Yara Kassem und Naame El Hassan haben ihr ganzes Leben in Fürstenwalde verbracht. Hier sind sie groß geworden, hier gehen sie zur Schule und haben ihre Freunde. Ihre Wurzeln aber haben sie nie verleugnet. Im Gegenteil, sie sind Teil ihrer Identität. 1991 beziehungsweise 1992 verließen die Eltern der beiden den vom Bürgerkrieg zerrütteten Libanon und kamen nach Deutschland. In einem fremden Land, in einer fremden Stadt Fuß zu fassen, die Sprache zu lernen und sich anzupassen war für die Kassems und die El Hassans nicht immer einfach. Für wen ist es das schon? So wie den Familien von Yara und Naame erging es vielen anderen Migranten auch, die nach der Wende nach Fürstenwalde kamen und seitdem das Stadtbild bereichern. Ihre Geschichten sind es, für die sich Yara und Naame interessieren und die sie nun dokumentieren wollen.
Die 18-jährige Yara Kassem macht gerade auf der Rahn-Schule ihr Sozial-Abitur. Für ihr obligatorisches Praktikum hat sie sich die Jugendbasis Alpha in der Geschwister-Scholl-Straße ausgesucht. Dort kam sie auch auf die Idee, ihr Interesse für die eigene Geschichte und die Geschichten anderer Migranten in ein Projekt umzusetzen. In der 17-jährigen Naame El Hassan fand sie eine Mitstreiterin. Sozialarbeiterin Miriam Zickerow-Grund half, das Projekt auf einen offiziellen Weg zu bringen.
Mit ihrer Idee bewarben sie sich bei „Zeitensprünge“, einem Programm für Jugendliche, das unter anderem vom brandenburgischen Bildungsministerium gefördert wird. Die Idee: Heranwachsende setzen sich mit historischen Ereignissen aus ihrer direkten Nachbarschaft auseinander und machen so lokale Geschichte für sich und andere erfahrbar. Von insgesamt 200 Förderanträgen wurden 31 ausgewählt – das Projekt von Yara und Naame war dabei. Der Lohn: Ein Starterset mit Diktiergerät und Videokamera sowie knapp 1000 Euro, um die Recherche-Ergebnisse anschließend auch in ansprechender Form präsentieren zu können.
Die eigentliche Arbeit beginnt in den nächsten Wochen. Sie wollen so viele Fürstenwalder mit Migrationshintergrund wie möglich befragen. „Uns sind die Einzelschicksale wichtig“, sagt Naame El Hassan. Auch Kinder und Jugendliche sollen zu Wort kommen. „Sie sind wichtige Zeitzeugen“, meint Yara Kassem.
Bis zum Ende des Jahres haben die beiden Zeit für ihre Recherchen. In welcher Form sie ihre Ergebnisse dann präsentieren, dazu gibt es viele Ideen. Geplant ist eine Wanderausstellung mit Fotocollagen. Auch ein Film soll gedreht werden. Das bedeutet viel Arbeit für Yara und Naame. Deshalb suchen beide auch noch nach Mitstreitern. Wer Interesse hat, der meldet sich einfach in der Jugendbasis Alpha.