• 28 Pakete in verschiedenen Größen und Maxibriefe mit Absendern aus ganz Deutschland hat das Tierheim Fürstenwalde in den letzten vier Wochen bekommen.
  • Alle Sendungen sind an „Pet Lovers“ adressiert, obwohl das Heim gar nicht so heißt.
  • Wie das Tierheim reagiert und was Polizei und Verbraucherschützer dazu sagen.
Vorwiegend stammen die Absenderadressen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Aber auch Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern ist dabei. Bei der Internet-Recherche nach den Absendern der Pakete stellt sich heraus, dass beispielsweise ein Name zu einer Gynäkologin gehört – allerdings ist die Praxis in einem anderen Ort. Unter der Telefonnummer der angegebenen Straße und Hausnummer in Plau am See meldet sich eine ältere Dame, die sagt, sie wisse von nichts und habe auch kein Paket verschickt.

Tierheim Fürstenwalde hofft auf Klärung

Christine Matzke, die Vizechefin des Fürstenwalder Tierheims, ist verunsichert. „Ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, sagt sie. Zwei Pakete hat sie geöffnet. Einen gelben Regenmantel im Friesennerz-Stil und einen blauen Steppmantel hat die Vizechefin ausgepackt – hochwertige Mäntel für Hunde. „Die sind bestimmt nicht billig“, sagt Christine Matzke, die jetzt befürchtet, dass irgendwann für die unbestellte Ware eine hohe Rechnung kommt.
Falls sich herausstellen sollte, dass es Spenden sind, wäre sie natürlich dankbar. Aber bis dahin muss sie weiter bangen. Die anderen Pakete wird sie nicht öffnen. Christine Matzke hofft auf eine baldige Aufklärung.
Unter „Pet Lovers“ wird man im Internet mehrmals fündig. So heißt unter anderem ein asiatischer Großhandel mit Sitz in Singapur. Andrei-Octavian Marian, der den Online-Shop „Pet Lovers“ aus Nürnberg betreibt, sagt auf Nachfrage, dass er von solchen Paketen nichts weiß und sowieso „nur mit Sachen für Menschen handelt“. Nach MOZ-Informationen ist in Fürstenwalde keine Firma unter „Pet Lovers“ angemeldet.

Deutsche Post will Sendungen verfolgen

Geliefert wurden die Sendungen über den DHL-Paketdienst. Mattias Persson, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, hat zugesichert, eine Sendungsverfolgung einzuleiten. Er könne sich vorstellen, dass es sich eventuell um eine Fehlzustellung handele. Das müsse jetzt geklärt werden.
Eine Prüfung des Sachverhaltes innerhalb der Kriminalpolizei hat laut einer Sprecherin ergeben, dass nirgendwo ähnlich mysteriöse Pakete aufgetaucht sind. Entweder das Tierheim setze sich mit dem Absender in Verbindung und frage nach, weshalb die Pakete geschickt wurden oder ob es sich um eine Art Unterstützung handelt. Man kann aber auch die unerwartete Gabe zurückschicken, so der Tipp der Polizei.

Rücksendung der Pakete nicht nötig

Die Verbraucherzentrale Brandenburg hat den Rat: „Erhalten Verbraucher Waren, die nicht bestellt wurden, sollte erstmal geklärt werden, wie es zu der Zusendung gekommen ist. Es kann sein, dass ein unseriöses Unternehmen versucht, dem Betroffenen einen Vertragsabschluss unterzuschieben, ohne dass er vorher etwas bestellt hat. Dann ist man weder zu einer Rücksendung noch zu einer Reaktion verpflichtet“, teilt Michèle Scherer, Referentin Digitale Welt bei der Brandenburger Verbraucherzentrale auf Nachfrage mit.
Häufig komme es aber auch vor, dass ein missglückter Identitätsmissbrauch Grund der Zusendung ist oder Uneinigkeit darüber besteht, ob eine Bestellung ausgelöst wurde. Auch möglich sei ein einfacher Zustellungsfehler. In all diesen Fällen sei es sinnvoll, Nachforschungen anzustellen und Kontakt zum Absender der Ware aufzunehmen.

Betrug ist nicht auszuschließen

Nach MOZ-Informationen hat es vor einigen Jahren ähnliche Fälle des Verschickens unbestellter Ware gegeben. Dazu gab es auch damals Anfragen an die Verbraucherzentrale. Konkret hätten die Betrüger versucht, unter dem Namen von Verbrauchern, die bei Amazon gelistet waren, einen zweiten Account einzurichten, um über Fake-Käufe im Verkaufs-Ranking aufzusteigen und positive Bewertungen des eigenen Artikels oder Shops zu erhalten. Andererseits könnte es sich bei derartigen Aktionen auch um eine illegale Form des „Lager-Abverkaufs“ handeln. Amazon selbst sprach damals von betrügerischen Methoden.