hat sich für ein bodenlanges Kleid entschieden. Tochter Fabienne steht im Publikum, fiebert mit ihrer Mutter und filmt den großen Auftritt. "Das war für mich der schönste Moment, als ich in meinem weinroten Abendkleid auf der Bühne stand", wird Carmen Mönnich später sagen. "Ich habe mich gefühlt wie Schneewittchen."
Dass sie die hohen schwarzen Schuhe, die sie für den Abend ausgewählt hatte, gar nicht tragen kann, weil ihr die Füße noch so von den Proben am Vortag schmerzten, ist egal. Dass sie eine Woche vor der Wahl noch einmal einkaufen ging, um ihr blass lilafarbiges Kleid gegen das rote auszutauschen, weil das im Scheinwerfer-Licht besser zur Geltung kommt, hat sich gelohnt. Dieser eine, besondere Moment ist all das Wert.
Carmen Mönnich aus Bad Saarow gehört zu den schönsten Frauen Deutschlands. In der Nacht zu Sonnabend steht die 53-Jährige im Finale der "Miss 50plus" im nordrhein-westfälischen Harsewinkel. In drei Durchgängen präsentieren sich die 20 Finalistinnen der Jury. Zweimal tragen sie vorab für sie ausgewählte Outfits, einmal dürfen sie in ihrem eigenen Kleid über den Laufsteg gehen.
Doch die Präsentation im Abendkleid sei gar nicht mehr in die Wertung eingegangen, bedauert Carmen Mönnich. Das schwarze Kleid mit dem Rollkragen, das sie während des entscheidenden Durchgangs trug, habe nicht ihrem Geschmack entsprochen. "Sie hat sich unwohl gefühlt", sagt Tochter Fabienne. Dabei habe das Outfit auf der Bühne gar nicht schlecht ausgesehen, findet die 21-Jährige.
Für einen Platz auf dem Siegertreppchen hat es für Carmen Mönnich zum Schluss nicht gereicht. Unglücklich ist sie darüber nicht: "Es sind 20 tolle Frauen, wir haben die Veranstaltung richtig gerockt, alles war super professionell", berichtet sie, während sie am Steuer ihres Autos sitzt und in Richtung Heimat fährt. Was sie dort als erstes tut? "Ausschlafen." Die Anreise am Mittwoch, die Proben am Donnerstag, die große Aufregung am Freitagabend und die Aftershow-Party bis in den Morgen seien doch ganz schön anstrengend gewesen, sagt die dreifache Mutter lachend. "Ich bin so voll Adrenalin, ich muss das erst mal sacken lassen."

Frühester Neustart mit Ü60

Die neue "Miss Germany 50plus" heißt Tatjana Jünger, hat langes, dunkles Haar und kommt aus Hatten (Niedersachsen). Im cremefarbenen Kleid strahlt sie in die Kameras der Fotografen. Platz zwei gehört Wenke Oehlandt (Buchenbach), Platz drei Peggy Beisert (Friedrichshafen). "Tatjana steht beispielhaft für eine Generation von Frauen, die mit Selbstbewusstsein, Charme, Klugheit, Authentizität und natürlich ihrer Schönheit überzeugen", sagt Ralf Klemmer, der Geschäftsführer der Miss Germany Corporation. Mehr als 550 Frauen hatten sich laut Veranstalter für den Wettbewerb beworben. Zur Jury gehörten: Wolfgang Bosbach (Politiker), Ekaterina Leonova (Profi-Tänzerin), Christine Mayn (Schauspielerin), Christine Michels (Apothekerin), Astrid Rudolph (Styling-Expertin), Meike Streker (Kosmetik-Wissenschaftlerin), Christine Wache (erste Miss 50plus Germany) und Nick Wilder (Schauspieler).
Sie werde nicht mehr an Miss-Wahlen teilnehmen, sagt Carmen Mönnich. "Na, vielleicht an einer Ü60-Wahl", schränkt sie dann doch noch ein. Carmen Mönnich wurde in Zeitz geboren, zog mit elf Jahren nach Fürstenwalde um, gehörte dort dem Tanz-Ensemble "Modejournal Josephine" an – und führte schon damals bei Betriebsfeiern und zu Diskotheken Mode vor. Sie lernte Bürokauffrau, arbeitete viele Jahre als Sekretärin – und nahm 1992 das erste Mal an einer Miss-Germany-Wahl teil. Später entschied sie sich, vor allem für ihre Kinder da zu sein.