Zwei große Banner mit der Aufschrift "Für eine saubere und gesunde Lebensqualität überall - Keine Mastanlage in Gölsdorf" hängen seit Mittwoch in dem 177-Seelen-Dorf am Rande der Gemeinde Steinhöfel und künden von der aufgeheizten Stimmung unter den Einwohnern. Eine neu gegründete Bürgerinitiative soll nun für mehr Öffentlichkeit sorgen sowie Gölsdorfer und Sympathisanten bei ihrem Protest unterstützen. "Wir brauchen 11000 Unterschriften und sammeln deshalb ganz konservativ auf Papier, aber auch online übers Internet", erläutert Ortsvorsteherin Jeannette Mietzefeld.
Am Komplex in der Alten Poststraße, wo in naher Zukunft die große Mastanlage für 900 Bullen und 768 Schweine errichtet werden soll, nur wenige Meter entfernt von Wohnhäusern, haben sich Gegner des Projektes eingefunden. Darunter auch die 78-jährige Otilie Schlüter, die seit 54 Jahren direkt gegenüber wohnt. "Es ist so schrecklich, jetzt fängt all der Gestank, Lärm und Dreck wieder von vorne an", sagt die Seniorin traurig. Früher, zu DDR-Zeiten habe sie die Stallungen toleriert. Schließlich hatte ihr Mann dort Arbeit. "Wir waren jung, haben es einfach so hingenommen", erzählt die Seniorin. Später hatte ihr Mann eine schwere Lungenkrankheit, brauchte viel frische Luft. "Es war wegen der Stallungen nicht möglich, die Fenster zu öffnen", erzählt die 78-Jährige und äußert ihre Bedenken, dass es wieder so kommen wird.
Das 2,5-Millionen-Projekt der Investoren Christian-Ulrich Beckmann und Martin Schott erfordert keine öffentliche Auslegung. Die Gemeinde kann lediglich eine gesetzliche Stellungnahme an das Landesamt für Umwelt in Frankfurt abgeben. Im Flächennutzungsplan ist an der geplanten Stelle eine Fläche für landwirtschaftliche Nutzung ausgewiesen, das Projekt damit möglich. Bei der Stellungnahme werden aber auch Einwände von Bürgern berücksichtigt.
Der Ortsbeirat hat sich bei seiner Sitzung am Dienstag jetzt offiziell positioniert. "Wir haben die Mastanlage einstimmig abgelehnt", sagt Ortsvorsteherin Jeanette Mietzefeld und begründet wie folgt: Die Zahl von vier Arbeitsplätzen ist zu gering und für Gölsdorf irrelevant. Die Gemeinde bekommt keine Steuern, da der Sitz des Unternehmens in Trebus ist. Die Anlage befindet sich keine 50 Meter vom ersten Haus entfernt, unzumutbare Gerüche bleiben nicht aus. Die Wasserversorgung mit täglich 45 Kubikmetern Verbrauch überfordert das öffentliche Netz. Außerdem gibt es Befürchtungen, dass Laster die Straßen kaputt fahren und Nitrate das Grundwasser schädigen sowie eine Erschöpfung der umliegenden Felder vorprogrammiert ist. All diese Einflussfaktoren rechnen die Gölsdorfer zudem mit einer deutlichen Wertminderung der Grundstücke im Ortsbereich. "Wir wollen tief durchatmen können, Wäsche zum Trocknen raushängen oder einfach draußen im Garten sitzen. Wir brauchen diese Anlage nicht und dafür werden wir auch kämpfen", sagt Jeanette Mietzfeld.