Nicht noch ein singender Schauspieler - möchte man meinen. Doch wie vielseitig der mittlerweile 60-jährige Thomas Rühmann ist, stellte er im ausverkauften Musikkeller gekonnt zur Schau. Das meist ältere Publikum war sicherlich erschienen, um Dr. Heilmann aus der Krankenhaus-Serie "In aller Freundschaft" live zu erleben - und erlebte stattdessen ein Kontrastprogramm. Statt im weißen Arztkittel erschien Rühmann in dunklem Hemd und Hose auf der Bühne und schnallte sich die Gitarre um.
Erst die Akustik-Gitarre, im Laufe des Abends griff er aber auch zur E-Gitarre und fetzte mit seinen virtuos aufspielenden vier Musikern (Drums, Keyboards, E-Gitarre und Bass) richtig los. Mitgebracht hatten sie viele Songs des Liedermachers Hans-Eckardt Wenzel, die man heutzutage sicher nicht oft im Radio hört. Die bittersüßen Texte bekamen ein neues Gewand, dank der Musik von Bon Iver, Neil Young, Lambschop, The National und Tunng. Heraus kamen rockige Stücke, verwoben mit globalen Themen wie Liebe, Glück und Zivilisationskritik. Es klang nach Wenzel, aber auch nicht. Der Titel "Falsche Lieder" passte haargenau und zeigte andere Seiten des Schauspielers. Geboten wurden fast drei Stunden, viele Songs voller Melancholie und Lust am Leben - leise, laut und wechselnd von deutscher in englischer Sprache.
Wenzels Lieder singt Rühmann schon seit Jahren. "Er wird immer besser. Hat tolle Songs und super Musiker", lobte Kufa-Chef Klaus-Peter Oehler. "Der Abend ist wirklich schön", fügte auch Eberhard Steinborn aus Demnitz an. Er kannte Rühmann bislang nur aus dem Fernsehen und wollte den Schauspieler mal live sehen. Bei Lesungen im Theater am Rand (Oderbruch), wo Rühmann oft im Sommer auftritt, hatten ihn dagegen schon Hannegret Richter und Werner Schneider erlebt. "Wir sind von seinem Konzert positiv überrascht und verstehen jedes Wort, egal wie laut er spielt", lobten die Hasenfelder.