Abgesagt, abgesagt, abgesagt. Die Veranstaltungsbranche ächzt unter der Pandemie. In Häsen hängt aber die große Ankündigungsplane für sämtliche Veranstaltungen 2020 noch ohne Streichungen an der Wand aus hellen Ziegelsteinen, die so typisch sind für das Kornspeicher-Café. Doch bevor der Herbst endgültig ins Löwenberger Land einkehrt, zieht Dorle Pieper die Reißleine. „Schweren Herzens müssen wir die großen Veranstaltungen aussetzen“, bedauert die Kornspeicher-Chefin. Aber sie müsse ihre Gäste, aber ebenso ihre Freunde und Familie schützen, die ihr sonst bei den Events helfen.

Zu wenig Platz für Konzerte

Das betrifft nicht nur Veranstaltungen wie die Konzerte mit Dominic Merten am 26. September und „Spaceship“ am 24. Oktober, sondern vor allem den Publikumsrenner Trödelmarkt, der für Mitte Oktober angesagt war sowie das Adventstreiben Ende November. „Weil es immer so gut besucht ist, können wir leider die vorgeschriebenen Corona-Abstände nicht einhalten“, sagt Dorle Pieper. Zwei Mal im Jahr wird getrödelt, im Frühjahr und im Herbst. 60 Händler bauen dann ihre Stände auf und bieten ihre Waren feil.

Das Virus als Stimmungskiller

Zum Adventstreiben kommen auch schon mal 300 Gäste. Es gibt ein Kinderprogramm auf der Bühne, allein das wollen natürlich Eltern und Großeltern dicht an dicht aus der Nähe erleben. Doch in diesem Jahr? Keine Chance. Das Virus wird zum Stimmungskiller. „Das ist schade für das ganze Dorf“, sagt Dorle Pieper, „aber wir können es nicht ändern“.
Eigentlich hat Familie Pieper in der Vergangenheit also alles richtig gemacht. Der Kornspeicher ist über die Ortsgrenze hinaus bekannt, bei den Dorfbewohnern beliebt und ein Schmuckstück sowieso.

Familienfeiern sind wieder möglich

2009 kauften Dorle und ihr Mann Gernot Pieper den alten Speicher. Mit Liebe zum Detail und weil der Denkmalschutz auch mitredete, belebten sie das alte Gemäuer, ohne es zu verschandeln. Dass Gernot Pieper Bauunternehmer ist, mit einem Händchen fürs Ursprüngliche, hat dem Charakter der früheren Gutsanlage gut getan. Der alte Kornspeicher war Bestandteil der altertümlichen Anlage, deren Ursprünge bis zum Jahr 1791 zurückgehen.
Zum Glück sind jetzt wieder Familienfeiern mit bis zu 75 Personen möglich. Doch zu Beginn der Krise mussten Jugendfeiern und Hochzeiten, die in dem Häsener Kornspeicher ausgerichtet werden sollten, storniert werden. Vergangenes Wochenende spülten zwei Feiern etwas Geld in die Kasse und dieses Wochenende feiert ein Häsener seinen 90. Geburtstag im Kornspeicher.

Es bleibt beim Neujahrsrauch

„Wir müssen zum Glück nicht davon leben“, sagt Dorle Pieper. Die 51-Jährige ist „im ersten Beruf“, wie sie sagt, Leiterin der Kita in Gutengermendorf, und die Auftragsbücher ihres Handwerker-Mannes sind voll. „Corona trifft uns also nicht so hart.“ Das hilft definitiv, den Blick nach vorn zu richten. So soll zumindest das angekündigte und beliebte Neujahrsrauchen am 2. Januar über die Kornspeicher-Bühne gehen, bei dem geräucherte Forelle und vom Schwiegersohn hausgemachter Kartoffelsalat serviert werden. „Das können wir mit den Anmeldungen gut planen und lenken, dass ausreichend Abstand möglich ist“, sagt Dorle Pieper. Was aber sonst 2021 los sein wird im und am Häsener Kornspeicher, steht vorerst in den Sternen. Imn Oktober entscheidet sich, ob der Trödelmarkt im kommenden März wieder Besucher in die Region lockt.