Ganz vorsichtig hebt Tierpflegerin Sabrina Nippe einen winzigen Herbstigel hoch. Das ist eine piekrige Angelegenheit, weil die naturgeschützten Tiere sich bei Gefahr sofort einrollen und dabei ihre Stacheln in Abwehrposition stellen. Knapp 200 Gramm bringen viele der kleinen Stachelkugeln, die derzeit in der Igel-Station des Fürstenwalder Tierheims untergebracht sind, auf die Waage. Die leichtesten gerade einmal 125 Gramm.

Igelbabys werden mit der Flasche aufgezogen

Tierpflegerin Maureen Pichowski hat sich vier solcher untergewichtigen Igelbabys angenommen. Sie päppelt das Quartett in mühevoller Arbeit zuhause auf. Das bedeutet wenig Schlaf: alle drei Stunden bekommen die Kleinen spezielle Aufzuchtsmilch aus der Flasche. Normale Milch vertragen Igel nicht.

Mindestgewicht für Winterschlaf sind 500 Gramm

Schon 75 Winzlinge sind seit Ende August von besorgten Tierfreunden in die Igel-Station gebracht worden. „Viel zu früh, da sie zu dieser Zeit ja noch selbst Futter finden würden“, sagt Sabrina Nippe. Aber je kühler die Nächte, umso schwerer wird es für kleine Igel, den Magen zu füllen. In der Dämmerung sind die winzigen Stacheltiere derzeit unterwegs, um mit beispielsweise Asseln, Schnecken und Würmern Winterspeck anzufressen. „Ein Igel braucht für den Winterschlaf ein Mindestgewicht von 500 Gramm, noch besser wären 800 Gramm“, sagt Brita Borsutzki vom Fürstenwalder Tierheim.

Notrufe kommen auch aus dem Umland

Das Kommunikationszentrum Mensch & Tier, dass nicht nur das Tierheim, sondern auch die ehrenamtliche Igelstation an der Berkenbrücker Chaussee betreibt, bietet den Igeln, die menschliche Hilfe brauchen, eine Pflegestelle auf Zeit. Der Einzugsbereich ist groß, da es nur wenige solcher Pflegestellen im Land Brandenburg gibt. Die Notrufe kommen aus dem näheren Umkreis, aber auch aus Erkner, Strausberg, Heinersdorf bis Frankfurt. Allein im vergangenen Jahr waren es mehr als hundert. Das ist eine ehrenamtliche Aufgabe, die an Grenzen stößt, weil sie für die Mitarbeiter großen Mehraufwand bedeutet: Zweimal am Tag füttern und Käfige sauber machen.

Igelpaten für die Aufzucht zuhause werden gebraucht

„Deshalb sind wir auch in diesem Jahr wieder auf die Hilfe von Igelpaten, die Pfleglinge zu sich nach Hause holen, angewiesen“, sagt Vizechefin Chritine Matzke. Die Mitarbeiter freuen sich, dass über zahlreiche Unterstützer, die Tiere zuhause fütterten, gesund über den Winter brachten und im Frühjahr im heimischen Garten auswilderten. „Rund 40 Tierfreunde halten uns dabei die Treue und sind sehr aktiv“, sagt Christine Matzke. „Igel sind sehr nützlich, halten das Grundstück schneckenfrei. Das ist quasi der Lohn für das Engagement.“

Winterschlaf im Pappkarton

Wer einen Igel in Pflege nehmen will, braucht einen separaten Kellerraum, der eine Temperatur von zehn bis 15 Grad hat. Wenn es kälter ist, frisst der Igel nicht genug. Da Igel erstaunlich gut klettern können, wäre ein größerer Kleintierkäfig, ausgelegt mit Zeitungspapier, das täglich gewechselt wird, ideal. Als Schlafhäuschen kann ein kleiner Pappkarton, gefüllt mit Zellstoff oder Papierschnipsel dienen. Außerdem braucht der Igel täglich frisches Wasser – niemals Milch –, Dosenfutter für Katzen und Hunde, gekochte Eier, Haferflocken, Rosinen und Banane. Hat er sein Einschlafgewicht erreicht, wird der Igel nicht mehr fressen und im Häuschen bleiben. Zusammengerollt als Kugel macht er Winterschlaf.
Weitere Infos unter 03361 2862 oder 0170 7893130