"Oder-Spree, 1. FC Union und die Zahl 17" - das sind die großen Lettern des Graffitis, das unbekannte Sprayer an der Autobahn-Grünbrücke in der Nähe der Abfahrt Jacobsdorf/Müllrose gestaltet haben. Die Sprayer machten sich wahrscheinlich am vergangenen Wochenende ans Werk. Von der Alten Poststraße aus, die parallel zur Autobahn verläuft, könnten sie an das Bauwerk, das 2012 für rund 4,5 Millionen Euro fertig gestellt wurde, heran gekommen sein. Entsprechende Autospuren waren am Mittwoch beim Ortstermin mit Stefan Eichenauer, Leiter der Fürstenwalder Autobahnmeisterei, noch zu erkennen. "Um diesen Schriftzug anzubringen, müssen die Sprayer schon lange Leitern und viel Farbe dabei gehabt haben", sagt Eichenauer, der Anzeige bei der zuständigen Polizeiinspektion erstattet hat. Am Montagmorgen hatte ein Streckenwart der Autobahnmeisterei während seiner täglichen Kontrolltour die Malerei entdeckt und gemeldet.
Das wahre Ausmaß des Graffiti ist aber erst direkt auf der Brücke zu erkennen. Mit einer Länge von 36 Metern und bis zu 2,90 Meter hoch, ist es gewaltig und nicht in ein paar Stunden zu schaffen. Auch an einer der Löcknitzbrücken an der A10 bei Fangschleuse haben die Fans des Berliner Fußballclubs aus Köpenick einen derartigen Schriftzug hinterlassen - allerdings kleiner als an der Wildbrücke. "Da dieser auf Plexiglas gesprayt wurde, für das es noch kein geeignetes Reinigungsmittel gibt, bleibt das Graffiti erst einmal dran", teilt Andreas Müller, Leiter der Autobahnmeisterei Erkner, mit.
Der Schriftzug an der Wildbrücke bleibt ebenfalls erhalten. "Die Kosten für die Entfernung wären zu hoch und die saubere Fläche würde nur neue Sprayer anlocken", sagt Stefan Eichenauer. Derweil ermittelt die Polizei wegen Sachbeschädigung. "In jeder Inspektion gibt es Beamte, die auf Graffitis spezialisiert sind und auf Grund spezieller Zeichen oder Techniken die Handschrift der eventuellen Täter erkennen", erläutert Polizeisprecherin Bärbel Cotte-Weiß.
Fast zeitgleich zu der Sachbeschädigung an der Grünbrücke über die A12 hat das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft eine Auswertung der Videoüberwachung zum Wildwechsel auf der Brücke herausgegeben. Demzufolge haben im Zeitraum zwischen August 2013 und Dezember 2016 insgesamt 4299 Tiere die Wildbrücke passiert, wobei Rotwild mit 3278 die häufigste Art ist. Damit konnte dokumentiert werden, dass die Anzahl der Querungen von Rotwild von Jahr zu Jahr zunimmt. Zweithäufigste Art ist Rehwild, dessen Anteil gegenwärtig 8 Prozent (335 Mal) mit steigender Tendenz ist. Feldhasen (285) sind mit unterschiedlicher Nutzung nachweisbar. Füchse (170) und Dachse (120) sind ausschließlich nachts auf dem Bauwerk anzutreffen.
2016 konnte eine rasante Entwicklung der Grünbrückennutzung durch Wölfe dokumentiert werden. Ende Dezember 2015 wurden erstmalig zwei Wölfe aufgezeichnet. Im folgenden Jahr erfolgten 85 Querungen der Autobahn, von denen 19 tagsüber passierten. Zeitnah konnten fünf Wölfe gleichzeitig nachgewiesen werden, so dass davon auszugehen ist, dass ein Rudel unmittelbar in der Region um die Grünbrücke leben könnte. Waschbären, Marderhunde, Hauskatzen und Wildschweine nutzen die Überquerung der Schnellstraße dagegen eher selten.

Nutzung der Brücke

¦ Rotwild: 3278 ¦ Rehwild: 335 ¦ Feldhase:285 ¦ Rotfuchs: 170 ¦ Dachs: 120 ¦ Wolf: 87 ¦ Waschbär: 9¦ Schwarzwild: 7 ¦ Hauskatze: 4 ¦ Marderhund: 4