Ihr Dönerimbiss wurde in die Gruppenschlägerei vor zwei Wochen verwickelt ( wir  berichteten). "Als die Männer anfingen, aufeinander loszugehen, konnte ich gerade noch so die Rollläden herunterlassen, um unsere Fensterscheiben zu schützen", berichtet der Wirt. Doch war das Außenmobiliar nicht mehr zu retten. Die Schläger griffen in ihrem Zorn nach den Stühlen, dem Tisch und der Reklametafel und ließen das Inventar über den Kopf ihrer Gegner krachen. Das hinterließ Platzwunden und eine Menge Einzelteile. "Die Neubeschaffung der Möbel kostet uns 1000 Euro", ärgert sich Yılmaz.
"An der Auseinandersetzung waren junge, erwachsene Männer beteiligt", gibt Kriminalhauptkommissar Stefan Möhwald auf Nachfrage dieser Zeitung Auskunft. Die eine Partei stammte aus einer Wohnung im Obergeschoss, die andere bewegte sich zu dem Zeitpunkt auf der Straße darunter. Wie viele insgesamt mitmischten, könne die Polizei jedoch nicht mit Sicherheit angegeben, da ein Teil noch vor Eintreffen der Polizei flüchtete. Zeugen schätzten die Beteiligten auf ungefähr zehn Personen. Zum Hintergrund des Konflikts stünden die Ermittlungen noch am Anfang. "Auslöser dafür könnte die aus der Wohnung laut schallende Musik gewesen sein", sagt der Beamte. Ein weiterer Augenzeuge berichtete am Tag nach der Tat, dass jemand aus der Wohnung einen der Männer auf der Straße bespuckt hätte, wodurch der Streit eskaliert wäre.
Das Nachsehen hat nun Familie Yılmaz. Wahrscheinlich bleiben sie auf dem vierstelligen Betrag sitzen. "Durch die Corona-Pandemie hatten wir noch keine Zeit, uns gegen solche Fälle zu versichern", sagt Çiçek Yılmaz betrübt. "Aber wir werden jetzt eine abschließen. Das kostet jedoch viel Geld."

Tat zählt als Vandalismus

Inge Sommergut ist Sprecherin bei der Versicherungskammer, dem Dachkonzern der Feuer­sozietät Berlin-Brandenburg. Theoretisch wäre der vorliegende Fall als Vandalismus zu werten, da es sich um "die mutwillige und meist sinnlose Zerstörung von privatem oder öffentlichem Eigentum" handele. In der gewerblichen Inhaltsversicherung könnten Schäden durch Vandalismus versichert werden. Wiederum gibt sie zu Bedenken: "Der beschriebene Fall ist jedoch nicht in dieser Versicherungslösung enthalten, da diese nur bei mutwilliger Beschädigung versicherter Sachen im Gebäude greift."
Birgit Bernd vom Versicherungsmakler-Büro Mario Penack aus Frankfurt rät daher dazu, die Policen vor Versicherungsabschluss auf solche Fälle zu prüfen. Grundsätzlich sei eine Inhaltsversicherung für Gewerbetreibende sinnvoll. Jedoch: "Wenn die Täter bekannt sind, müsste man zunächst zivilrechtlich vorgehen. Wenn diese jedoch keine Versicherung oder geregeltes Einkommen haben, bleibt man meist auf den Kosten sitzen."
Die Betreiber des Dönerimbiss in der Mühlenstraße haben sich gegen eine Anzeige entscheiden. "Das sind zum Teil unsere Nachbarn und potenzielle Kunden. Da möchten wir keinen Streit", sagt Çiçek Yılmaz. Er hat sich damit abgefunden und hofft, in Zukunft von solchem Unglück verschont zu bleiben.