Katrin Lange, Hartmut Neumann und Ralf Waß stehen an einer überstauten Wiesenfläche unterhalb der Klienitz, einem Nebenarm der Havel. Im südlichsten Zipfel des Naturparks Uckermärkische Seen laden sie vom Autoanhänger ein Boot sowie eine rechteckige Platte ab. Groß wie eine Zimmertür besteht sie aus auftriebsfähigem Material, das mit Holzleisten verbunden ist, und einem kleinen 20 Zentimeter hohen Maschendrahtzaun ringsherum. Sie soll Wasservögeln, speziell der Flussseeschwalbe, als Brutinsel dienen und hier zu Wasser gelassen werden.

Rangerin Katrin Lange baut einen Nistplatz

Um den Vögeln ihren Nistplatz so natürlich wie möglich zu gestalten, verteilt Rangerin Katrin Lange noch ein Kies-Sand-Gemisch auf die Platte. Kleine „Häuschen“, jeweils zwei zu einem schrägen Dach zusammengenagelte Brettchen, werden ebenfalls montiert. Sie sollen den künftigen gefiederten Bewohnern beim Brüten zusätzlichen Schutz vor der Witterung und vor Greifvögeln bieten. Dem Schutz dient auch der Zaun.

Wasservögel zeigen Interesse an der Klienitz

Beutegreifern und Nesträubern, wie dem Waschbär, soll der Zugang verwehrt werden. Anfang April hatte Rangerin Lange im Rahmen ihrer Gebietskontrolle im circa 200 Hektar großen Naturschutzgebiet (NSG) Klienitz ein erhöhtes Interesse verschiedener Wasservögel an den wenigen trockenen Stellen als Brutplätze beobachten können. So entstand die Idee zum Neubau einer künstlichen Nisthilfe. Diese soll jetzt erst angeboten werden, damit nicht Lachmöwen diese Brutplätze schon vor den Flussseeschwalben besetzen.

Einige Flächen im Naturschutzgebiet stehen ganzjährig unter Wasser

Das nordwestlich von Zehdenick gelegene unter Schutz gestellte potenzielle Brutgebiet zeichnet sich durch den sogenannten Kinderstich – einen im Wandel befindlichen ehemaligen Tonstich, sowie die naturnahe Klienitz aus. Zum Teil, aufgrund einer früheren Dammschüttung, wird die hiesige Feuchtwiesenlandschaft der Havelniederung noch landwirtschaftlich genutzt. Vorausgesetzt, der Wasserstand der Havel lässt es zu, sind Grünlandschnitt oder Beweidung möglich. Andere Flächen des NSG Klienitz stehen jedoch ganzjährig unter Wasser und bieten so ein ideales Rast- und Brutgebiet für durchziehende und stationäre Vogelarten. Neben der Erhaltung und Entwicklung dieses Lebensraumes für vorhandene diverse Pflanzen- und Tierarten ist im Schutzzweck auch eine potenzielle Wiederausbreitung wild lebender Tierarten definiert.

Die Flussseeschwalbe ist geschickter und wendiger Flieger

Wenn es nach dem Wunsch der Naturwächter geht, soll die Brutinsel daher in erster Linie der Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) dienen. Denn dieser geschickte und wendige Flieger wird als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands geführt – die Verantwortung für dessen Schutz und Unterstützung ist also groß. Zu erkennen ist der 35 Zentimeter große, mit einem weiß-grauen Körper und Flügeln ausgestattete Vogel vor allem im Prachtkleid an seiner Seeschwalben typischen schwarzen Kopffärbung (einer Kappe ähnelnd) und dem orangeroten Schnabel. Als Langstreckenzieher kehrt die Art im April aus ihren Überwinterungsgebieten Süd- und Westafrikas zu uns zurück, um hier in Kolonien zu brüten. Oft mangelt es jedoch an geeigneten Lebensräumen, da die Flussseeschwalbe klare und fischreiche Gewässer mit Kiesstränden und Inseln zur Brut aufsucht.

