Jessica geht in die sechste Klasse der Sigmund-Jähn-Grundschule und gehört, wie etwa 15 andere Mädchen und Jungen, zu den Stadtentdeckern. Im Mai 2019 startete das Projekt an ihrer Grundschule. Vor wenigen Tagen präsentierten die Mädchen und Jungen ihre Ideen den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses von Fürstenwalde.
Pool zwischen Plattenbauten
"Wir wollen Fürstenwalde-Nord verbessern", umreißt Klassenlehrer Lars Jungbluth das Anliegen. Die Kinder sind dafür Straßen abgelaufen, haben auf einer Karte Orte gekennzeichnet, an denen sich etwas tun müsste und ihre Ideen am Computer in konkrete Formen gegossen. Und darum können sie nun alles professionell, mit einer Power-Point-Präsentation, an die Wand werden.
Als Zahra, Finn, Eric, Melina und Leonie auf die Bühne treten, erscheint im Hintergrund ein großer, hölzerner Papagei als Kletterfigur. Der, so wünschen es sich die Kinder, soll zwischen Plattenbauten im Ziolkowski-Ring landen. Nach und nach ploppen noch ein Pool und ein Kletterwald auf. "Eltern wollen ja nicht so gerne viel Geld fürs Spaßbad Schwapp oder einen Strandbesuch ausgeben", erklärt Leonie. Damit alles lange schön bleibt, soll eine Pool-Reinigungsmaschine das Wasser jeden Sonntag filtern.
Während diese großen Pläne wohl mittelfristig keinen Platz im städtischen Haushalt finden werden, stehen die Chancen für kleine günstiger. Und die betreffen den Schulhof. "Seit 40 Jahren ist da nicht viel passiert", sagt Schulleiterin Ines Tesch. "Wir haben ein Klettergerüst für 300 Kinder", verdeutlicht sie. Und darum tragen sie und ihre Schüler seit Jahren Verbesserungsvorschläge an die Stadtverwaltung heran. Da passte es Ines Tesch ganz gut, dass sie gefragt wurde, ob sie am Stadtentdecker-Projekt der Brandenburgischen Architektenkammer mitmachen wolle, das vom Infrastrukturministerium gefördert und vom Institut für Schule und Medien sowie dem Bildungsministerium unterstützt wird.
Alan, Taher, Jan, Uday, Marcel und Hasan präsentieren für den Schulhof die Idee eines modernen Fußballplatzes. Gäbe es den, "könnten wir weniger Dummheiten machen", sagt Taher. Außerdem sind die Jungs etwas neidisch darauf, dass die Goßmann- und die Fontanegrundschule jeweils eingezäunte Soccer-Plätze haben. Damit das Projekt gleichzeitig der Umwelt dient, solle der Platz mit stromerzeugenden Bodenplatten bestückt werden – die die Sprungenergie der Kinder in elektrischen Strom umwandeln.  Saskia und Emma wünschen sich ein Gewächshaus; Annabell, Ali, Wika und Matthias Beete mit Sonnenblumen und Rosen.
Förderung möglich
"Na, da müssen wir uns ja ’ne Platte machen, wie wir alles verwirklichen können", stellte Ausschussvorsitzender Stephan Wende (Linke) fest. Er riet den Kindern, nach ein paar Monaten "nachzubohren", was daraus geworden ist. "Es ist großartig, mit wie viel Kreativität, aber auch praktischem Willen zur Verbesserung die Schüler das Projekt Stadtentdecker umgesetzt haben", sagt Stadtsprecherin Nadine Gebauer. In der Verwaltung sei man vor allem von den "machbaren Ideen" angetan. "Es existieren Möglichkeiten, kleinere Projekte wie das Anlegen von Beeten im laufenden Haushalt unterzubringen". Mit dem Förderprogramm Soziale Stadt lasse sich der Soccer-Platz unterstützen."
Bis es so weit ist, bolzen die Kinder so. "Wir haben die Fahrradständer weggestellt und zwei günstige Tore gekauft", sagte Ines Tesch. Einziger Nachteil: Da ein Zaun fehlt, fliegt der Ball ständig ins Aus.

Kommentar: Es gibt nur Gewinner


Auch wenn nicht alle Ideen der Stadtentdecker in Stahl, Glas und Beton gegossen werden können, haben die Mädchen und Jungen etwas geschaffen, das bleibt. Den Erwachsenen haben sie einen Einblick in ihre Ideen gegeben. Ihren Schulhof lassen sie sicher noch in diesem Jahr etwas bunter werden. Und mit etwas Glück können nachfolgende Grundschüler sogar auf einem eigenen, eingezäunten Soccer-Feld kicken.Aber das ist nur die eine Seite. Die Kinder haben auch gelernt, über mehrere Monate emsig an einem Projekt zu arbeiten. Sie haben ihre Aufregung überwunden und ihre Ideen einem Saal voller Erwachsener präsentiert. Damit sind sie einen ersten wichtigen Schritt gegangen, um eine für alle sichtbare Veränderung in ihrer Heimatstadt anzustoßen. Vielleicht erinnern sie sich in ein paar Jahren daran und wirken selbst in einem politischen Gremium mit. Zudem haben sie sich mit Sponsorenläufen und anderen Veranstaltungen 10 000 Euro verdient, die sie in ihre Projekte fließen lassen können.Das ist Lernen fürs Leben im besten Sinne. Projekte wie dieses sind dazu geeignet, Lust auf Politik zu machen, sich für die Entwicklung der Stadt zu interessieren und zu engagieren. Und da haben am Ende alles etwas von. Manja Wilde