Viele alteingesessene Pillgramer kennen Reinhard Strugalla seit Jahrzehnten als Hans Dampf in allen Gassen, wenn es darum geht, in dem kleinen Dorf im Amt Odervorland etwas fürs Gemeinwohl auf die Beine zu stellen. „Es hat mir immer Spaß gemacht, mich ins Dorfleben einzubringen, für und mit Leuten etwas zu bewegen“, sagt Strugalla, der mit seiner Familie 1968 von Halle ins Brandenburgische zog.
„Ich hatte zwar damals eine gute Arbeit als Bergmann im Kali-Schacht in Teutschental. Aber eine passende Wohnung war für meine Heidrun und unsere Kinder in Sachsen-Anhalt partout nicht zu kriegen. Mein Bruder aus Frankfurt (Oder) gab mir den Tipp: Du kannst hier sofort ´ne Wohnung kriegen, müsstest aber in der Landwirtschaft arbeiten“, erinnert sich der Pillgramer.
Strugallas packten die Koffer, Vater Reinhard wurde Berufskraftfahrer, seine Frau, Laborantin, sattelte ebenfalls um, wurde Hortnerin. Zwei Jahre später kauften er und seine Frau ein Grundstück in Pillgram, wo sie auch heute noch zu Hause sind.
Als ehemaliger Bergmann – schon mit 14 begann seine Hauer-Lehre – weiß der lebenslustige 68-Jährige seit jeher den Zusammenhalt einer guten Gemeinschaft auch über Tage zu schätzen. Und genau in diesem Sinne brachte er sich nun auch in seinem neuen Heimatort ein.
1970 gründete der begeisterte Sänger, Gitarren- und Akkordeonspieler in Pillgram mit drei Mitstreitern eine Kapelle. 1971 trat er zum ersten Mal erfolgreich zur Kommunalwahl an. Heute kann er auf 40 Jahre ununterbrochene Tätigkeit als Gemeindevertreter zurückblicken.
Dass es ihm Freude macht, auf Leute zuzugehen, sie zum Mitmachen zu bewegen, half ihm bei der Suche nach Gleichgesinnten. So wurde zum Beispiel 1985 die Pillgramer Ernte-und Dorfest-Tradition wieder zum Leben erweckt. „Und wir waren bald berühmt für unsere Dorffeste.“ 1985 gründete Strugalla mit 15 Frauen den dörflichen Frauenchor.
Im Jahr darauf hob er mit anderen den Jacobsdorfer Karnevalsverein aus der Taufe und stand ihm auch als Karnevalspräsident eine Zeit lang vor. Den Frauenchor hat Reinhard Strugalla 25 Jahre geleitet, bis zu dessen Auflösung im November vorigen Jahres. „Der Nachwuchs fehlte, zum Schluss waren wir leider nur noch sechs, sieben Leute. Und wenn man – wie immer mehr Chormitglieder – dann über 80 ist, lässt ja auch die Stimme nach“, bedauert Strugalla das Aus für das Ensemble.
Seinem Engagement für den Ort, etwa für das denkmalgeschützte Pillgramer Vorlaubenhaus, tut das keinen Abbruch. Zudem versuchen die Strugallas, die Kirchengemeinde stärker ins dörflich Leben zu integrieren, Ehefrau Heidrun als Küsterin und er ehrenamtlicher Verwalter des Friedhofs.
Was Gitarre, Akkordeon und Stimme angeht – die kommen nach wie vor zum Einsatz. So sagt Reinhard Strugalla auch nicht Nein, wenn ihn jemand – was häufig vorkommt – zum Beispiel zu Geburtstagen um ein Ständchen bittet.