Vor 25 Jahren haben rechtsextreme Jugendliche den obdachlosen Fürstenwalder Horst „Horstel“ Hennersdorf zu Tode gequält und seine Leiche im Wald verscharrt – Stadtverordnete, Verwaltungsmitarbeiter und Sitzungsgäste gedachten des Toten stehend. Man wolle nach Wegen suchen, seiner künftig öffentlich zu gedenken, kündigte der Vorsitzende Jürgen Teichmann an.
Noch etwas war diesmal anders: die mediale Begleitung der Gremiumssitzung. Um Gästen nachvollziehbarer zu machen, was da gerade besprochen wurde, erschienen die Beschlussvorlagen und das Sitzungsprotokoll auf der Leinwand, allerdings so klein, dass der Erkenntnisgewinn beim Zuhören größer war.
Diskutiert wurde etwa über den Umgang mit einzelnen Anträgen der Fraktionen, die teils in entsprechende Ausschüsse verwiesen, teils durch die Antragsteller selbst zurückgezogen wurden. So auch der Antrag des BFZ, vom Landkreis die ordentliche Erstattung der Personalkosten für Kita-Personal einzufordern. Man wolle zunächst die Berechnung der Verwaltung abwarten, wie hoch die Kostendeckung tatsächlich ist, sagte Fraktionschef Christian Dippe.
Pädagogisches Personal war das Thema des Abends. Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt bat die Verwaltung im Mai, den Hort der Kita „Buratino“ in der Wladimir-Komarow-Straße in Nord zu übernehmen. „Um die prekäre Personalsituation und ihre Auswirkungen abzuändern“, heißt es in dem entsprechenden Schreiben, der den Stadtverordneten als Dringlichkeitsantrag zum Beschluss vorgelegt wurde. Schon im vergangenen Schuljahr habe die Stadt Kenntnis vom Erziehermangel in der Einrichtung gehabt. Bis zu 27 Betreuungsplätze, heißt es aus der Verwaltung, konnten wegen fehlender Pädagogen nicht belegt werden, obwohl diese für die Schüler der Sigmund-Jähn-Schule dringend benötigt würden. Sechs zusätzliche Erzieher einschließlich einer Leitung seien erforderlich, um den Hort zu betreiben.
Wie schnell die Stadt das erforderliche Personal einstellen könne, sei völlig offen, betonte Bürgermeister Matthias Rudolph. Warum es ihr überhaupt eher gelingen könnte, als der Awo, brachte Elke Wagner (SPD) auf den Punkt: „Wegen dem Geld“, erwiderte sie die Frage eines Abgeordneten. Die Stadt zahle nach Tarif, der freie Träger nicht. Mit der von den Stadtverordneten einstimmig beschlossenen Rücknahme des Hortes zum nächsten Kita-Jahr haben die Erzieher nun die Wahl, ob sie bei ihrem aktuellen Arbeitgeber bleiben oder sich bei der Stadt anstellen lassen. Mit dem geplanten Hortneubau in Nord, so die Awo, werde der Hort ohnehin aus der Kita „Buratino“ ausgegliedert und unter städtische Trägerschaft mit eigenem pädagogischen Konzept gestellt.
Eine pädagogische Stelle für eine andere Einrichtung befindet sich aktuell bereits in der Ausschreibung: Mit der von den Stadtverordneten beschlossenen Erhöhung des diesjährigen Zuschusses für den Verein Frauen helfen Frauen um 8200 Euro und in den Folgejahren um 11 000 Euro soll eine Erzieherin in Teilzeit eingestellt werden.
Für Diskussion sorgte die vorgesehene Vergütung, die sich laut Ausschreibung am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst orientiert und für eine halbe Stelle entsprechend der vorgesehenen Einstufung ein Brutto-Gehalt von rund 1100 Euro vorsieht. „Wer soll sich da finden“, wunderte sich Janett Seiler (BFZ). Mehr könne der Verein nicht zahlen, sagte Gleichstellungsbeauftragte Anne-Gret Trilling. Berufseinsteigerinnen seien willkommen.