Wie heißt es so schön? Wunder gibt es immer wieder. Für ein weiteres haben am Himmelfahrtstag Gerda und Heinz Fechner in Neuhof bei Zehdenick gesorgt. Sie feierten die Diamantene Hochzeit. 60 Jahre sind sie nun schon glücklich vermählte Eheleute. Und was das Wunder bewirkte, erklären die beiden freimütig und freundlich lächelnd, indem sie den Paragraphen 1 der Straßenverkehrsordnung zitieren: Gegenseitige Rücksichtnahme sei Grundsatz beider all die Jahre über gewesen. Das harmonische Miteinander, das Gerda und Heinz ausstrahlen, lässt keine andere Mutmaßung zu: „Man muss durchaus vergeben können“, bekräftigen beide. Es ist einer der christlichen Grundwerte menschlichen Zusammenlebens also, denen sich Gerda und Heinz verpflichtet fühlen. Was wiederum nicht verwundert: Sie gehören der evangelischen Kirchengemeinde der Havelstadt an. Am Donnerstag fand um 15 Uhr in der Kirche am Zehdenicker Markt für das Jubiläumspaar eine Segnung statt. Und im kleineren Familienkreis wurde gefeiert, wofür die beiden Töchter extra aus Hannover anreisten.
Gerda, die aus dem Örtchen Ziegelei C. Voigt stammt, erblickte 1937 das Licht der Welt, da hatte Heinz schon das Laufen gelernt, der 1935 direkt in Neuhof geboren wurde.

Das Ja-Wort erklang nach sieben Jahren

Sie lernten sich nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg kennen: Am Bahnhof in Neuhof seien sie sich des Öfteren begegnet, Gerda dampfte mit dem Zug täglich nach Templin, wo sie im Kreiskontor als Sekretärin arbeitete. „Naja, und dann gab es ja die Tanzvergnügen an den Wochenenden, wo man sich näher kennenlernen konnte“, erinnert sich Heinz. Doch ließen sich die Beiden gründlich Zeit, bevor sie sich auf den Weg machten zum Traualtar. Sieben Jahre waren sie schon ein Paar, als sie 1961 heirateten. „Wir hatten ja keine Wohnung, es gab einfach keine, da fingen wir erst einmal an, ein Haus zu bauen“, erklärt Heinz. Es ist genau das Gebäude, wo Heinz im Nebengelass viele Jahre später seine eigene Tischlerei gründete. Als Tischler-Meister musste auch er bis 1976 warten, ehe er sich selbstständig machen durfte. „Da gab es einen Ministerratsbeschluss in der DDR, das private Handwerk zu fördern, davon konnte ich profitieren“, erinnert sich der Ehemann. 1977 war es soweit, Heinz Fechner führte seine eigene Firma. Gerda und er hatten damals schon zwei große Töchter, die eine 1962 und die zweite 1963 geboren.
Der Kirchengemeinde blieb das Paar all die Jahre über ein Hobby verbunden, das im besten Sinne Harmonie stiftet: Gerda und Heinz singen im Kirchenchor.

Dauerhafte Partnerschaften haben Seltenheitswert

„Wir haben auch zahlreiche Auftritte andernorts gehabt, etwa in Templin und in Gransee“, zählt Gerda auf. Klare Sache, dass die Schar der Gratulanten an diesem Himmelfahrtstag nicht abreißen wollte. Ob fernmündlich oder persönlich, viele Zehdenicker beglückwünschten die Diamantenen Eheleute. „Aber gefeiert wird nur ganz in privat wegen Corona“, betonen beide. Zumal die Töchter, wenn auch das Wiedersehen eine große Freude darstellt, wegen unaufschiebbarer Termine gleich wieder nach Hause ins ferne Hannover düsen müssen.
Eins steht aber fest: Wer Heinz und Gerda erstmalig begegnet wie der Chronist, freut sich über die jugendliche Tatkraft und den Pragmatismus, die beide ausstrahlen. Umso weniger versteht das Paar den Wandel der Zeiten. „Heutzutage trennen sich viele junge Menschen gleich nach dem ersten Konflikt, da werden solche Ehejubiläen später wohl eine rühmliche Ausnahme sein.“