„Feuer frei, löchern Sie mich!“ fordert Polizeihauptkommissar Bernd Böttcher den Schüler Robert Pielicke auf, ihm Fragen zu stellen. Die beiden sitzen sich im Meetingraum des Polizeigebäudes in der August-Bebel-Straße in Fürstenwalde gegenüber. Der 17-Jährige besucht aktuell die zwölfte Klasse des Beeskower Gymnasiums und erwägt, nach seinem Abitur bei der Polizei zu arbeiten. Daher hat er mit seinem Vater Lutz Pielicke den neuen Einstellungsberater aufgesucht. „Ich habe gern mit Menschen zu tun und finde, dass ich mich gut einfühlen kann“, begründet der Schüler sein Interesse am Polizeidienst.

Dünne Personaldecke bereitet Polizei Sorge

Seit ein paar Wochen hat Bernd Böttcher schon den Posten als Einstellungsberater inne und bisher an die sieben Beratungsgespräche geführt. Es sei ein großes Anliegen der Brandenburger Polizei den Nachwuchs zu fördern. Böttcher spricht von Engpässen, da die derzeitigen Anwärter die Löcher in der Personaldecke, die von pensionierten Beamten hinterlassen wurden, nicht komplett stopfen können. Hinzu kommt, dass die Berufsberatungsmessen durch die Pandemie in diesem Jahr in den virtuellen Raum verlegt wurden. „Es fehlt der persönliche Kontakt“, klagt Böttcher. Nun versucht die Polizei über soziale Netzwerke und Beratungen auf sich als Arbeitgeber aufmerksam zu machen.

Gespräch beim Einstellungsberater bringt Bonus

Das Gespräch dauert etwa eine halbe Stunde. Böttcher schlüsselt darin die verschiedenen Dienstgrade auf, erläutert Organisationseinheiten wie Kriminal- und Wasserpolizei und beschreibt die Stationen vom Ausbildungsantritt bis zur Verbeamtung mit 27 Jahren. „Kein Tag gleicht dem anderen“ wirbt er dabei für seine Zunft. Auf der anderen Seite wüssten Beamte im Wach- und Wechseldienst schon, ob sie in 15 Jahren an Weihnachten und Silvester arbeiten müssten.
Zum Schluss gibt er Tipps für das Bewerbungsgespräch. „Seien Sie offen, selbstbewusst und am besten geben Sie von sich aus Impulse“, rät Böttcher. Immerhin haben sich Pielickes Chancen schon dadurch verbessert, dass er den Termin mit Bernd Böttcher wahrnimmt. „Damit zeigen Sie, dass Ihre Entscheidung schon länger gereift ist.“

Mahnung an das Neutralitätsgebot der Polizei

Auch erinnert der Polizeihauptkommissar an das Neutralitätsgebot und dem Gehorsam gegenüber dem Staat als Dienstherren. Bewerber würden befragt, wie sie zu bestimmten Staatsformen stehen. Er mahnt, dass die Verantwortung als Staatsbediensteter in der Freizeit nicht pausiert. „Der Polizeibeamte sollte sich der Vorbildrolle bewusst sein, die er gegenüber den Bürgern und der Gesellschaft hat – sowohl innerhalb als auch außerhalb des Dienstes.“
Robert Pielicke scheint nach dem Gespräch in seinem Wunsch bestärkt. Vielleicht wird er in den Herbstferien noch ein Praktikum bei der Polizei dranhängen. Doch scheinen seine Chancen so oder so gut zu stehen, bald Bernd Böttchers Kollege zu werden.