"Joop ist im Grunde genommen eine Wundertüte", sagte Galerist Marc Berger in seiner Laudatio. Er kombiniere verschiedenste künstlerische und druckerische Techniken, experimentiere mit den absonderlichsten Farben und Papieren und anderen Bedruckstoffen, arbeite unkonventionell mit verschiedenen Schriften. Offsetdruck, Holz- und Linolschnitt, alte Tapete, Textilien und im Handsatz gebaute Texte sind oft in einem Blatt vereint. Farben und Formen sind in mehreren Schichten übereinander gelegt und wirken malerisch. Abstrakte Formensprache und gezeichnete Figuren durchdringen sich und lassen Sichtbares mit Spirituellem korrespondieren.
Dabei ist Joop Visser in der bildnerischen Kunst ebenso zu Hause wie in der Poesie. "Die Götter vom irischen Meer" füllen in langen senkrechten Bahnen als Einmaldrucke eine ganze Wand. Eigene Texte sind Reflektionen der vielen Wanderungen durch die Gebirge von Mittelschottland, wo noch heute die Götter wohnen. "Diese Welt ist dort komplette Realität, die versuche ich zu verstehen, ernst zu nehmen und damit zu spielen." Die Landschaft und ihre Götterwelt haben ihn immer wieder angelockt. Erst kurz vor dem Tod der Mutter habe er erfahren, dass dort seine Wurzeln sind, denn es war die Heimat seines ihm unbekannten Vaters.
Die faszinierende wie auch ungewöhnliche Kreativität und Offenheit des freundlichen Holländers mit dem dichten Bart scheint keine Grenzen zu kennen. Er bestieg die Bühne der Galerie, wo auf einen Tisch eine kleine Spieluhr montiert war. Zärtlich kurbelte Visser an dem "Pling Plong", welches er einst als Kinderspielzeug erworben hatte, und entlockte ihm zwei eigene Kompositionen. "Die Beschränkung auf zwei Oktaven mag ich", sagte er, "weil ich selbst solche Beschränkung nicht habe". Schon immer habe er komponiert, zunächst im Geheimen für sich, dann aufführungsreif.
In einer Musikerfamilie aufgewachsen, sollte sein künstlerischer Weg in Musik münden. Doch als er mit 17 Jahren bei der Aufnahmeprüfung am Konservatorium im Amsterdam vor dem seriösen schwarz gekleideten Gremium stand, machte er noch während des Gespräches kehrt und lief direkt zur Reichsakademie für Bildende Künste. Doch auch dort ging er eigene Wege. Neben dem Studium für Freie Malerei schlich sich Visser heimlich in die Grafik-Abteilung. Das meiste in Sachen Druckgrafik habe er jedoch bei den jährlich stattfindenden Handpressendrucker-Treffen in Uelzen (Niedersachsen) gelernt, wo er vor fast 25 Jahren Marc Berger begegnete. "Joop ist selbst innerhalb dieser doch schon leicht verrückten Leute einer derjenigen, der noch ein bisschen verrückter als all die anderen Verrückten ist", resümierte Berger. Genau dieses Leben und Arbeiten neben der Spur machte Joop Visser und alle seine Kreationen für die Besucher der Vernissage einzigartig und interessant. "Ich muss alles untersuchen", erklärte Visser lachend, "aber eigentlich bin ich schrecklich ernst".