Hagen Lorenz ist an diesem Freitagnachmittag der „Ausputzer“ in der Freien Naturschule Fürstenberg. Allmählich leeren sich die Räume und das große Foyer des früheren Forstmuseums. Eltern holen die Schüler ab, die sich in aller Seelenruhe ankleiden und ihre Tornister überwerfen. Zum Schluss stellt Lorenz die Sitzbänke hoch. Alles ist geprägt von einer ruhigen, ausgeglichenen Atmosphäre. Als wäre Stress für die Beteiligten ein Fremdwort.
Vor allem Lorenz hat aber mehr als alle Hände voll zu tun. Vor wenigen Wochen ist er zum dritten Mal Papa geworden. Klar, dass er seine Frau, wo es möglich ist, unterstützt. Außerdem betreiben die beiden die beliebte Verschenkebank, wo Interessenten altes Mobiliar oder Einrichtungsgegenstände jeglicher Art abgeben und gegen andere Dinge tauschen können. Dinge, die andere „Verschenker“ abgegeben haben. All das funktioniert ohne Geld, versteht sich. Und nun hat Hagen Lorenz in Abstimmung mit der Leitung der Freien Naturschule eine Spendenaktion ins Leben gerufen.

Intakte Hilfsmittel für den Unterricht willkommen

In den sozialen Medien hat er jüngst aufgerufen, der Schule Utensilien zur Verfügung zu stellen, die den Unterricht abwechslungsreicher und sinnlich erlebbarer machen. „Wir denken da an Materialien wie anatomische Modelle, Labor-Gerätschaften, Lehrplakate, etwa wie das periodische System“, erläutert Hagen Lorenz. Mehr noch: Ganz einfache Werkzeuge seien wollkommen, Feilen, Schrauber, Handbohrer oder aber auch Bücherregale.
„Und dann schließlich Malerzeug, denn wir Lehrkräfte und Mitarbeiter wollen auch renovieren“, fügt er hinzu. Wenn jemand einen Elektro-Herd loswerden wolle, dann sei er bei der Freien Naturschule ebenso an der richtigen Adresse. Weil es aber vorrangig um die Natur geht, wären Heckenpflanzen willkommen, die jemand aus welchem Grund auch immer zu viel hat und loswerden möchte. „Wir wollen doch auf dem Hof einen Schulgarten einrichten und Hochbeete extra für Färberpflanzen anlegen. Letztere sollen dem Färben von Textilien im Unterricht dienen.“

Landesmittel erst ab nächstem Schuljahr

Der eine oder andere wird sich sicher fragen, wieso Spendenaktion? „Die Naturschule nimmt doch Geld vom Land ein.“ Das ist falsch, und die regulären Einnahmen für die Beschulung der Kinder, die die Eltern zahlen, decken keineswegs den Bedarf an Lehrmitteln. „Erst im vierten Jahr unserer Existenz haben wie einen Anspruch auf staatliche Unterstützung“, erläutert Hagen Lorenz.
Weil die Schule aber erst im dritten Jahr am Netz ist, müsse man sich noch „durchbeißen“. Das habe dazu geführt, dass der Trägerverein die von den Schülern für den Unterricht benötigten Bücher selber zur Verfügung stellt. Mehr noch: Die Lehrkräfte kaufen die Lehrmittel oft selbst. Mit anderen Worten: „Bücher müssen die Eltern nicht kaufen“, erläutert er. Außerdem habe die Corona-Situation dazu geführt, dass sich alles verzögert. „Und vieles wird extrem teuer mittlerweile“, merkt Hagen Lorenz an.

Lieferengpässe deutlich zu spüren

Inzwischen hat sich die Raumaufteilung des früheren Forstmuseums stark verändert, sie ist den Bedürfnissen der Kleinen Oberschule mit Grundschulteil angepasst worden. Neuankömmlinge, die das Forstmuseum noch kennen, müssen sich erst einmal umgewöhnen. Im großen Ausstellungsraum links des Eingangs sind Raumteiler eingezogen worden. Dort können die Grundschüler unterrichtet werden.
Ein weiterer Raum an der Westseite des Gebäudes soll den Klassenstufen 1 bis 3 reserviert bleiben, ein weiterer für die Klassenstufen 4 bis 6. doch die allseits beklagten Lieferengpässe haben dafür gesorgt, dass improvisiert werden musste: So fehlen einige der Fenster. Doch Abhilfe ist in Sicht.
Die kleine Oberschule mit integrierter Grundschule konnte im August 2019 ihre Türen öffnen, Träger ist der Verein „Draußen Spielend Lernen“. Das Grundstück Forstmuseum wurde übrigens vom Verein gepachtet, Eigentümerin ist die Kommune.
Wer sich an der Spendenaktion beteiligen möchte, könne sich in der Schule bei Hagen Lorenz per E-Mail melden. Die Adresse lautet: H.lorenz@fnifs.de