Doch die junge Syrerin kann aufatmen: Die Äpfel und Birnen werden zum Kompott, die Kürbissuppe bleibt ein herzhaftes Gericht. "Es schmeckt viel besser als ich dachte", sagt Sedra, als sie kostet. Beim Probieren der Speisen albern die Jugendlichen herum, manch einer schaut nach, was Kürbis auf Arabisch heißt.
Zum ersten Mal kocht die Gruppe am Mittwoch ein typisch deutsches Essen. Etwa 15 geflüchtete Jugendliche aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien und Somalia treffen sich schon seit einem Jahr zur Koch-AG, seit dem Ende der Herbstferien ist eine Handvoll Schüler vom Fürstenwalder Bernhardinum mit dabei.
"Das ist ein offenes Angebot für die Schüler", erklärt Matthias Micheel, Sozialpädagoge von der Theophanu gGmbH am Bernhardinum. Treffpunkte für Jugendliche mit Fluchterfahrung gebe es viele, doch fehlten dabei oft die deutschen Jugendlichen. "Aber was nützt der Deutschkurs, wenn nicht auch eine Begegnung stattfindet, bei der sie ungezwungen reden können?", gibt Micheel zu Bedenken.
Der 17-jährigen Ahedsharaf aus Syrien gefällt genau das an dem Begegnungsprojekt: "Viele Jugendliche sind immer allein und gehen nur zur Schule und nach Hause. Hier können sie mit anderen reden, und wir sind alle eine Gruppe."
In den Wochen zuvor hatte die Gruppe immer Arabisch gekocht. Es gab ein Kebab-Blech, Okraschoten und Hähnchen, Salat und Hummus mit Corchorus. "Das schmeckt wie Spinat, sehr exotisch", erklärt Ehrenamtlerin Wahiba Megdad und fügt lächelnd hinzu: "Das ist Integration durch Kochen."
Die 16-jährige Thao My vom Bernhardinum fand besonders die Okraschoten lecker. "Ich mag es, Essen aus anderen Ländern auszuprobieren", sagt sie. Ihre Freundin Beri pflichtet ihr bei: "Wir können unseren Horizont beim Thema Essen erweitern und werden hier immer herzlich begrüßt." Auch Bashar aus Syrien mag die offene Atmosphäre. "Es ist nicht so starr, ob wir nun Deutsch, Arabisch oder Tschetschenisch kochen. Wir setzen uns gemeinsam hin und entscheiden", sagt der 21-Jährige, der seit einem Jahr dabei ist.
Das Kochen findet immer mittwochs in der Diakonie statt. Montags treffen sich die Jugendlichen zur interkulturellen Sport-AG. Freitags ist Zeit für eine weitere Begegnung. Das Bernhardinum, die Diakonie und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) sind Kooperationspartner bei dem Begegnungsprojekt. Finanziert wird es durch den BDKJ und das Bundesprogramm "Demokratie leben".