Wie ein Popstar betritt Moritz von Uslar die Bühne im Berliner Ensemble, reckt seinen linken Arm immer wieder nach oben. Applaus braust auf. Die Buchpremiere von „Nochmal Deutschboden“, die Rückkehr nach Zehdenick sieben Monate nach dem Verkaufsstart des Buches, kann beginnen.

Persönliche Begrüßung zum Auftakt der Lesung

Einige Berliner Freunde und natürlich die Zehdenicker Paul Seehausen, „ein ganz großer Held“, seinen Boxtrainer Michael Ungar und „Blacky“, der es sich in der vierten Sitzreihe des Theaters bequem gemacht hat, begrüßt er persönlich. Zehdenicks Bürgermeister Bert Kronenberg (parteilos) ist wegen Corona nicht gekommen. Uslar wünscht einen „krass unterhaltsamen Abend“. Das Theater ist ausverkauft.

Rückkehr in die brandenburgische Provinz

Zehn Jahre nach „Deutschboden“ kehrte Moritz von Uslar, der Reporter, zurück in die märkische Kleinstadt, um die Protagonisten seiner „teilnehmenden Beobachtungen“ von damals wieder zu treffen. Mittlerweile erkennen die Zehdenicker ihn auf der Straße, grüßen ihn freundlich, lassen sich bereitwillig von ihm interviewen. Wenn er sein Diktiergerät zückt, quasseln die Zehdenicker los. Es geht um die Stimmung im Städtchen, wenige Wochen vor den Europa- und Kommunalwahlen. Der Ton, so stellt der Reporter fest, sei rauer geworden, seitdem die neuen Rechten mitmischen.

Ohne Lesebrille geht’s nicht mehr

Moritz von Uslar setzt sich die Lesebrille auf und liest ein erstes Kapital aus seinem Buch. Es geht um die „Zecke von Zehdenick“, einen bekannten, ehemaligen Skinhead der Kleinstadt. Schon vor Jahren zog er nach Potsdam. Doch für ein Interview mit Moritz von Uslar ist Sascha Vergin zurückgekehrt, berichtet vom Jahr 1999, als rechte Jugendliche Jagd machten auf die Mitglieder der Jungen Gemeinde. Schon nach dem ersten Kapital wird klar: Auch „Nochmal Deutschboden“ ist kein Frauenbuch. Warum das so ist, versucht der Journalist Jakob Augstein zu erkunden, der nach einer halben Stunde die Bühne betritt, um mit seinem Freund Moritz von Uslar ein Gespräch über das Buch zu führen.

Gespräch mit dem Journalisten Jakob Augstein

Ist es nun ein Roman oder doch eher eine Reportage, will Augstein wissen. Es sei eine Reportage mit Romangefühl, sagte der Autor. Die Sprache mache den Unterschied. An brachialer Ausdrucksweise mangelt es auch dem zweiten Buch keineswegs, an Kraftausdrücken sowieso nicht. Moritz von Uslar ist ein zweites Mal eingetaucht in diese Parallelwelt, zwar nur 60 Kilometer weit weg von Berlin, aber eben doch ganz weit draußen. Für ihn, der sonst in der Schicki-Micki-Welt von Berlin-Mitte verkehrt, sei Zehdenick weiter entfernt als London, Paris und New York.

Neues Buch ist noch politischer geworden

„Platter, direkter und politischer“ sei „Nochmal Deutschboden“ geworden. Ganz bewusst habe er die Menschen im Untergrund aufgesucht, nicht die bürgerliche Elite. Es gehe ja um Unterhaltung. Was die Bäckersfrau Katharina sage, sei viel politischer als das, was Politiker von sich geben würden. Dass einige seiner Protagonisten rechte Meinungen vertreten, bestreitet Moritz von Uslar nicht. „Meine Hauptfiguren sind aber keine Rassisten“, nimmt er seine Interviewpartner vor Kritik in Schutz, wie sie von der Buchautorin Manja Präkels von einigen Jahren im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ formuliert wurde.

Deutschlands beste Kneipe steht in Zehdenick

Natürlich trifft Moritz von Uslar nicht nur die Menschen wieder, denen er vor zehn Jahren begegnet ist, er sucht auch wieder die Orte auf, denen er 2009 zu einiger Berühmtheit verhalf. So hängt er Abend für Abend in der Gaststätte Schröder ab, „die beste Kneipe Deutschlands“. Dort sprechen die Männer bei einer Molle ganz unverblümt über ihre Probleme. Das kostet der Reporter weidlich aus. Nur Frauen trifft er dort keine. „Die sind weniger öffentlich. Die sitzen nicht in der Gaststätte Schröder herum.“
Trotz aller Kritik an seinem neuesten Buch: „Nochmal Deutschboden“ hat er es damit in die Bestsellerlisten geschafft, sagt der Autor zum Schluss unter großem Beifall des Publikums.