Die Impfkapagne läuft – aus Sicht vieler Bürger, vor allem älterer, aber nur sehr schleppend, besser gesagt beängstigend langsam.
Das finden viele Fürstenberger Ruheständler. Zunehmend macht sich Unmut breit, zumal das angekündigte Zentrum für die Verabreichung des neuartigen Serums in Oranienburg eröffnet werden soll. Voraussichtlich ab 18. Januar werde laut Landkreis dort geimpft. Ein weiter Weg wäre das für die Alten aus dem hohen Norden – das finden auch die Mitglieder des Seniorenvereins Alter aktiv.
Christine Pensky-Heymann ist die Vorsitzende der Interessengemeinschaft. Vor dem Hintergrund der miserablen Situation für betagte Menschen hat sie einen Brief an den Bürgermeister der Wasserstadt verfasst. Mit einer klaren Forderung an Robert Philipp und auch die Mitglieder des Stadtrates. Doch nicht nur politischer Druck sollte aufgebaut werden, damit den Ruheständlern auch in Fürstenberg alsbald der Impfstoff von Biontec-Pfizer verabreicht werden kann. Bestenfalls so, dass keine Weltreisen unternommen werden müssen. Die Vereinsvorsitzende wartet auch mit konkreten Vorschlägen auf: Das Einwohnermeldeamt verfüge „über alle Daten unserer Bürger und in diesem Fall könnten die über 80-Jährigen ermittelt werden und die Verwaltung als Mittler beim Impfzentrum in Oranienburg einen Terminplan für die Fürstenberger plus Ortsteile erstellen“, lautet ein Vorschlag. Dann wären die einzelnen Personen anzuschreiben mit Angabe der Termine und möglichen Transportangeboten.

Ehrenamtliche Helfer gewinnen

Zusätzlich könnte die Verwaltung eine eigene Hotline und E-Mail-Adresse für Bürgeranfragen zu den Impfungen und dem Transfer einrichten. Auch könnte die Gemeinde einen Aufruf starten und damit um ehrenamtliche Helfer in der Stadt werben, die bei der Bedienung der Hotline unterstützen, aber auch sich zum Beispiel als Fahrer, gegebenenfalls mehrmals täglich, zur Verfügung stellen.
Natürlich bedürfe es auch Anstrengungen, Kleinbusse und Behindertenfahrzeuge dafür einzusetzen, hierbei wären die Sozialdienste Ansprechpartner und Mithelfer. „Das kostet sicher Zeit und Geld. Die Stadtverwaltung, im Verbund mit den Stadtverordneten, sollte daher umgehend einen Hilfskatalog aufstellen und die dafür notwendigen Haushaltsmittel schnell und unbürokratisch zur Verfügung stellen - etwa aus einem Notfalltopf“, schwebt der Vorsitzenden des Seniorenvereins vor.
Zahlreiche Gespräche mit Mitgliedern des Vereins, überdies Informationen aus dem Buschfunk haben Christine Pensky-Heymann veranlasst, die Situation nicht auf sich beruhen zu lassen: Hochbetagte gebe es zum Beispiel, die sich nach vergeblichen Versuchen, telefonisch unter der Nummer der Kassenärztlichen Vereinigung 1161167 Auskunft zu erhalten, ratlos an sie wendeten. Die Vereinsvorsitzende entwirft ein beunruhigendes Szenario: Eine alte Dame, über 85 Jahre alt, noch einigermaßen gesund und beweglich und allein lebend (ohne oder mit Kindern über Deutschland verstreut), versuche seit Tagen, unter der oben angegebenen Telefonnummer einen Impftermin zu vereinbaren.

