Er war am Freitag zur Naturschutzstation Woblitz bei Himmelpfort gebracht worden, wo sich seitdem Paul Sömmer um das kleine Tier kümmert. Sömmer ist Greifvogelexperte und der Storchenschutzbeauftragte im Altkreis Gransee.
„Bis Dienstag war ich noch sehr skeptisch, ob er überlebt“, sagte Sömmer. Inzwischen habe sich der Zustand des kleinen Vogels jedoch etwas stabilisiert. Der Stuhlgang des Storches sei wieder normal, gefüttert werde das Tier unter anderem mit Fisch und Regenwürmern. „Nur zugenommen hat er noch nicht“, so der Experte. Außer Lebensgefahr ist der kleine Adebar aus Wendefeld also noch nicht.
Gerade mal 164 Gramm wog der Jungvogel nach seiner Ankunft in Woblitz. Seine drei tödlich verunglückten Geschwister brachten alle zwischen 100 bis 250 Gramm mehr auf die Waage. „Er hat den Sturz überstanden, weil er leichter als die anderen war“, so Sömmer.
Wie berichtet brachte stürmischer Wind am Freitag das Storchennest auf einer Freileitung am Wendefelder Weg zu Fall. Die Störche hatten auf dem Betonpfeiler im Herbst – kurz vor dem Abflug in den Süden – zu nisten begonnen und das Nest nach ihrer Rückkehr weiter ausgebaut. Vor ein paar Tagen schlüpften dann die vier Jungtiere. Möglicherweise brachte auch dies die Statik des Horstes ins Wanken. Anwohner Jörg Ziethmann bemerkte als erster das ganze Drama, meldete sich beim Energieversorger E.ON edis sowie der Naturschutzstation und errichtete gemeinsam mit Nachbarn auf einem alten Telefonmast zunächst einen provisorischen Nistplatz. Ob Mutter und Vater Storch diesen angenommen haben, ist nicht überliefert. Am Mittwoch nun leistete E.ON edis Nisthilfe. Das Unternehmen ließ einen zehn Meter langen Betonmast der Stadtwerke Zehdenick aufstellen und montierten darauf ein Nestgestell. Jetzt muss das leidgeprüfte Storchenpaar sein neues Zuhause nur noch akzeptieren.
Jörg Friedrich von E.ON edis lobte die umkomplizierte Zusammenarbeit mit dem Trink- und Abwasserverband (TAV) und der Telekom, die schnell und unbürokratisch Pläne von im Erdreich verlaufenden Leitungen zur Verfügung gestellt hätten, damit der Mast kurzfristig errichtet werden konnte. „Wenn es um Störche geht, machen alle mit“, weiß Jörg Friedrich aus Erfahrung.
Der kleine Jungstorch in Obhut von Paul Sömmer indes wird nie wieder nach Wendefeld zurückkehren, selbst wenn er überlebt. „Sobald er 500 Gramm wiegt und stabil ist, gebe ich ihn weg. Er muss unter seinesgleichen und artgerecht aufwachsen“, so Sömmer.