Offizielle Statistiken werden zu seiner Frage offenbar nicht geführt. Trotzdem bezeichnete er Frank Sämmang am Montag als "ältesten Schulsozialarbeiter Deutschlands" und sprach von einer "Vermutung mit hoher Wahrscheinlichkeit". Wie dem auch sei – seit Montag ist Sämmang diesen inoffiziellen Titel los. Im Alter von 72 Jahren wechselte der Schulsozialarbeiter der Bad Saarower Maxim-Gorki-Schule nun in den Ruhestand. Sein Chef Ullrich – der CTA-Kulturverein ist der Träger der Schulsozialarbeit in Bad Saarow – sprach bei einer kleinen Abschiedszeremonie, die während der Hofpause auf dem Schulgelände stattfand, scherzhaft von einem "Vorbild für den demografischen Wandel". Schulleiter Jens-Folke Andres würdigte Sämmangs Tätigkeit mit den Worten: "Auch deiner Arbeit ist es zu verdanken, dass sich die Schüler an unserer Schule wohlfühlen."
"Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht", antwortet Sämmang kurz und bündig auf die Frage, warum er nach dem Eintritt ins gesetzliche Rentenalter noch sieben Jahre weitergemacht hat und seine Aufgabe erst jetzt an seinen Nachfolger Fedja Schwember weiterreicht. Dass er eines Tages – im Jahr 2002 fing er an der Maxim-Gorki-Schule an – als Schulsozialarbeiter tätig sein würde, war keineswegs vorgezeichnet. "Ich habe ein bewegtes Leben hinter mir", sagt Sämmang. Geboren im sächsischen Meißen, kam er als Kind nach Frankfurt (Oder), wo sein Vater das Institut für Lehrerbildung leitete, dann nach Neuzelle. Nach dem Schulabschluss wollte Sämmang eigentlich Grafik oder Malerei studieren. "Das war aber schwer." Es wurde schließlich ein Lehramtsstudium für Kunsterziehung und Geschichte in Berlin. Als Lehrer war er in Frankfurt und Eisenhüttenstadt tätig, ehe es ihn 1982 nach Bad Saarow verschlug.
Sämmang übernahm dort die Leitung des Kinder-Ferienlagers Feliks Dzierzynski, das sich in etwa dort befand, wo jetzt das Arosa-Hotel steht. Als dieses nach der Wende abgewickelt wurde, ergab sich sein nächster Job durch diese räumliche Nähe, auch wenn das mit seinem Lehramtsstudium nicht mehr viel zu tun hatte: Er arbeitete in der Bauleitung für das heutige Arosa mit. "Ich kannte dort die Infrastruktur", erläutert Sämmang. Dann wollte er sich eigentlich mit einer Zoohandlung selbstständig machen – landete über seinen Kontakt zu Ralf Ullrich aber beim CTA-Kulturverein und in der Schulsozialarbeit.
Kinderkunstgalerie eröffnet
"Das war ein Glücksfall", sagt Sämmang. In seine Arbeit habe er nun wieder seine Lieblingstätigkeit, die Kunsterziehung, integrieren können. Bereits 2003, ein Jahr nach seinem Einstieg, eröffnete der im ehemaligen Trinkhäuschen an der Lindenstraße die Kinderkunstgalerie, die fortan regelmäßig mit Schüler-Ausstellungen bestückt wurde. Den Schulhof ließ er mit Sitzgelegenheiten und anderen Installationen aus Keramik verschönern, im Kurpark schuf er mit Schülern das "Sofa mit Ausblick" aus Keramik.
Im Ruhestand will Sämmang, der von 2014 bis 2019 Mitglied der Bad Saarower Gemeindevertretung war, wieder selber künstlerisch tätig werden. "Das ist in der Vergangenheit ein bisschen zu kurz gekommen. Als weitere Hobbys nennt er Reisen an die Ostsee, seine Fische und seine Vogelspinnen – daher auch der vorübergehende Plan mit der Zoohandlung. Die Spinnen integrierte er auch in seine Arbeit an der Schule. "Ich hatte vier Stück in meinem Büro. Wer wollte, konnte sie auf die Hand nehmen", erzählt er. Vielen Schülern habe er dadurch die Angst vor Spinnen nehmen können.
Den Jugendlichen stellt er nach 18 Jahren Schulsozialarbeit ein gutes Zeugnis aus. "Sie sind besser als ihr Ruf. Sie werden zu schnell abgestempelt. Wenn sie merken, dass sich jemand für sie interessiert, sind sie sehr aufgeschlossen", sagt Sämmang.

Sechs Fragen an Frank Sämmang


Wer hat Sie in Ihrer Entwicklung am meisten beeinflusst, geprägt?Der CTA-Kulturverein und dessen Geschäftsführer Ralf Ullrich, mit dem ich 18 Jahre zusammengearbeitet habe.

Was würden Sie als erstes veranlassen, wenn Sie Bürgermeister Ihres Ortes wären?Das ist eine schwere Frage. Ich würde die Arbeit der Ausschüsse der Gemeindevertretung transparenter machen und sie besser koordinieren.

Was wünschen Sie sich seit Jahren?Gesundheit ist das wichtigste. Da hatte ich bisher Glück. Ich hoffe, dass das so bleibt.

Möchten Sie noch einmal 17 sein?17 nicht, aber vielleicht 45 oder 50, mit dem Wissensstand von jetzt.

Träumen Sie gern?Ja. Tolle Träume sind etwas wichtiges.

Was hält Sie in Ihrer Heimat? Würden Sie noch einmal woanders hinziehen?Heimat ist für mich sowohl die Sächsische Schweiz als auch der Scharmützelsee. Wenn es mit einer neuen Partnerschaft zusammenhängt, kann ich mir auch noch einmal einen Umzug vorstellen. bs