Wie das berühmte gallische Dorf hält die Uhr am Fürstenwalder Bahnhof tapfer ihre Stellung. Sie ist seit 2008 im Besitz der Stadt. Als die Deutsche Bahn das Gelände 2007 verkaufte, beschlossen die Stadtverordneten, die Uhr zu behalten.
„Wir sind für die Wartung verantwortlich“, sagt Christfried Tschepe, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung der Stadt Fürstenwalde. Das Gebäude ringsherum gehört inzwischen der Aedificia Infrastruktur- und Entwicklungsgesellschaft mbH. Doch die Bahnhofsuhr scheint genauso trotzig und widerspenstig zu sein, wie die Gallier. Immer wieder weigert sie sich beharrlich, die richtige Uhrzeit anzuzeigen, so hieß es die vergangenen Monate: High Noon am Fürstenwalder Bahnhof. Nun tickt sie aber erstmal wieder.

Stadt wollte Bahnhofsgebäude kaufen

Bereits 2010 gab es den ersten Ärger um die Uhr. Über Monate zeigte sie die gleiche Zeit an – immer 12.11 Uhr. Der Eigentümer drohte damals damit, das defekte Gerät abzuhängen.
Als das Gebäude des Fürstenwalder Bahnhofs 2014 erneut zum Verkauf stand, wollte sich auch die Stadt an der Versteigerung beteiligen. Den Zuschlag erhielt sie am Ende jedoch nicht – also blieb es bei der Uhr, denn der neue Eigentümer wollte sie nicht mitkaufen, wie Christfried Tschepe erklärt.

Uhrwerk wurde 2018 erneuert

Doch das alte Uhrwerk machte weiter Scherereien. Bis sich die Stadt 2018 schließlich entschloss, die Bahnhofsuhr zu erneuern. „Es ist eine sehr spezielle Technik“. sagt Tschepe. Es sei nicht leicht gewesen einen kundigen Uhrmacher ausfindig zu machen. Bei Uhren-Technik Tobias Vogler und Jörg Hippe in Dresden wurde die Stadt schließlich fündig.
Eigentlich ist die Firma auf große Turmuhren spezialisiert. „Früher ist das eine Synchronuhr gewesen“, erklärt Tobias Vogler über die Fürstenwalder Bahnhofsuhr. Die wurden in den 1920er und 1930er Jahren verbaut. „Vor zwei Jahren haben wir eine Funkuhr installiert“, berichtet er. Zudem sei das Zifferblatt erneuert und ein Akku mit einer Lebensdauer von sieben Jahren eingebaut worden.
Die Reparatur hat die Stadt 2000 Euro gekostet. Zudem sei die Uhr von Bahn-Blau in das Rot der Domstadt umlackiert worden. „Damit zeigen wir auch, dass wir als Stadt verantwortlich sind“, sagt Tschepe. Doch kurz nach der Reparatur bekam die Uhr wieder Probleme. Die Zeiger auf der Süd-Seite des Bahnhofs blieben immer wieder stehen. Also schickte die Stadt die Uhr zurück zum Hersteller.

Signale stören den Funkempfang

Bis zum Frühjahr dieses Jahres lief danach alles rund, bis beide Uhren plötzlich nur noch 12 Uhr anzeigten. Das Problem, weiß Uhrmacher Vogler, lag am Funkempfang: „Durch die vielen Signale wird es für das Gerät immer schwieriger das Funksignal herauszufiltern.“ Ein Kran oder hohe Gebäude können zu Störungen führen.
Per Telefon hat Vogler die Mitarbeiter der Stadtverwaltung angeleitet, das Signal zu kalibrieren. Damit die Uhr am Fürstenwalder Bahnhof endlich wieder richtig tickt.