"Erinnerung - Widerstand - Transformation" hießen die Themen des interdisziplinären Kunstprojektes mit Skulptur, Tanz, Malerei und Texten, die der Bildhauer Rainer Baer zusammen mit der Tänzerin und Malerin Sigrid Spachtholz am Sonnabend auf ihrem Kunsthof gestalteten.
Im kleinen Galerieraum des Hofes zeigten sie Malerei und Skulpturen. Die Bilder von Sigrid Spachtholz sind abstrakt. Sie vermitteln sich über die Form und das Material: Holzasche, verbrannte Erde, menschliches Haar, rote Farbpigmente für Blut. Auch die Holz-Skulpturen von Rainer Baer sind reduziert. Vor einem weißen Tuch der Reinheit, des Lebens und im Orient auch der Trauer erhebt sich auf schwarzer Stele ein rotes Kreuz. Daran hängt eine tief schwarze Figur, die sich nach unten hin bläht, als trage sie eine Frucht. Was wäre, wenn Maria Magdalena mit Jesus ein Kind gehabt hätte, habe sich Baer gefragt. Ihr Schicksal wäre das tausender Frauen und Kinder im Irak und in Syrien heute. Zwei andere Figuren erinnern an Marsyas, ein Mischwesen der griechischen Mythologie. Weil er wagte, sich mit Apollon, dem Gott, zu messen, wurde er lebendigen Leibes gehäutet - aus Baers Sicht eine Strafe wegen der Erhebung gegen die Obrigkeit.
Wie verhalten sich die Deutschen zu Krieg, Terror, Gewalt und zu Menschen, die aus Krisengebieten flüchten und in Deutschland Asyl suchen. Die schwarze Frau (Sigrid Spachtholz) trat erneut ins Bild. Wie Schmutz streifte sie mit fester Hand ihr Unbehagen von Haut und Kleidung. Musik von Luigi Nono, Krzystof Penderecki, Janis Joplin, Henry Purcell, Jimi Hendrix erklang. Nonos Oper "Intolleranza 1960" ist ein flammender Protest gegen Intoleranz, Unterdrückung und die Verletzung der Menschenwürde. Penderecki schrieb sein "Polnisches Requiem" zum Andenken an den unter Jaruzelski 1970 niedergeschlagenen Aufstand der Danziger Werftarbeiter.
"Es gibt so viele Menschen, die aus ihrem Heimatland fliehen und hier Asyl beantragen", so Baer, "die werden so schäbig behandelt, dass man ihnen das wenige Geld, das sie bekommen, nur als Stückchen Papier in die Hände gibt, mit dem sie dann auch nur in bestimmten Lebensmittelmärkten einkaufen dürfen". Nicht minder beklagenswert sei die Kunstpolitik des Landes. Die schwarz-gekleidete Frau wurde stark, ihr Schritt fester, ab und an ballte sie die Fäuste, wurde dann wieder weich, ohne an Kraft nachzulassen.
Ausnahmslos waren die Gäste berührt, begeistert und fühlten sich angesprochen. Ein leckeres Abendmahl gab ihnen die Möglichkeit, miteinander über das Thema zu diskutieren. Alle zeigten sich gespannt, wie es weitergeht. Denn dem "Fragment 1" des Kunstprojektes, das im besten Fall zu einer Transformation im Denken und Handeln führen könnte, sollen weitere Projekte folgen. Gern würden Sigrid Spachtholz und Rainer Baer mit anderen Künstlern arbeiten. Ein Anfang waren die Gemeinschaftsskulpturen des Bildhauers mit der Glasgestalterin Julia Wolpert aus Neulöwenberg, die im Garten betrachtet werden konnten.