In der Heimat verwurzelt

Katja Wolf von der Handwerkskammer Potsdam überreichte am Donnerstag die Auszeichnung, die seit 2014 monatlich an einen Lehrling für dessen "vorbildliches Ausbildungsengagement" verliehen wird. Was reizt einen jungen Menschen zu einem Beruf, über den viele – zu Unrecht – die Nase rümpfen? "Er ist vielseitig, ich habe mit vielen unterschiedlichen Techniken zu tun, und ich sehe am Ende des Arbeitstags, was ich geschafft habe", antwortet der sympathische junge Mann. Besonders stolz sind Andrea und Jens Schulz, denn Moritz ist nicht nur Auszubildender in ihrem Betrieb, sondern gleichzeitig auch ihr Sohn. "Natürlich haben wir manchmal Meinungsverschiedenheiten", sagt der Chef-Vater, "doch das geht immer ganz ruhig ab". "Moritz ist ein ganz verwurzelter Familienmensch, der in der Heimat lernen wollte. Als Eltern haben wir ihm alle Möglichkeiten gegeben, seine Zukunft nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Auch wenn er etwas ganz anderes im Blick gehabt hätte, wir hätten ihn ziehen lassen. Aber er ließ keinen Zweifel daran, dass er genau diesen Beruf ergreifen wollte und sein Vater ihm Rüstzeug vermitteln sollte, " erinnert sich seine Mutter.
Die Betriebe können ihre besten Auszubildenden selbst bei der Handwerkskammer in Potsdam vorstellen, denn sie könnten, so Katja Wolf, am besten selbst einschätzen, wer die Auszeichnung verdiene. Moritz ist mit seinem Heimatdorf eng verbunden, die Wesendorfer Feuerwehr beförderte ihn im Januar zum Feuerwehrmann, er engagiert sich bei der Jugendfeuerwehr. Das Schrauben an Mopeds ist sein Hobby geblieben, zwei "Schwalben" stehen startbereit, eine dritte hat er von Grund auf renoviert. Daneben parkt ein kaffeebrauner Trabi-Kombi, auch er wurde von Moritz wieder auf Trab gebracht. "Wenn mein Kumpel und ich mit unseren Trabis an der Eisdiele vorfahren, sind wir die echten Hingucker", schwärmt er vom Status des Kleinen aus Zwickau. Seine Zukunft sieht er jedenfalls positiv: Er möchte später einmal den väterlichen Betrieb mit den zwölf Mitarbeitern übernehmen – wenn er es sich nicht anders überlegt: Denn ein Kindheitstraum war, Kranfahrer zu werden.
Perspektivisch steht nach der Ausbildung für den Anlagemechaniker die Ausbildung zum Meister im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz an. Die Weiterbildung will er auch gar nicht auf die lange Bank schieben. Die Familie freut sich, wenn er bleibt. Aber auch hier betonen die Eltern wieder, dass er freie Wahl hat und sie immer hinter ihm stünden, egal, wohin sein Weg ihn führen würde.

Ausbildungsmöglichkeiten


Aktuell sind in der Handwerkskammer, die den Nordwesten Brandenburgs umfasst, mehr als 800 Lehrstellen unbesetzt, 180 Praktikumsplätze werden angeboten.

Insgesamt gibt es im Kammerbezirk 62 unterschiedliche Ausbildungsberufe.

Auf den Beruf Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik entfallen 75 freie Stellen, fünf sind es bei den Mechatronikern für Kältetechnik; zwei Lehrstellen zum Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer sind unbesetzt. wg