Viele Ältere sind ratlos

„Die Hotline ist allerdings immer besetzt, es gibt derzeit auch keine sogenannte Warteschlange. Nach täglich mehrfachen vergeblichen Versuchen gibt die alte Dame verständlicherweise etwas hilflos und genervt auf“, betont die Vereinsvorsitzende.
Und dies passiere derzeit allen Betroffenen. „Wie viele dieser Menschen es dann dabei belassen und damit riskieren, keine Impfung zu bekommen, wenn sie es eigentlich wollen, kann man sich unschwer ausrechnen.“ Gesetzt den Fall, die Dame hat doch irgendwann ihr Ziel erreicht und einen Termin erhalten, dann stellt sich nach den Worten von Christine Pensky-Heymann auch die Frage, „wie sie ohne Auto und ohne fremde Hilfsmöglichkeiten zum Impfzentrum gelangen soll“.
Marlis Iden zum Beispiel, die sich im Verein Alter aktiv seit Jahren engagiert, sei dies so ergangen. „Sie weiß einfach nicht, wie sie an die Impfung kommen kann für sich und ihren Mann“, erklärt die Vereinsvorsitzende. Und dann gebe es da noch das Problem, dass die Familien der älteren Mitmenschen, also Kinder und Enkel zum Beispiel, oft weit entfernt leben und sich nicht um die Omas und Opas kümmern können oder damit in dieser schwierigen Zeit auch zögern.
„Das geht so alles nicht, da muss was passieren“, stellt Pensky-Heymann klar, die den Verein seit wenigen Monaten leitet, voller Tatkraft ist, aber von Corona mächtig ausgebremst wurde.

Kommunen tragen Mitverantwortung

Es könne nicht sein, „dass gerade unsere von der Pandemie am stärksten gefährdeten und ältesten Mitbürger nun mit solchen Problemen alleingelassen werden“. Neben den Heimbewohnern und Personal gebe es in Fürstenberg eine große Anzahl an betreuungs- und pflegebedürftigen alten Menschen, zumeist versorgt von Angehörigen, die ebenfalls „vor einem schier unlösbaren Problem stehen“. Die Kreis- und Kommunal-Verwaltungen haben nach Überzeugung von Pensky-Heymann eine Mitverantwortung, dafür zu sorgen, dass die dringend gebotenen Impfungen schnell und möglichst unbürokratisch zum Wohl der Mitbürger erfolgen können. „Ich meine damit auch, dass mithilfe unserer Verwaltung sowohl organisatorische als auch logistische schnelle Hilfen geschaffen werden sollten, möglichst im Verbund mit der Stadtverordnetenversammlung und den ortsansässigen Sozialdiensten Märkischer Sozialverein, Senio-Vital und DRK Gransee, wenn die lebenserhaltende Impfkampagne Erfolg haben soll.“ Die 74-Jährige meint, dass die ungewöhnlichen Umstände „leider immer wieder auch ungewöhnliche Maßnahmen“ erforderten.

Impfkampagne eine Mammutaufgabe

Von einer absoluten Ausnahmesituation spricht ebenso Bürgermeister Robert Philipp, der nach eigenem Bekunden volles Verständnis für die Sorgen von Christine Pensky-Heymann hat. „Sie hat auch komplett Recht, was die Situation der älteren Menschen zurzeit betrifft“, erklärt Philipp. Aber die Herausforderung bestehe doch darin, in möglichst kurzer Zeit so viele Menschen wie nur möglich zu impfen, nämlich Millionen. Dies sei absolut neu, quasi eine Mammutaufgabe von noch nie dagewesenem Ausmaß. Das Land habe daher eine komplexe Kampagne gestartet und die Kassenärztliche Vereinigung damit beauftragt, vor allem wegen der vielen Hausärzte, die benötigt werden, das Impfen durchzuführen. Mobile Teams würden geplant, und auch Landrat Ludger Weskamp (SPD) erklärte am Donnerstag, es müsse dringend etwas organisiert werden und müssten die Impf-Aktionen kommunalisiert werden. Darunter sei aber zu verstehen, dass die niedergelassenen Ärzte vor Ort, das Impfen durchführen. Robert Philipp mahnte zur Geduld, „kurzfristig können kaum alle Menschen geimpft werden“. Auch die Stadt Fürstenberg wolle aber ihren Beitrag dazu leisten, dass alle so schnell wie möglich an die Reihe kommen, „Alle sind willens, die Impfungen schnell zu ermöglichen.“
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.