Fast im Eilzug-Tempo: Erst ein Jahr ist es her, als Vertreter der Potsdamer Firma Visiolar sich im Zehdenicker Ausschuss für Stadtentwicklung zu Wort meldeten. Um ein Projekt zu präsentieren, das voll im Trend liegt. Ein Solarpark solle in Badingen errichtet werden. Auf mehr als sieben Hektar. Der Haken bei der Sache: Vor allem die Betroffenen vor Ort reagierten wenig begeistert. Am Donnerstag, 9. Dezember, wird nun endgültig entschieden. Zehdenicks Stadtrat hat das letzte Wort.
Claus-Dieter Wilksch, der Ortsvorsteher in Badingen und Linken-Stadtverordneter, sieht der Entscheidung mittlerweile gelassen entgegen. „Wir sind uns mit Visiolar einig geworden, ich glaube einem positivem Votum steht jetzt nichts mehr im Wege“, erklärt Wilksch auf Nachfrage. Hauptstreitpunkt waren lange Zeit die Güllebehälter, die sich auf dem alten Stall-Gelände der Agrar GmbH befinden. Die „Güllepötte“ sollen stehen bleiben und würden verpachtet, erläuterte seinerzeit Alexander Quenzel, der Projektmanager und Chef von Visiolar. „Die sind noch recht gut in Schuss.“

Gülletanks sollen verschwinden

Was den Einheimischen überhaupt nicht schmeckte. In Zeiten, wo andernorts massiver Gülle-Tourismus gang und gäbe ist, wehre man sich gegen die Perspektive, dass so etwas in Badingen geschieht. Bernd Krumbach (SPD) brachte einen Einwand vor, dem sich Ortschef Wilksch anschloss: Die Güllebehälter seien marode, sie befänden sich in einem schlechten Zustand, die sollten ebenfalls beseitigt werden. Quenzel war da ganz anderer Meinung: Die Gülle-Pötte seien 2008 errichtet worden, „sie haben einen guten Zustand“.
Wilksch stellte schon damals klar, die Stallanlage sollte konsequent beseitigt und die Fläche entsiegelt werden, „Schweinemast wollen wir nicht mehr im Dorf haben“.
Setzt sich dafür ein, dass das gesamte, alte Stallgelände beseitigt wird: Claus-Dieter Wilksch. Im Stadtrat wird er für das Projekt stimmen.
Setzt sich dafür ein, dass das gesamte, alte Stallgelände beseitigt wird: Claus-Dieter Wilksch. Im Stadtrat wird er für das Projekt stimmen.
© Foto: Martin Risken
Denn noch allzu gut könne man sich an Investoren erinnern, die auf dem Areal 40.000 Schweine mästen wollten. Außerdem wurmte ihn und den Ortsbeirat noch eine anderer Sachverhalt. Visiolar gab nämlich zu bedenken, um das Ganze wirtschaftlich zu betreiben, sei ein Flächenpachtung neben den Stallanlagen notwendig. Die Rede sei von rund 8.000 Quadratmetern, also fast einem weiteren Hektar. Man beabsichtige, das Areal etwa 30 Meter weit auf die landwirtschaftliche Nutzfläche westlich des Stallgeländes auszudehnen, gab Alexander Quenzel zu bedenken.
Alles Schnee von gestern? Wilksch räumte ein, dass die Erweiterung des Areals ein gewisser Wermutstropfen sei. Aber letztlich sei es Sache des Unternehmens, sich mit dem Eigentümer der Fläche darüber auseinanderzusetzen.

Naturschutz hat Priorität

Da wolle man sich als Kommune nicht einmischen. „Fakt ist, die Investoren haben am 9. November im Ortsbeirat ihr korrigiertes Projekt vorgestellt. Es fand einhellige Zustimmung, auch weil die Güllebehälter wegkommen sollen“, erklärte Wilksch. Es sei rundum erfreulich, dass die Firma tatsächlich das ganze Areal entsiegeln will, also dass der gesamte Beton beseitigt wird.
Allerdings muss ein kleines Gebäudes aus Gründen des Naturschutzes stehen bleiben. Denn in einem Gebäude konnte ein Nachweis auf Fledermausnutzung erbracht werden. Die vorgefundenen Fraßplätze stammen von Langohren, sodass ein Sommerquartier dieser Fledermausart anzunehmen ist, heißt es im Umweltbericht zum Bebauungsplan. Nachgewiesen wurden Brutplätze der Gebäudebrüter Haussperling, Rauchschwalbe, Hausrotschwanz und Bachstelze. Des Weiteren konnte die Goldammer als Bodenbrüter vorgefunden werden. Insgesamt sei allerdings nur eine geringe Zahl an Tieren auf dem Areal festgestellt worden.
Besagtes kleine Gebäude soll daher erhalten bleiben. Dort werden drei Fledermausbretter angebracht, um ausreichende Versteckmöglichkeiten zu schaffen.

Bürger wünschen sich sauberen Dorfteich

In dem Gebäude sind darüber hinaus Brutstätten in Form von Nistkästen vorgesehen, so die Firma Bauconcept Neubrandenburg, die mit der Erarbeitung des Bebauungsplanes beauftragt worden ist, den übrigens Visiolar frei finanziert. Außerdem erwirbt das Unternehmen das gesamte Areal. Auf eigene Kosten wird ferner ein Erdkabel verlegt, das einen Anschluss an das benachbarte große „Umspannwerk Gransee“ sicherstellt.
Unmittelbar vor der Entscheidung des Stadtrates am Donnerstag hat Wilksch der Hoffnung Ausdruck verliehen, das Solar-Unternehmen möge der Bitte der Badinger entsprechen, „die notwendigen Ausgleichspflanzungen nicht JWD vorzunehmen, sondern entlang der Allee nach Osterne und Hellberge“. Man hoffe darauf, dass dort Obstbäume gepflanzt werden, etwa 120 an der Zahl. „Und eine Bürgerin hatte noch eine gute Idee, nämlich ob Visiolar nicht auch den Dorfteich in Badingen renaturieren könnte“, merkt Wilksch an.