Was war passiert? Weil es regnete, versuchten nach Polizeiangaben rund 30 Chemie-Fans aus ihrem Fanblock über den Zaun auf die überdachte Haupttribüne zu klettern. Daraufhin griffen Polizisten ein. Ab hier unterscheiden sich die Darstellungen.
In einer Mitteilung des Vereins "Rechtshilfekollektiv Chemie Leipzig", der Fans, die im Zusammenhang mit Spielen von Chemie Leipzig in juristische Konflikte geraten sind, unterstützt, heißt es, dass mehrere Polizisten einen Leipziger Fan ohne vorherige Ansprache brutal vom Zaun heruntergezogen hätten. "Die auf dem Zaun befindlichen Zacken bohrten sich dabei in den Oberschenkel des Fans und schlitzen diesen großflächig regelrecht auf."
Miriam Feldmann, Pressesprecherin des Vereins, spricht von grobem Fehlverhalten der Polizei. "Fans von Chemie kümmerten sich um den Verletzten. Polizisten haben nicht geholfen." Erst nach etwa 20 Minuten sei ein Krankenwagen eingetroffen. Zum aktuellen Gesundheitszustands des Fans konnte sie nichts sagen. "Wir stehen mit ihm sowie Anwälten in Kontakt. Eine Diagnose zur Verletzung kann ich aber nicht geben."
Polizei widerspricht
Die Polizei stellt den Hergang anders dar. "Der Zuschauer wurde von Polizeibeamten zweimal aufgefordert, vom Zaun zu klettern", sagt Torsten Herbst, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Brandenburg. Nachdem dies nicht passierte, hätten Polizisten den Fan nach vorheriger Ansage vom Zaun heruntergehoben. "Der 29-Jährige hat sich mit Schlägen und Tritten gewehrt und die Beamten beleidigt. Dabei hat er sich am Zaun verletzt." Gegen den Chemie-Fan seien Anzeigen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beamtenbeleidigung aufgenommen worden.
Herbst widerspricht auch der Darstellung, dass der Verletzte nicht von Polizisten versorgt wurde. "Wir haben bei unseren Einsätzen ausgebildete Rettungssanitäter dabei. Diese haben sich sofort um den Fan gekümmert und eine Fleischwunde am Bein festgestellt." Danach sei er ins Krankenhaus gebracht worden. "Wir beurteilen den Einsatz der Beamten als absolut verhältnismäßig", so Herbst.
Manuela Patze, Geschäftsführerin des FSV Union Fürstenwalde, bedauert den ganzen Vorgang. "Allerdings muss man auch hinterfragen, warum die Leipziger überhaupt über den Zaun klettern wollten", sagt sie. "Mit dem Kauf ihrer Eintrittskarte akzeptieren sie die Hausordnung und haben in ihrem Block zu bleiben. Es gibt im Stadion Regeln, an die man sich halten muss." Zudem sei Regen etwas, auf das man sich vorbereiten könne. "Andere Fanszenen bringen sich beispielsweise Ponchos mit. Das funktioniert auch." Natürlich wünsche Patze dem Verletzten gute Besserung. "Aber an dem Aufeinandertreffen mit der Polizei sind die Leipziger selbst Schuld."