Kreative Ideen gefragt

Da sind kreative Ideen gefragt, wie die Durststrecke überwunden werden kann. Markus Frielinghaus, der vor zehn Jahren sein Unternehmen "Freecamper" gründete, will für sein "Baby" kämpfen. Seine persönliche Krisenhilfe heißt: "Jetzt zahlen. Später auf dem Wasser campen." Er ruft die internationale Campinggemeinde zur Solidarität mit seinen motorisierten Flößen auf. Die Idee: Der Camper, der gerade zu Hause bleiben muss, kann mit Anzahlung von 20, 50 oder 100 Euro helfen, die Liquidität der Firma zu sichern. Nach der Corona-Krise bucht der Kunde dann seinen individuellen Reisetermin. Die Anzahlung kann in den kommenden fünf Jahren mit einer Buchung verrechnet werden. Natürlich seien auch Spenden ohne Gegenleistung willkommen. Trotzdem: An der Staatshilfe führt auch für Frielinghaus kein Weg vorbei. "Die werde ich auf jeden Fall beantragen müssen", sagt der Chef eines Kleinstunternehmens mit weniger als fünf Mitarbeitern. Damit wird das Unternehmen trotzdem nicht zu retten sein, wenn es jetzt viele Stornierungen geben sollte, wovon er aber zurzeit nicht ausgeht. Bevor die Corona-Krise in Deutschland ausbrach, habe es eine gute Buchungslage gegeben. Nur vereinzelt hätten Kunden bislang storniert. "Unsere Gäste  sind noch relativ entspannt", weiß der Jung-Unternehmer aus zahlreichen Gesprächen.
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Frielinghaus, der auch Mitglied der Mildenberger Wassersport-Allianz "Wir an der Havel" ist, blickt wie seine Kollegen im Neuen Hafen des Ziegeleiparks Mildenberg, dort starten die Freecamper optimistisch in die Zukunft: Noch in dieser Woche kehren die Boote aus dem Winterlager zurück. Ab dem heutigen Donnerstag bis Anfang kommender Woche werden seine und die Boote seiner Kollegen zu Wasser gelassen, kündigte er die sogenannte Kranung an.
Wann die Boote dann tatsächlich starten und Geld einspielen werden, steht aber noch auf einem anderen Blatt. Die Durststrecke könnte noch Wochen andauern. Deshalb hat Frielinghaus auch einen emotionalen Aufruf verschickt: "Der Freecamper ist mein Baby, ich habe vor zehn Jahren als erster auf dem Markt Camping auf dem Wasser angeboten. Es funktioniert. Die vielen positiven Rückmeldungen meiner Gäste zeigen, dass nicht nur die Idee, sondern auch das reale Erlebnis auf dem Wasser diese begeistert. Es ist mir klar, dass mein Hilferuf egoistische Züge hat. Die Freecamper sind weder gemeinnützig noch wohltätig, weder systemrelevant noch essenziell. Sie decken kein Grundbedürfnis und sie sind nicht lebensnotwendig. Es gibt in diesen Krisenzeiten bestimmt viele Menschen, denen es schlecht geht, viel schlechter als uns. Ich denke dabei vor allem an die Gesundheit der Menschen, denn die ist am wichtigsten. Bei finanziellen Aspekten denke ich eher: Es ist doch nur Geld. Aber das fehlt gerade. Der gesamten Reisebranche geht es so, aber nicht nur dieser. Der Freecamper ist mein Baby, und für das Baby kämpfe ich jetzt, ich freue mich sehr über Mitstreiter", so der 52-jährige Diplom-Sportlehrer.
Sehr positiv für die Saison 2020 gestimmt ist Caroline Boehnke, Sprecherin der Allianz "Wir an der Havel" und Chefin  von "5 Sterne Yachtcharter", die sich ab sofort im Neuen Hafen des Ziegeleiparks Mildenberg auf die Saison vorbereitet. "Wir bewahren Ruhe", sagte sie. Das täten auch ihre Kunden.

Volle Auftragsbücher

Die Buchungslage sei wider Erwarten sehr gut, was sie angesichts der Sperre der Schleuse Zaaren 2019 so nicht erwartet habe. Auf der Bootsmesse in Düsseldorf habe es sogar mehr Buchungen als in den vergangenen drei Jahren gegeben. Über die gesamte Saison 2020 ergebe sich so eine gute Auslastung. Alles hänge nun von der weiteren Entwicklung ab, ob Grenzen wieder geöffnet werden und das  Kontaktverbot aufgehoben wird. Ob das Verbot von touristischen Übernachtungen auch auf Booten gilt, da hat die Unternehmerin so ihre Zweifel. Das sei eine juristische Grauzone, trotzdem wolle man in der jetzigen Situation gegenüber den Behörden nicht allzu spitzfindig sein. Noch gebe es die Hoffnung, dass alles gut wird. "Uns steht das Wasser noch nicht bis zum Hals, uns steht es nur bis zum Knöcheln", sagte sie.
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Zehn Jahre Campingauf dem Wasser


Die neue Urlaubsform "Camping auf dem Wasser", bei der Camping und Hausbooturlaub miteinander auf einem motorisierten Floß verbunden werden, gibt es seit zehn Jahren. Mehr als 3 700 Gäste konnte Markus Frielinghaus seit der Gründung seiner Firma in Mildenberg begrüßen.

Für seine Idee erhielt er unter anderem den Brandenburgischen Tourismuspreis, die Auszeichnung "Ausgewählter Ort" und war für den Deutschen Tourismuspreis nominiert. red