Noch in diesem Jahr wollen Gransee, Fürstenberg und Zehdenick gemeinsam einen Einkaufsgutschein auf den Weg bringen, der in lokalen Geschäften eingelöst werden kann. Parallel dazu soll eine Datenbank aufgebaut werden, um das Gutschein-Angebot interaktiv zu machen, aber auch um auf Sonderangebote und Aktionen hinweisen zu können.

Aus der Passantenbefragung Rückschlüsse ziehen

Das ist aber nur eine von vielen Maßnahmen, die Uta Kupsch von der Stadt Zehdenick mit Gewerbetreibenden in der Region und Wirtschaftsförderern anschieben möchte, um die Innenstädte attraktiver zu machen. Woran es fehlt, um insbesondere die Zehdenicker Altstadt für Besucher attraktiver zu machen, hat die Kommune durch die Befragung von 400 Passanten im Herbst vergangenen Jahres ermitteln lassen. Zehdenick war Teil des bundesweiten Programms „Vitale Innenstädte“, womit eine Befragung möglich wurde.

Templiner Innenstadt wird als attraktiver eingeschätzt

In der Vergleichsgruppe der Städte mit bis zu 25.000 Einwohnern nahmen auch Templin und Pritzwalk an der Befragung teil. Während die Passanten der Zehdenicker Innenstadt die Durchschnittsnote 2,6 gaben, schnitt Templin mit 2,2 deutlich besser ab. Einer der Gründe: In Templin gibt es bereits seit 2017 den Templin-Gutschein. Das Projekt hat sich als Marketinginstrument bewährt, „um das Geld in der Stadt zu behalten, die lokalen Gewerbetreibenden fördern und die Identifikation mit der Stadt zu stärken“, wie die Tourismus Marketing Templin GmbH als Koordinator betont.

Großer Wunsch nach regionalen Produkten

71 Prozent der in Zehdenick Befragten wünschen sich regionale Produkte, was ein zusätzlicher Anreiz wäre, die Innenstadt öfter zu besuchen. Mit der Neuauflage des Einkaufsführers wird auch diesem Wunsch rechnen getragen. 60 lokale Anbieter werden sich mit Einträgen an der Neuauflage beteiligten, kündigte Uta Kupsch im Stadtentwicklungsausschuss an. Das seien noch einmal mehr als beim ersten Mal. Nachgedacht wird in der Stadtverwaltung aber auch über einen Innenstadtfonds, um etwas aktiv gegen den Leerstand zu unternehmen. Vor allem wenn private Immobilieneigentümer kein Interesse an der Vermarktung ihres Eigentums haben, sei das ein Instrument, um gegenzusteuern. Mit Geld aus dem Fonds könnten die Stadt selbst oder die Gebäude- und Wohnungswirtschaft (Gewo) Zehdenick Immobilie aufkaufen, um sie einer Zwischenlösung zuzuführen oder sie für einen späteren Verkauf herzurichten.

Vorschläge zur Nutzung des Rathauses

Auch das Rathaus hat Uta Kupsch im Visier. Wenn die Tourist-Information in einigen Jahren auszieht, um sich im Pavillon Berliner Straße 27 neu einzurichten, wird das historische Rathaus nur noch von der Polizei genutzt. Überlegungen gebe es schon jetzt, das Gebäude anderweitig zu nutzen. Ein Museum könnte dort entstehen, vielleicht auch als Alternative zum Schiffermuseum. Auch die Umsiedlung des Einwohnermeldeamtes wäre denkbar, um das Rathaus zumindest wochentags zu beleben.

Altstadtfrühling statt Sportfest

Darüber hinaus müsse mit weiteren Veranstaltungen die Innenstadt belebt werden. Anstelle des Zehdenicker Stadtsportfestes könnte im Juni als kleine Veranstaltung der „Start in den Zehdenicker Altstadtfrühling“ stattfinden. Die Fete de la Musique, die seit einigen Jahren von Pfarrer Andreas Domke veranstaltet wird, soll auch in diesem Jahr am 21. Juni über die Bühne gehen. Gewünscht wird darüber hinaus eine Buslinie, die beispielsweise von den Wohngebieten im Norden und im Süden der Stadt direkt zum Marktplatz führt. Zumindest in den Sommermonaten soll die Zehdenicker Stadtkirche für Besucher geöffnet sein. Der Fremdenverkehrsverein Zehdenick hat bereits reagiert und mit Carsten Dräger einen Stadtführer engagiert, der ab diesem Monate regelmäßig Führung durch die Altstadt anbieten wird.
Auch das Thema Barrierefreiheit spiele bei allen Überlegungen eine Rolle: „Jede Stufe kostet Umsatz“, habe jüngst die Industrie- und Handelskammer festgestellt. Neben dem Einzelhandel gehöre auch das Handwerk in die Altstadt. An Ideen jedenfalls, die Innenstadt nachhaltig zu beleben, mangelt es nicht.