Für die Ziegen könnte es besser laufen dieser Tage. Nicht, dass sie nicht genug zu fressen erhielten. Dafür sorgen die Pfleger des Fürstenwalder Heimattiergartens schon. Aber die Besucher fehlen. Anders als zum Beispiel der Berliner Zoo darf die Anlage an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße, die vor 45 Jahren von Günter Bohr gegründet wurde, nicht öffnen.

Einnahmen für den Tiergarten fallen weg

„Die Ziegen sind wohl etwas unzufrieden“, sagt Wolf-Dieter Erdmann schmunzelnd und erklärt, warum: Keine Gäste heißt auch keine Leckerlis. Im Sinne der Tiergesundheit sei das sicher gar nicht so schlecht, meint der Vorsitzende des Tierparkfördervereins, aber es sei schon zu merken, dass Tierpark-Bewohner die Spaziergänger vermissen, die an ihren Gehegen oder Volieren entlang schlendern. Für den Tiergarten heißt das, dass Einnahmen aus Eintrittsgeldern und auch aus dem Café wegfallen.

Ähnlich viele Tiergarten-Besucher wie 2019

Dabei war 2020 alles in allem gar kein so schlechtes Jahr für den im Oktober 1975 eröffneten Heimattiergarten: Mit rund 45.000 Gästen, die endgültige Zahl liegt noch nicht vor, konnten etwa so viele Besucher begrüßt werden wie 2019. Da haben dem Tierpark wohl die Reisebeschränkungen in die Hände gespielt. Im Frühling und Sommer jedenfalls waren mehr Menschen zu Gast als sonst, und das auch außerhalb der Ferienzeiten.

Fürstenwalde

Luchskater aus der Nähe von Hamburg erwartet

Haben die Einschränkungen also einerseits etwas geholfen, sind sie andererseits ein Problem, wie Heimattiergarten-Geschäftsführer Uwe Drewitz berichtet. Unter anderem soll ein neuer Wisentbulle aus dem Neuruppiner Tierpark Kunsterspring kommen, um frisches Blut in den Fürstenwalder Bestand zu bringen. Bisher lässt er auf sich warten. Bei den Seeadlern, deren Balzzeit begonnen hat, muss der Nachwuchs von den Eltern getrennt werden und – weil ein Abtransport in einen anderen Tiergarten derzeit nicht möglich ist – in Quarantäneboxen ziehen, denn die Alten lassen sich dieser Tage nicht gern stören. Einen Lichtblick aber gibt es: Demnächst holen Tierparkmitarbeiter eine junge Luchskatze aus der Nähe von Hamburg, die dem Tiergarten langfristig Nachwuchs bescheren soll. „Die Transportgenehmigung liegt vor“, freut sich Uwe Drewitz.

Nachwuchs bei den Rentieren erwartet

Im nächsten Jahr sei noch nicht mit diesem Nachwuchs zu rechnen. Aber der Geschäftsführer geht davon aus, dass es Jungtiere unter anderem bei den Mufflons, den Kängurus, den Rentieren „und hoffentlich bei den Gämsen und den Seeadlern“ gibt. Zu Ostern dürfte bei den Schafen und Ziegen mit Lämmern zu rechnen sein, wie Drewitz ankündigt – und hoffentlich auch wieder mit Besuchern.

Verein dankt Spendern

Auf jeden Fall soll die Ruhe nicht von Dauer sein. „Ein bisschen wehmütig wird man schon, wenn man jetzt durch die Anlage geht“, sagt Drewitz. Um so mehr freuen er und Wolf-Dieter Erdmann sich darüber, dass auch in dieser Zeit Spenden eingehen. Mancher müsse jetzt mehr rechnen. „Da können wir die Spendenbereitschaft gar nicht hoch genug bewerten“, sagt der Vereinschef. „Das ist sehr nobel und lobenswert.“ Dennoch werde weiter Geld gebraucht – den Ausgaben unter anderem für Tierfutter und Löhne stünden nun einmal keine Einnahmen gegenüber. Möglich seien nach wie vor auch Tierpatenschaften zur Übernahme von Futterkosten.