Vor gut 60 Jahren sind sich die beiden das erste Mal begegnet, im Lokal "Krone", in Fürstenwalde. Helga, 16, darf ihre Mutter zu einer Brigade-Feier des Konsums begleiten. "Ich saß wie ein Mäuschen da. Da kam er rein. Ich habe ihn angeguckt, er hat mich angeguckt. Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Helga Beier. Die Mutter möchte nicht, dass ihre Tochter mit dem Mann tanzt. Doch der 22-Jährige zieht das Mädchen magisch an – und dann geht alles ziemlich schnell.
"Ich hatte schon mit 17 ein Kind", sagt Helga Beier. Sie lacht. "Drei Tage nach der Geburt haben wir geheiratet, unsere Jugend war wunderschön", fügt sie an. Die Ausbildung als Kindergärtnerin hat die junge Frau da längst in der Tasche. "Ich bin nach der achten Klasse aus der Schule raus", erklärt sie. Viel lieber hätte sie noch die Mittelschule besucht, doch die habe man bezahlen müssen und dafür reichte das Geld nicht. Zwei weitere Kinder folgen. Helga Beier qualifiziert sich weiter und fängt beim Baukombinat (heute Bonava) als ökonomische Leiterin an. Ihr Ehemann verdient sein Geld als Maurer – und wenig später haben beide den gleichen Arbeitgeber.
Während Helga Beier munter plaudert, sitzt  ihr Mann ruhig an ihrer Seite. Was sie an ihm mag? Da muss Helga Beier nicht lang überlegen. "Dass er immer gearbeitet hat, auch zu Hause, wo wir ein Stück Feld hatten", erzählt sie. "Angeln ist er auch gegangen, so dass keiner hungern musste. Und er war ein guter Papa."
Voller Liebe sprudeln die Worte aus ihr heraus. Die 78-Jährige ist froh, dass sie die Diamantene Hochzeit mit ihrem Mann erleben darf. Dafür sah es zunächst gar nicht gut aus. Denn während Helga Beier schon seit Mitte des vergangenen Jahres im Seniorenheim lebt, wohnt ihr Mann normalerweise noch zu Hause. "Weil der Sohn aber in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, hat er seinen Vati in unsere Kurzzeitpflege gegeben", erklärt Heimleiterin Sylvia Metzke. Bis zu 28 Tage im Jahr könnten pflegende Angehörige solch eine Entlastungszeit nehmen. Auch die Nächte verbringt Hans Beier im Seniorenzentrum. Tagsüber treffen sich die Eheleute dann im Haus oder in Helga Beiers Einzelzimmer. "Die Gnadenhochzeit muss ich hier auch noch erleben. Hier ist es schön, hier gehe ich nicht mehr weg", sagt die Seniorin vergnügt.