Jahrelang war unklar, welche Auflagen für die Ansiedlung von Industrie dort gelten. Der Grund: Das Trinkwasserschutzgebiet für das Wasserwerk Erkner wird neu festgesetzt. Seit 2001 begleitet das Umweltministerium den Prozess. Jetzt steht er vor dem Abschluss. "Ich gehe davon aus, dass die Verordnung zur Festsetzung des Wasserschutzgebietes in den nächsten Wochen in Kraft treten wird", sagte Kurt Augustin, Abteilungsleiter für Wasser- und Bodenschutz.
Entgegen dem ersten Entwurf sieht die aktuelle Fassung einen gelockerten Schutzstatus für einen großen Teil der 300 Hektar umfassenden Erweiterungsfläche vor. 110 Hektar fallen in die Zone IIIA, 40 Hektar in der Zone IIIB und 150 liegen außerhalb der Schutzzone, teilt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade mit. Das bestehende GVZ liegt komplett in der Zone IIIB. Ein wichtiger Unterschied beider Zonen ist zum Beispiel die Bestimmung zur Waldumwandlung (siehe Kasten).
"Jetzt haben wir eine Lösung, mit der sowohl das Land als Eigentümer als auch die Gemeinde gut leben kann", sagt Bürgermeister Arne Christiani. Letztlich hätte sich das Land mit strengeren Auflagen auf seinen Flächen aber auch selbst Steine in den Weg gelegt, gibt er zu bedenken.
Der Druck aus der Wirtschaft wächst. Die Gewerbezentren in Groß Beeren und Wustermark sind voll. Auch das bestehende GVZ Freienbrink ist nahezu ausgeschöpft. 69 von 96 Hektar sind verkauft, sagte Joachim Gollnick von der Infrastruktur- und Projektentwicklungsgesellschaft, die die Flächen vermarktet. Für zwei weitere Logistikzentren seien die Verhandlungen zudem weit fortgeschritten. Und das KWU hat sich 1,7 Hektar reserviert. Je knapper die Flächen werden, desto interessanter wird die Erweiterungsfläche. Grünheide habe nicht vor, sie zu kaufen, betonte Christiani. Ute Bankwitz von der Wirtschaftsförderung des Landes hatte mit einer entsprechenden Äußerung für Verwunderung gesorgt.
Die Weichen für die GVZ-Erweiterungsfläche existiert seit 2001, als BMW überlegte, dort ein Werk zu bauen. Die 300 Hektar wurden damals aus dem Landschaftsschutzgebiets herausgelöst. Hat sich das Umweltministerium letztlich dem Druck aus der Wirtschaft gebeugt? "Nein", sagt Augustin. "Die Trinkwasserversorgung hat höchste Priorität. Sie gilt als Daseinsvorsorge", unterstreicht er.

Kriterien der Trinkwasser-Schutzzonen


¦ IIIB - mit geringsten Auflagen. Verboten sind z.B.Flugplätze, Motorsport- und Golfanlagen, Neuausweisung von Industriegebieten, Abwasserbehandlunganlagen, Lagern von Düngemitteln auf unbefestigten Flächen, Lagern und Ausbringen von Fäkalschlamm, Umwandlung von Wald in eine andere Nutzungsart - ausgenommen rechtskräftig bestehende Bebauungspläne. ¦ IIIA - zusätzlich zu den Verboten von IIIB sind verboten oder eingeschränkt möglich:Errichtung und Erweiterung von Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, Bestattungen, Gartenbaubetriebe, Baumschulen, Freilandtierhaltung, Energieholzplantagen und Umwandlung von Wald - außer mit Einzelgenehmigung und Zustimmung der unteren Wasserbehörde