Das Thema stand eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung, aber aus aktuellem Anlass brachte Scharmützelsee-Bauamtsleiterin Simone Tannhäuser es am Montagabend im Bad Saarower Bauausschuss unter dem Punkt „Sonstiges“ trotzdem auf die Agenda. „Die Parksituation ist nicht mehr vertretbar“, sagte sie und verwies in diesem Zusammenhang auch auf einen Beitrag dieser Zeitung vom vergangenen Wochenende. Ordnungsamts-Mitarbeiterin Anika Kaube hatte darin unter anderem von einem Sonntag im August berichtet, an dem sie innerhalb von drei Stunden 69 sogenannte Knöllchen an Falschparker verteilt hatte.

Kostenpflichtige Anlage nicht ausgelastet

Sorgen bereitet der Verwaltung vor allem der Abschnitt der Seestraße zwischen Silberberger Straße und der Wendeschleife an der öffentlichen Toilette auf Höhe Schwanenwiese. Weil der Bereich verkehrsberuhigt ist, herrscht dort generelles Parkverbot. Dort sei aber oft alles voll geparkt, auch wenn der – kostenpflichtige – Parkplatz am Hotel Esplanade direkt nebenan nicht ausgelastet sei. Tannhäuser unterbreitete dem Ausschuss einen Vorschlag.
Man könne auf der Seestraße Blumenkübel, Sitzbänke und Papierkörbe aufstellen, um das Parken dort unmöglich zu machen und „endlich Herr der Lage zu werden“. Ein solches Vorgehen sei auch denkbar am anderen Ende der Seestraße, zwischen den Abzweigen zur Pieskower Straße und zur Straße Am Graben. Dieser Bereich soll perspektivisch ohnehin zur Fußgängerzone umgestaltet werden, doch das braucht noch Zeit. Ihre Idee bezeichnete sie als „Not-Variante“, um die Probleme erst einmal einzudämmen. Dazu schränkte sie ein, umsetzbar sei dies wohl erst ab dem kommenden Frühjahr. Alte Sitzbänke könnten vom Bauhof zwar kurzfristig aufgearbeitet werden, aber für die Blumenkübel müssten erst Angebote eingeholt werden. Die nötigen Ausgaben könnten dann in den Haushalt 2021 eingestellt werden.

Weitere Diskussion in der Gemeindevertretung

Der von der CDU nominierte sachkundige Einwohner Marcel Herzog warf ein, nach seinem Eindruck wüssten viele Autofahrer gar nicht, dass in verkehrsberuhigten Bereichen generell Parkverbot herrscht, so lange nicht extra anders beschildert wird. Er schlug daher vor, das Parkverbot entsprechend zu beschildern. Andere schlugen vor, in der Seestraße vereinzelt Parkflächen auszuweisen. Bislang gibt es dies nur im Bereich zwischen Pieskower Straße und Am Graben, wo zahlreiche Einzelhändler angesiedelt sind; Platz ist dort für drei Pkw. Silke Wagenitz (CDU) wandte ein, dass sei dem optischen Erscheinungsbild der Straße abträglich. Auf Vorschlag des Bauausschuss-Vorsitzenden Bernd Gestewitz (Linke) einigte man sich schließlich darauf, die Diskussion für den Abend zu beenden, das Thema aber in der Gemeindevertretung noch einmal aufzugreifen. Sie tagt das nächste Mal am 28. September.

Unternehmer kritisiert Stellplatz-Ablöse

Unterdessen übte im Zuge der Parkplatz-Diskussion der Bad Saarower Immobilien-Unternehmer Guido Maaske heftige Kritik an der Amtsverwaltung und der Gemeindevertretung. Maaske, der im Karl-Marx-Damm die Kurparkresidenz mit seniorengerechten Wohnungen errichtet hat und Am Graben in ein Hotel investieren wollte, ehe er diese Pläne wegen fehlender Einigung mit der Gemeinde verwarf, prangerte das Verhalten der Verantwortlichen in Zusammenhang mit den Kurpark-Kolonnaden an. Für das Vorhaben seien zu wenig Stellplätze gebaut worden, äußerte er. Ebenso missbilligte er, dass der Investor von Haus 1 der Kolonnaden, in dem sich das Hotel Velotel und das Kino befinden, Stellplätze im Parkhaus der Therme ablösen konnte. So konnte dieser den – teuren – Bau einer Tiefgarage vermeiden.
Am Dienstag erwies sich erneut die Straße Am Kurpark, direkt neben den Kolonnaden, als Schwerpunkt des Falschparkens. Gegen Mittag standen dort acht Fahrzeuge verbotswidrig. In der gesamten Seestraße waren es zur selben Zeit drei.