Susann Rolle (CDU) ist die sechste Bürgermeisterin Bad Saarows nach 1990. Die Studentin setzte sich am Montag im Gemeinderat gegen Silke Wagenitz klar durch. Ihre Ziele für die Amtszeit bis Juni 2014: Fraktionsübergreifende Arbeit und Ruhe in die Gemeindevertretung bringen.
Bereits ihr Vater hat 1990 einmal so dagestanden wie sie, Gratulationen bekommen, Blumen im Arm gehalten, gestrahlt. Nun übernimmt seine Tochter, Susann Rolle, die Geschäfte der Gemeinde Bad Saarow als ehrenamtliche Bürgermeisterin. "Ich freue mich über das Vertrauen und will in meiner Amtszeit vor allem fraktionsübergreifend arbeiten", sagt Susann Rolle, denn: "In letzter Zeit waren wir in der Gemeindevertretung eher auf Konfrontation als auf Kooperation aus."
Zuversichtlich, dass Rolle ihre Aufgabe gut meistern wird, ist Silke Wagenitz (CDU), die mit sechs zu neun Stimmen gegen Rolle verlor. "Ich bin nicht arg enttäuscht", sagt die Architektin, die 2000 nach Bad Saarow zog, "und ich war nicht überrascht, dass das Stimmenverhältnis so ausfällt." Immerhin war Rolle schon lange als ehrenamtliche Bürgermeisterin für Gerlinde Stobrawa eingesprungen, die im Januar krankheitsbedingt ihr Landtagsmandat und Bürgermeisteramt niederlegen musste.
Die 33-jährige Rolle ist die sechste Bürgermeisterin Bad Saarows nach 1990. Gerlinde Stobrawa, Enrico Jensch, Axel Walter, Gerhard Berger und natürlich ihr Vater, Jörg Detlav Rolle übernahmen vor ihr das Amt. Bis in das Jahr 1992 war der Bürgermeister noch haupt-, danach ehrenamtlich tätig. Ein Ehrenamt, das allerdings ziemlich viel Zeit schluckt. Seit 2008 war Susann Rolle, die in Wildau Verwaltung und Recht studiert, im Kreistag. 2009 wurde sie Nachrückerin in der Gemeindevertretung, ein Jahr später Stellvertreterin der Bürgermeisterin. "Ich habe Gefallen an der Politik gefunden", sagt die Studentin. "Es ist wichtig, etwas zu tun anstatt zu meckern." In der Arbeit der Gemeindevertretung hilft ihr das Studium. "Zuvor habe ich Jura in Frankfurt (Oder) studiert und abgebrochen, weil ich gemerkt habe, wie sehr mich doch die Verwaltung interessiert."
Indem sie erstens bürokratische Prozesse begreifen kann, und zweitens rechtliche Grundlagen kennt, besitzt sie, nach Meinung der Gemeindevertreter, die besten Voraussetzungen für ihre neue Aufgabe. "Frau Rolle hat in der Vertretung für Frau Stobrawa bewiesen, dass sie fraktionsübergreifend arbeiten kann. Wir haben festes Vertrauen", meint Bernd Gestewitz (Die Linke). Der Bad Saarower Arzt und Gemeindevertreter schlug Rolle für den Posten vor und bewarb sich selbst für das Amt des Stellvertreters.
Doch nicht Gestewitz sondern Karin Becker von der Freien Wählergemeinschaft Scharmützelsee machte das Rennen mit acht zu sieben Stimmen. Auch Becker, die bereits den Wirtschaftsausschuss geleitet hatte, setzte auf ihren Wunsch zur Harmonie innerhalb der Vertretung: "Ich habe viele Jahre immer wieder versucht, die Wogen zu glätten. Mir ist wichtig, die Seele des Ortes zu erhalten." Dazu zählt sie vor allem den Kurpark und den Ufer-Wanderweg.
Dass sie mit der CDU-Frau ein gutes Team bilden wird, ist sich Becker sicher. "Wir müssen nur an einem gemeinsamen Strang ziehen", meint die Freie Wählerin. Fragt sich nur, ob die zwei SPD-, fünf Linken- sowie fünf CDU-Mitglieder und drei Freien Wähler an einer Seite des Strangs ziehen. Oder ob sie sich auf die zwei Seiten jenes Strangs verteilen. Im zweiten Fall dürften die anderthalb Jahre, die Rolle bis zum Ende der Amtszeit Juni 2014 bleiben, wohl schwer werden.