Sie wurde von der Willkommen Initiative Gransee veranstaltet und brachte neben etlichen reparierten Fahrrädern für die Asylbewerber einen willkommenen Nebeneffekt: Spaß am gemeinsamen Schaffen. 27 Männer, Frauen und Kinder machten sich bereits am frühen Vormittag an den gespendeten Fahrrädern zu schaffen. 16 von ihnen waren Bewohner des Asylbewerber-Heims, die ursprünglich in afrikanischen Ländern, Pakistan und Syrien beheimatet waren. "Man kann sie gar nicht alle beschäftigen, man muss erklären und helfen", sagte Klaus Pölitz, der bei der Aktion den Hut auf hatte. Aber mit Zeigen, Händen und Füßen und ein bisschen Englisch gehe alles gut voran. 26 Drahtesel oder solche, die es wieder werden wollten, standen mittendrin. An jedem wurde geschraubt, montiert und gepumpt. Sättel wurden ausgewechselt, neue Räder eingebaut, Lenker repariert. Ersatzteile lagen bereit. Für die Sachmittel bekam die Initiative von der Amadeu Antonio Stiftung 500 Euro. Die Stiftung unterstützt Initiativen und Projekte, die gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus vorgehen und sich für demokratische Strukturen engagieren. Sie wurde nach Amadeu Antonio Kiowa benannt, der 1990 in Eberswalde von Neonazis getötet wurde.
"Wo ist mein Werkzeug? Wo ist meine Schere? Wer kann mir helfen?", war immer wieder aus allen Richtungen zu hören. Neben den Mitstreitern der Willkommen Initiative waren viele spontan gekommen. "Ich wollte mitmachen und helfen", bekundete Christian Stolt aus Gransee, während er zusammen mit Khali Hassan aus dem Tschad an einem Zweirad arbeitete. Auch der 83-jährige Hans Schumann war der Anzeige in der Zeitung gefolgt und aus Fürstenberg gekommen, um mitzumachen. "Entweder man macht es oder man macht es nicht", sagte er, "ich halte es für nötig".
Binnen kurzer Zeit saßen die ersten Männer mit strahlenden Gesichtern im Sattel. Die fahrtüchtigen Räder wurden mit Luftpumpe und Schloss ausgestattet und erhielten einen Aufkleber mit dem Willkommen-Logo. Sie wurden als Leihgaben samt Fahrer von Viviane Zipperling sorgfältig registriert. "Wir haben die Leute gebeten, sich zu überlegen, wie die Räder gerecht verteilt werden können", so Ines Richter. Dabei sollten Frauen und Kinder den Vorrang haben. In jedem Fall werde ein Mädchen, das in der Stadt die Schule besuchen wird, eins erhalten.
Etwa 20 Stück warten in ihrer Rönnebecker Scheune auf die nächste Reparatur-Aktion. Ines Richter dankte allen Bewohnern aus Gransee und Umgebung für ihre Spenden. Weitere Spenden seien willkommen. Denn Ziel sei es längerfristig, dass jeder der etwa 80 Heimbewohner ein Fahrrad bekommt.
Nach getaner Arbeit wurde gegrillt. Würstchen und Getränke waren noch übrig vom Willkommen-Fest im Hospital Global. Dort haben die Renovierungsarbeiten Fortschritte gemacht, berichtete Klaus Pölitz. Die Malerarbeiten sind beendet. Die ersten Möbel sind drin, und ebenso ein Teil der Kücheneinrichtung.