Beim schrillen „Kriierrr“ lohnt sich der Blick Richtung Wasser

Die Vögel vor den Toren Zehdenicks beobachten zu können, ist daher noch eine Besonderheit. Mittels Nisthilfe und anderer Naturschutzmaßnahmen soll die Wahrscheinlichkeit aber erhöht werden. Vernimmt der Spaziergänger ein schrilles „Kriierrr“, lohnt sich ein Blick Richtung Wasserflächen. Mit etwas Glück ist dann zu beobachten, wie der Vogel ins Wasser hinabstößt, um seine Beute zu fischen. Krebse, kleine Fische aber auch Insekten stehen auf dem Speiseplan. Stoßen die Vögel jedoch zur Warnung ein scharfes „Tschip“ aus, oder fliegen gar von ihren möglichen Brutstätten auf, bitten die Ranger um den sofortigen Rückzug der Besucher, um eine weitere Störung der Tiere zu vermeiden.

Besucher sollten sich an die Regeln halten

Im NSG Klienitz sowie im gesamten Naturpark Uckermärkische Seen sollen Besucher auch weiterhin als interessierte Naturliebhaber und Spaziergänger seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten beobachten und die Landschaft genießen können. Bei der Menge an Besucher im Jahr und besonders in der Pandemiezeit braucht dieses Naturparadies aber Spielregeln. Daher wird grundsätzlich, besonders in der sensiblen Brutzeit, gebeten:

Die Verhaltensregeln im Detail

1. Bleiben Sie auf den beschilderten Wanderwegen; 2. Nutzen Sie zur Anfahrt möglichst das Rad auf dafür ausgewiesenen Wegen statt des Autos und wenn Sie damit anreisen: 3. parken Sie bitte nur auf ausgewiesenen Parkplätzen. 4. Auch fürs Reiten gilt: nur auf zulässigen Wegen, bitte. 5. Hunde sind willkommen, aber nur an der Leine! Ersparen Sie bitte den Wildtieren die gefährliche Hetze und Ihrem Hund die Gefahr. Gefüllte Hundekotbeutel sind im Mülleimer zu entsorgen. 6. Nehmen Sie bitte grundsätzlich Ihren Abfall wieder mit und entsorgen ihn ordnungsgemäß in Abfall- und Recyclingbehältern. 7. Verhalten Sie sich möglichst ruhig – so erhöht sich die Chance auf Tierbeobachtungen. 8. Entzünden Sie kein Feuer im Schutzgebiet! Brandgefahr! Auch die Nutzung von Grills oder Outdoor-Kochgeschirr ist untersagt. Das Rauchen im Wald ist verboten! 9. Beim Sammeln von Kräutern, Beeren, Pilzen und anderen wilden Pflanzen gilt: Ein Handstrauß beziehungsweise eine kleine Menge für den persönlichen Gebrauch ist erlaubt. Unter Naturschutz stehende Pflanzen dürfen selbstverständlich nicht gesammelt werden! 10. Das Zelten, Lagern sowie Übernachten auch im Pkw und Wohnmobil ist in Naturschutzgebieten nur auf offiziellen Camping- und Biwakplätzen beziehungsweise anderen speziell gekennzeichneten Flächen erlaubt!

Naturwacht Brandenburg


Die Ranger der Naturwacht Brandenburg arbeiten seit 1991 in 15 Großschutzgebieten erfolgreich als Mittler zwischen Mensch und Natur.

Auf rund 9000 Quadratkilometern – einem Drittel der Landesfläche – erfassen sie Daten zu Tier- und Pflanzenbeständen, Grundwasserspiegeln sowie zur Qualität von Gewässern.

Zudem setzen sie zahlreiche Naturschutzmaßnahmen um und kontrollieren deren Erfolg. Die Ranger sind wichtige Ansprechpartner für Anwohner und Touristen in den Nationalen Naturlandschaften.

Die Ranger begleiten jährlich rund 10.000 Gäste auf mehr als 550 geführte Touren. Seit 1997 arbeitet die Naturwacht unter dem Dach der Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg. www.naturwacht.de red