Dada ist 100 und Gransee ist dabei. In der "Eremitage" an der Granseer Mauerstraße ist ab Sonnabend eine Ausstellung unter dem Thema "Dada ist 100" zu sehen. Gezeigt werden mehr als 100 typografische und grafische Arbeiten von 61 Druckkünstlern und Handpressen aus zehn Ländern.
"Es ist die 16. und auch die größte Ausstellung, die wir bislang hier organisiert haben", sagt Druckgrafiker und Galerist Marc Berger. "Was wäre moderne Kunst, was wäre Typographie, wenn es Dada nie gegeben hätte?", fragt er sich anfangs. Dann machte der Drucker den 100. Geburtstag des Dadaismus 2016 zum Thema des alljährlich erscheinenden "Widerdruck"-Kalenders, ein Gemeinschaftsprojekt zahlreicher Drucker und Designer. Die beteiligten Kollegen waren von dem Thema begeistert, und so entstand die Idee, eine Wander-Ausstellung zu machen.
Diese Pressendrucker arbeiten überwiegend grafisch experimentell, technisch aber mit traditionellen Drucktechniken wie Bleisatz und Hochdruck. "Solche Arbeiten werden sehr selten gezeigt, und auch in Berlin gibt es keine Galerie, die Derartiges regelmäßig ausstellt", so Berger. Insofern sei diese Ausstellung eine einmalige Gelegenheit für Freunde des gedruckten Wortes, experimentellen Umgangs mit Buchstaben und Dada-Fans, sich einen Überblick über die internationale Szene zu verschaffen."Dada ist ja gerade für Pressendrucker interessant. Das Spiel mit Worten und Schrift verbindet beides", sagt Berger.
Dada oder Dadaismus wurde ursprünglich als künstlerische und literarische Bewegung 1916 von Hugo Ball, Emmy Hennings, Tristan Tzara und anderen in Zürich gegründet und zeichnete sich durch Ablehnung konventioneller Kunstformen aus, die oft parodiert wurden. "Man muss sich das mal vorstellen, Dada wurde mitten im Ersten Weltkrieg von Emigranten gegründet, die teils an der Menschheit verzweifelt sind. Für sie war es eine Form, sich damit künstlerisch auseinanderzusetzen", so Berger weiter.
Die Vorgabe für die beteiligten Künstler der aktuellen Schau sei recht offen gewesen. Mindestens ein Buchstabe muss im Werk auftauchen, es sollte gedruckt sein und nicht größer als 70 mal 100 Zentimeter. Letzteres schlicht, weil keine größeren Rahmen vor Ort waren.Von der Qualität der eingegangenen Arbeiten sei er begeistert, ebenso von der Resonanz an sich. "Viel lief über Facebook, einige der Künstler kannte ich vorher gar nicht", bekennt der Granseer.
Die Ausstellung wird zwei Monate in Gransee gezeigt und wandert anschließend auf einer Europatournee unter anderem nach Stralsund, Halle/Saale, Frauenfeld (Schweiz), Horn (Österreich), Hamburg, Amsterdam, Gent und Mailand.
Zur Ausstellung gibt es einen Katalog. Um diesen zu ermöglichen, wurde erfolgreich eine sogenannte Crowdfunding-Kampagne im Internet gestartet.
Die Vernissage ist am 4. Juni um 16 Uhr. Die Ausstellung läuft in Gransee vom 5. Juni bis zum 31. Juli und ist mittwochs, donerstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.