Jammern ist ihre Sache nicht. Christine Pensky-Heymann stemmt sich tapfer gegen Schicksalsschläge. Die Fürstenbergerin sucht die Auseinandersetzung, weicht Konflikten nicht aus und versucht das Beste draus zu machen – nicht einmal für sich, vielmehr für Leute, die als Ruheständler zurzeit völlig ratlos sind. Ende August 2020 wurde sie zur Vorsitzenden des Vereins Alter aktiv gewählt. Der Schwung, den sie mitbrachte, lief wegen Corona aber ins Leere. Christine Pensky-Heymann weiß dennoch, Lethargie ist keine Antwort auf die schlimme Situation für Alte, das Schneckenhaus keine geeignete Unterkunft für den Menschen, zumal für Alte. Die 75-Jährige hat Anfang des Jahres deshalb noch eine Schippe draufgelegt.
Sie kämpfte für die Belange der Rentner vor dem Hintergrund der beginnenden Impf-Kampagne. „Es war ja auch ärgerlich, wie schleppend das im Kreis, in Brandenburg und auch in Fürstenberg angelaufen ist“, stellt sie rückblickend fest. Die Berliner Ruheständler hätten rasch Schreiben bekommen, Taxis zu den Impfzentren wurden vom Land Berlin bezahlt. Und vor Ort? Nix passierte, man habe sich an Oranienburg wenden müssen, abgesehen von der überlasteten Telefonnummer der Kassenärztlichen Vereinigung. Die Vereinsvorsitzende kümmerte sich erst einmal um die Über-80-Jährigen Mitglieder des Vereins und kontaktierte jeden einzelnen von ihnen. „Immerhin 20 Personen sind das“, betont sie.

Isolation schwächt Abwehrkraft

Dann gab es dennoch ein großes Durcheinander, was den Ort der Impfungen betrifft. Inzwischen seien die meisten Ruheständler aber versorgt, merkt sie an. Auch Bürgermeister Robert Philipp (parteilos) unterstützte die Bemühungen, für die Alten das Impfen zu ermöglichen, „nachdem von der Verwaltung lange Zeit nichts kam“, meint Pensky-Heymann, die dem Stadtoberhaupt half, die Liste mit zu impfenden Risiko-Patienten zusammenzustellen. Wobei der Transport nach und von Gransee ebenfalls ungeklärt gewesen sei.
Weil die Impfungen nun aber erfolgen, konnte sich die Vereinschefin auf das eigentliche Thema ihrer Arbeit im Verein konzentrieren. „Die ganze Isolation ist besonders für die älteren Semester pures Gift, vor allem wenn sie alleinstehend sind“, weiß auch Christine Pensky-Heymann. Um zu erklären, was sie meint, holt Pensky-Heyymann etwas aus: Sie lebe zwar allein, Langeweile komme bei ihr aber nicht auf, denn mit ihrem Hund geht sie täglich mindestens zwei Mal vor die Tür Gassi.

„Wege aus der Einsamkeit“

Viele Bücher seien noch ungelesen, Videokonzerte seien eine Alternative, das Reisen und permanenter Konsum fehlten ihr nicht so sehr. Wohl aber „fehlt ein angenehmes Maß an Gemeinschaft, an Fröhlichkeit, so manche Inspiration und das Kennenlernen von neuen interessanten Menschen“, betont sie. Und auch „alle unsere Mitglieder im Seniorenclub“, alle jährlich stattfindenden Aktivitäten sowieso.
Was aber kann man tun, um Menschen etwa aus Apathie und leiser Verzweiflung zu retten? Da zeigte sich wieder einmal: Fernsehen kann Unkenrufen zum Trotz doch bilden. Im RBB sah Pensky-Heymann die Reportage über eine Gruppe von Ruheständlern aus Hamburg, die ein Projekt ins Leben riefen: „Wege aus der Einsamkeit“. Wohlgemerkt schon 2007 erfolgte der Startschuss. „Es geht den Leuten zurzeit darum, dass Über-65-Jährige aus der Isolation geholt werden sollen auf digitale Weise, nämlich mit Online-Kontakten, besser gesagt in Form von Video-Gesprächen am Computer.“
Eine super Idee, fand Christine Pensky-Heymann. Der freilich die technischen Voraussetzungen bei vielen Ruheständlern im Fürstenberger Seenland im Wege stehen. Denn die seien häufig nicht so günstig.

Verstehbahnhof hilft

Fakt sei aber, es gebe Möglichkeiten, die es zu nutzen gelte. Es sei machbar, trotz Corona und des Alters mehr Gemeinschaft zu wagen. Mithilfe von Computer, Laptop oder Handy können über 60-Jährige kreativ werden. Gemeinsam Sport treiben, vielleicht einfach nur miteinander quatschen und sich gegenseitig zuprosten, „ja, warum denn nicht?“, merkt sie schmunzelnd an.
Hilfe gefunden hat die Vereinsvorsitzende bei echten Experten auf digitalem Gebiet: im Verstehbahnhof Fürstenberg. Sie setzte sich mit Daniel Domscheit-Berg in Verbindung, schilderte ihm die Idee, „und der fand sie auch super und will uns unterstützen“, freut sich Pensky-Heymann. Deshalb möchte sie einen Aufruf loswerden an alle Ruheständler in der Wasserstadt: „Trauen Sie sich, machen Sie mit!“ Ein Konzept habe sie zwar noch nicht, doch „erst einmal ist es eine Freude bringende Idee“. Als ersten Schritt schlage sie vor, neugierige und interessierte Senioren schreiben ihr eine E-Mail, in der sie ihr Interesse bekunden.
Ihre Mail-Adresse lautet: christine-dieter@posteo.de.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.

Hamburger Projekt


„Wege aus der Einsamkeit“ versteht sich als innovativen Verein, der sich im Dezember 2007 auf die private Initiative der Gründungsmitglieder gegründet habe. „Wir setzen uns bundesweit für die Verbesserung der Lebensumstände alter Menschen und ihre Stellung in der Gesellschaft ein.“

Gemeinsam mit den Vorstandsvorsitzenden Dagmar Hirche und Helge Jans haben man sich vorgenommen, „unsere Ziele und Themen inhaltlich und öffentlich voran zu treiben und viele Mitstreiter für den Verein zu gewinnen“. Es gelte, Projekte und Initiativen zu unterstützen. Armut, Krankheit und Isolation im Alter sind Themen, die zu selten öffentlich gemacht werden und die Betroffene oftmals vor eine scheinbar ausweglose Situation stellen.

Der Verein unterstützt bundesweit Konzepte, die sich mit Themen rund ums Altern beschäftigen. Man wolle das Bild vom Alter positiver gestalten. „Durch unsere Wettbewerbe sehen wir, wie viele beeindruckende Projekte es in Deutschland gibt, die das Leben im Alter vielschichtig unterstützen. Eigene Projekte entwickeln wir und setzen sie um oder suchen Partner, mit denen wir gemeinsam an der Umsetzung arbeiten.“

Seit 2015 setze man sich dafür ein, dass Menschen 65+, die noch keine digitalen Schritte gewagt haben, ermutigt werden diese zu wagen. „Wir fordern bundesweite, kostenfreie digitale Bildungsangebote für Menschen 65+. Wir fordern kostenfreies WLAN in Altenheimen, Seniorenwohnanlagen, Seniorentreffs oder Quartierstreffpunkten.“